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Alzheimerdiagnose mit Ultraschall

Gudrun Heise20. September 2016

Jeder hat schon mal etwas vergessen. Das hat nichts mit Alzheimer zu tun. Aber Angst, daran zu erkranken, haben wir wohl alle. Forscher wollen jetzt mit Ultraschall diese Demenzart so früh wie möglich diagnostizieren.

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Klebezettel Herd aus? (Foto: Picture-alliance/ZB/J. Kalaene)
Bild: picture-alliance/ZB/J. Kalaene

Je früher Alzheimer erkannt wird desto größer die Chance, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Die Diagnose wird allerdings meistens erst gestellt, wenn es eigentlich schon zu spät ist, wenn die Betroffenen viele alltägliche Dinge vergessen oder verwechseln oder wenn sie Probleme haben, sich zu orientieren.

Die Erkrankung kann auch dazu führen, dass die Patienten vergessen, sich zu waschen oder sich an die jüngste Vergangenheit kaum noch erinnern. "Wenn solche Symptome auftreten, ist im Gehirn schon einiges passiert. Wir müssen Methoden finden, die eine frühe und klare Diagnose ermöglichen", erklärt Professor Daniela Berg Direktorin der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Neue Methode zur Früherkennung

Berg und ihr Team haben versucht, die Veränderungen, die für Alzheimer typisch sind, mithilfe von Ultraschall zu erkennen. So kann man das ganze Gehirn in allen Ebenen gut darstellen. Dazu nutzen die Wissenschaftler langwelligen Ultraschall, denn damit kommen sie am besten durch den Knochen an der menschlichen Schläfe.

"Wir messen einen Schläfenlappen und die Raumstruktur des Nervenwassers. Das heißt: Wir gucken genau, wie viel Nervenwasser ist da? Und wie viel Gehirngewebe ist da?" erläutert die Medizinerin. "So können wir das Verhältnis von Gehirngewebe zu Nervenwasser in diesem Bereich, der bei Alzheimer früh betroffen ist, berechnen."

Wenn der Nervenwasser-Raum immer größer werde und das Gewebe an dieser Stelle immer weniger, spricht dies für eine Alzheimer-Demenz. Dr. Rezzak Yilmaz, aus dem Team der Wissenschaftlerin, hat 32 Alzheimer-Patienten und 84 gesunde Probanden untersucht und deutliche Unterschiede in diesem Bereich des Gehirns sehen können.

Mit Merkzetteln gegen das Vergessen

Bislang helfen Verfahren wie etwa Kernspin-Tomographie den Ärzten dabei, Alzheimer zu diagnostizieren. Mediziner setzen auch neuropsychologische Tests ein, aber die alleine sind nicht aussagekräftig genug um eine Diagnose zu stellen.

Zusätzlich können Biomarker im Gehirnwasser bestimmt werden, die bei Alzheimer verändert sind. An dieser Form von Demenz erkrankt zu sein, das will sich niemand eingestehen. Das Gehirn ist ein Meister im Kompensieren, und Betroffene verdrängen oft, dass sie unter zunehmendem Gedächtnisverlust und eingeschränktem Auffassungsvermögen leiden. Vielleicht hängen sie auch an allen möglichen Stellen Zettel auf, die sie daran erinnern sollen, bestimmte Dinge zu erledigen.

Uni-Klinikum Kiel, Klinik für Neurologie Schleswig-Holstein - Daniela Berg
Dr. Daniela Berg treibt die Früherkennung von Alzheimer voran.Bild: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Standort Kiel

Wenn das Gehirn schrumpft

Bei Alzheimer lagern sich bestimmte Proteine im Gehirn ab. Die Verklumpungen (Plaques) sind ein Hinweis auf Alzheimer. Sie gelten als typische Merkmale für diese Demenzform. Wie diese sogenannten Plaques entstehen, ist eine zentrale Frage in der Alzheimer-Forschung und den vielen Strategien im Kampf gegen das Vergessen.

Es kann oft Jahre dauern, bis die Krankheit immer offensichtlicher wird. "Man sieht, dass die Nervenzellen zugrunde gehen. Damit werden bestimmte Teile des Gehirns kleiner. Man nennt das Atrophie, das Gehirn schrumpft richtig. Bestimmte Regionen sind davon schneller betroffen, insbesondere der Schläfenlappenbereich," sagt die Medizinerin Berg.

In diesem Bereich, der auch als Temporallappen bezeichnet wird, liegt der sogenannte Hippocampus mit dem Koordinationszentrum des sogenannten expliziten Gedächtnisses. Dort speichern wir beispielsweise das, was wir gerade wahrnehmen. Es ist der Bereich, der für unser Gedächtnis und unser Erinnerungsvermögen wichtig ist.

Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg Kernspintomograph
Bisher konnte die Alzheimer-Erkrankung nur aufwendig in einem Kernspin-Tomographen sichtbar gemacht werden.Bild: picture-alliance/dpa

Ein Mosaik mit vielen Bausteinen

In der Regel werden Menschen zur Früherkennung von Alzheimer in einen Kernspintomographen schicken würden. Für diese Untersuchung muss es mehrere Anzeichen geben und sie ist teuer. Das ist bei Ultraschall nicht so.

"Die Methode, die wir haben, ist einfach ein wichtiger Mosaikstein in der gesamten Diagnosestellung und sicherlich auch im Verständnis von Alzheimer. Wir müssen verstehen, wann und in welchem Ausmaß die Auffälligkeiten entstehen, und das ist etwas, was wir in weiteren Studien noch untersuchen müssen", sagt Berg. Mit den entsprechenden Geräten, kann die Ultraschall-Untersuchung von Geübten gut durchgeführt werden.

Bei der Erkennung von Parkinson habe sich die Untersuchung mit Ultraschall schon bewährt, erklärt Berg. "Es ist mittlerweile so, dass die Ultraschalluntersuchung weltweit eingesetzt wird und sogar in den deutschen Leitlinien für die Diagnostik bei Parkinson steht."

Aber, so die Medizinerin weiter, man müsse immer vorsichtig mit dem sein, dass man keine falschen Hoffnungen weckt. "Weder in der Frühdiagnostik noch in der Frühtherapie sind wir im Moment an dem Punkt, dass wir Menschen, die Angst davor haben, an Alzheimer zu erkranken, wirklich schon etwas anbieten können. Aber es ist sicherlich etwas, woran wir mit aller Kraft arbeiten."