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Angriff auf Flüchtlingskonvoi?

18. August 2014

Prorussische Separatisten sollen nach Angaben der ukrainischen Armee einen Flüchtlingskonvoi in der Nähe von Luhansk beschossen und zahlreiche Zivilisten getötet haben. Die Rebellen dementieren.

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Prorussische Separatisten (Foto: DIMITAR DILKOFF/AFP/Getty Images)
Bild: D.Dilkoff/AFP/Getty Images

Die prorussischen Rebellen hätten den Buskonvoi mit Flüchtlingen nahe der Separatistenhochburg Luhansk mit Raketenwerfern vom Typ "Grad" beschossen, teilte der Sprecher der ukrainischen Armee, Andrej Lyssenko, mit. "Zahlreiche Zivilisten" seien dabei getötet worden, darunter Frauen und Kinder. Die genaue Zahl der Opfer habe jedoch noch nicht ermittelt werden können.

"Die Wucht der Attacke war so groß, dass die Menschen bei lebendigem Leib in den Fahrzeugen verbrannten - sie konnten sich nicht selbst befreien", sagte ein anderer Militärsprecher dem ukrainischen Rundfunksender 112.ua. Die Busse hätten Flüchtlinge aus Luhansk transportiert.

Laut Militär erfolgte der Angriff zwischen den Orten Chriaschtschuwate und Nowoswitiliwka. Der Konvoi sei in einem humanitären Korridor unterwegs gewesen, über den in den vergangenen Tagen bereits mehr als 1800 Menschen geflohen seien.

Dementi der Rebellen

Die prorussischen Separatisten wiesen die Vorwürfe zurück. Die Rebellen hätten gar nicht die militärischen Möglichkeiten für einen solchen Angriff, sagte der stellvertretende Regierungschef der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk", Andrej Purgin. Stattdessen machte er die ukrainische Armee für den Tod zahlreicher Zivilisten verantwortlich. "Die Ukrainer selbst bombardieren die Straße ständig aus der Luft und mit Grad-Raketen. Es scheint, dass sie momentan mehr Zivilisten töten als in den Monaten zuvor."

Die ostukrainische Großstadt Luhansk wird seit Wochen von der ukrainischen Armee belagert, doch leisten die in der Stadt verschanzten Separatisten erbitterten Widerstand. Tag für Tag verlassen etwa 500 Menschen die Stadt. Zehntausende sind bereits aus dem Kampfgebiet geflohen. Die Regierung in Kiew beschuldigt Russland, die Rebellen mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. In den vergangenen Tagen wurden wiederholt russische Militärkolonnen gemeldet, die über die Grenze in die Ukraine eindrangen.

Verhandlungen in Berlin ohne Ergebnisse

In der Nacht war in Berlin ein Krisengespräch der Außenminister Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Die Bewertungen gingen auseinander.

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin sprach von "schwierigsten Gesprächen" und sah keine Annäherung zwischen Moskau und Kiew. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf der Ukraine vor, von ihren Bedingungen für eine Waffenruhe nicht abzurücken. Er drängte auf eine baldige Fortsetzung der Gespräche. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sah Fortschritte in einzelnen Punkten. Über den Verlauf der fünfstündigen Beratungen wurde Stillschweigen vereinbart. Die Außenminister wollen nach Konsultationen mit ihren Staats- und Regierungschefs an diesem Dienstag darüber entscheiden, ob sie die Gespräche fortsetzen.

Steinmeier hatte zu dem Treffen eingeladen, um Wege zu einem Waffenstillstand auszuloten. Weiteres Ziel ist eine wirksame Grenzkontrolle, um Waffenlieferungen aus Russland und die Einreise von prorussischen Kämpfern in die Ostukraine zu unterbinden.

cr/mak (dpa, rtr, afp)