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Auch im Kosovo kommt der Euro

Frank Jung 17. November 2001

Die Einführung des Euro beschäftigt auch die Länder am Rande der Europäischen Union. Dort soll der Umtausch von in D-Mark angelegten Schwarzgeld-Beständen verhindert werden.

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Bald inoffizielle Währung im KosovoBild: EZB

Ralf Reitemeier arbeitet für drei Jahre in Pristina im Kosovo. Als Mitarbeiter einer Frankfurter Unternehmensberatung will er die bislang einzige private Bank in dem immer noch vom Bürgerkrieg gezeichneten Land mit aufbauen. Fünf Filialen der Micro Enterprise Bank, kurz MEB, gibt es im Kosovo schon, aber die Vernetzung untereinander über Computer funktioniert noch nicht. Auch Telefonleitungen sind Mangelware. Manchmal dauere es eine kleine Ewigkeit, bis er eine Verbindung nach Deutschland zur Commerzbank, der deutschen Partnerbank der MEB, bekomme, klagt Reitemeier.

Als wären das nicht schon Probleme genug, kümmert er sich seit Anfang dieses Jahres auch noch um die Einführung des Euro-Bargelds. Der Stichtag erster Januar 2002 hat für das Kosovo eine ebenso große Bedeutung wie für Deutschland oder Frankreich. Zwar ist der jugoslawische Dinar weiter nominell die Währung des Landes. Aber seit im August 1999 auch die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel zugelassen wurde, werden praktisch alle Zahlungen mit der harten deutschen Währung abgewickelt. Entsprechend groß ist die Menge an D-Mark-Bargeld, die zum Jahreswechsel 2001 - 2002 auch im Kosovo in Euro getauscht werden muss. Ralf Reitemeier von der MEB-Bank: "Schätzungen gehen davon aus, dass im Kosovo zwei Milliarden Mark fließen. Wir haben im Moment 200 Millionen Mark an Kundeneinlagen eingesammelt. Das heißt, es sind 90 Prozent, die in bar umgetauscht werden müssen und innerhalb von sechs Monaten hin und hergeflogen werden müssen, was natürlich ein riesiger logistischer Aufwand ist."

Für den Übergang von D-Mark auf Euro ist zunächst die Banking and Payments Authority (BPK) des Kosovo zuständig. Die von der UN-Übergangsverwaltung eingerichtete Organisation nimmt die Aufgaben einer Zentralbank wahr, die es im Kosovo so nicht gibt. Bisher ist die Einführung der neuen Münzen und Scheine kein Thema in der kosovarischen Öffentlichkeit. Das soll sich jetzt ändern, kündigt Ralf Reitemeier an: "Der erste Schritt ist natürlich erst einmal, die Informationskampagne zu starten. Wir sind mit Informationen, Postern und Broschüren versorgt worden, um die lokale Bevölkerung darauf vorzubereiten, dass auch der Kosovo die D-Mark hergibt. Diese Informationskampagne läuft in Deutschland und den Nachbarländern ja schon seit drei oder vier Jahren. Hier muss sie erst noch begonnen werden."

Die Zeit drängt. Wer sein Geld tauschen will, muss dafür erst einmal ein Konto bei der MEB-Bank einrichten. Bisher haben aber erst 30.000 der rund zwei Millionen Kosovaren nach dem Krieg wieder ein Konto eröffnet. Viele horten lieber Bargeld.

Nicht jede Mark, die im Besitz eines Kosovaren ist, stammt aus legalen Geschäften. Aus Waffen- und Drogenhandel sind erhebliche Mengen an illegalen Geldern ins Land geflossen. Die UN-Übergangsverwaltung und die MEB-Bank wollen den Umtausch von Schwarzgeld so schwer wie möglich machen. Wer hohe Beträge eintauschen will, soll nachweisen müssen, woher sie kommen. Genaue Regelungen hierfür gebe es jedoch noch nicht, wie Reitmeier einräumt. Das deutsche Bundeskriminalamt in Wiesbaden werde seine Bank aber beraten: "Da sind wir in engem Kontakt mit dem BKA. Wir haben hier auch ein Team von deutschen Polizisten, die den Kontakt hergestellt haben. Vor Ort haben wir schon die ersten Seminare durchgeführt. Vermutlich werden wir auch Leute nach Wiesbaden zur Ausbildung schicken, um zu verhindern, dass wir Schwarzgelder annehmen."

Neben dem Kosovo hat auch Montenegro die D-Mark als Zweitwährung eingeführt. Darüber hinaus gibt es viele Staaten, vor allem in Osteuropa, in denen hohe D-Mark-Beträge im Umlauf sind. Die Deutsche Bundesbank schätzt, dass insgesamt rund 80 Milliarden Mark - also etwa ein Drittel des deutschen Bargeldbestands - im Ausland gehalten werden. Der Umtausch in Euro sei aber kein Problem, wie die Zentralbanker versichern. Die ausländischen Banken müssten das Geld ihrer Kunden nur einsammeln und nach Frankfurt bringen.