Aufpasser sieht Transparenz-Defizite bei VW

Der von der US-Justiz zur Aufarbeitung des Dieselskandals bei VW eingesetzte Aufpasser Larry Thompson hat einen ersten Bericht vorgelegt. Darin stellt der Compliance-Monitor einige Verstöße gegen US-Auflagen fest.

So seien ihm Informationen vereinzelt erst mit Verzögerung bereitgestellt worden, beklagte Thompson. Als Independent Compliance Auditor (ICA) habe er seine Bedenken diesbezüglich geäußert. "Diese Thematik ist in der nächsten Berichtsperiode umgehend zu klären, damit der ICA seinen Auftrag effektiv erfüllen kann." Er erwarte, dass VW sämtliche Informationen, die er für notwendig erachte, zeitnah zur Verfügung stelle. Der Autobauer habe Verbesserungen zugesagt. Der Jahresbericht ist der erste von drei geplanten Reports.

Thompson soll Volkswagen auf die Finger schauen, damit sich Verfehlungen wie im Dieselskandal nicht wiederholen können. Dafür hat er ein Team von rund 60 Spezialisten zusammengestellt, denen der Autobauer auf Verlangen alle erforderlichen Unterlagen zugänglich machen muss. Der Monitor überwacht, ob die Wolfsburger den mit den US-Behörden geschlossenen Vergleich einhalten und die versprochenen Reformen umsetzen.

"Versehentlich nicht informiert"

Der von den US-Behörden bei Volkswagen eingesetzte Larry Thompson hat detailliert zwei Verstöße gegen die Auflagen festgestellt. Volkswagen selbst habe diese Verstöße gemeldet, so Thompson.

Nach Angaben von Hiltrud Werner, Volkswagen Vorstand für Integrität und Recht, wurde eine Liste von fünf Fragen im Zusammenhang mit der jährlichen Mitarbeiterbefragung "aus Versehen" nicht in die Manager-Handbücher aufgenommen. Zudem sei übersehen worden, zehn Tage vor Beginn von Emissionstests für das Modelljahr 2017 die Umweltbehörde CARB schriftlich zu informieren.

Wirtschaft | 19.06.2018

Thompson erklärte, es sei verfrüht, zu sagen, wie weit das Unternehmen bei der Umsetzung seiner Verpflichtungen gekommen sei. Nach Angaben von Werner soll das im April beschlossene Programm "Together4Integrity" bis 2020 auf die anderen Marken des VW-Konzerns ausgerollt werden. Bis 2025 sollen alle Tochtergesellschaften und rund 650.000 Mitarbeiter erreicht werden. 

Hiltrud Werner und Larry Thompson bei der Vorstellung des ersten Zwischenberichts in Wolfsburg.

Verzögerungen und Schwärzungen

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Berichts hob Thompson bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg hervor, dass Volkswagen seine Bedenken ernst nehme. "Es sind eine Reihe von positiven Prozessen angestoßen worden." Bis der Konzern alle Verpflichtungen gegenüber der US-Justiz hinsichtlich Integrität, Compliance und Kultur erfüllt habe, sei aber noch einiges zu tun. "Dort sind wir noch nicht angekommen."

Thompson fordert Volkswagen auf, sämtliche Informationen zeitnah zur Verfügung zu stellen. Vereinzelt sei er mit der Zurückhaltung bei der Übermittlung bestimmter Informationen nicht einverstanden, hieß es im am Montag veröffentlichten ersten Zwischenbericht Thompsons nach "Dieselgate".

Der Amerikaner beklagt in seinem Bericht, das Unternehmen habe unter Berufung auf das Anwaltsgeheimnis und den Datenschutz Schwärzungen in Dokumenten vorgenommen. Volkswagen habe Nachbesserungen zugesagt. 

Die nach dem Dieselskandal eingesetzte Integritäts- und Rechtsvorständin Werner machte klar, dass die angestoßene Veränderung der Unternehmenskultur den Konzern noch viele Jahre beschäftigen werde. Bis 2020 wolle man das Integritäts-Programm auf alle Marken ausdehnen und dann rund 70 Prozent der Belegschaft erreichen. "Wir haben einen Marathon vor uns."

VW: Bis wenigstens 70.000 Mitarbeiter vom Integritätsprogamm erreicht sind, "haben wir einen Marathon vor uns."

VW soll "anständiger werden"

Auf Fragen nach den Ursachen des Dieselskandals verwies Thomson auf die laufenden Untersuchungen in den USA und in Deutschland. "Das ist nicht auf meiner Verantwortungsliste." Er sei kein Ermittler, sondern dafür zuständig, dass VW seine Verpflichtungen erfülle. Er könne noch nicht bewerten, ob die eingeleitete Veränderung wirksam seien, sagte Thompson, der früher stellvertretender US-Generalstaatsanwalt war.

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Um zu illustrieren, dass Volkswagen den Wandel ernst nehme, verwies der 72-Jährige auf Aussagen von Konzernchef Herbert Diess. Dieser will den Wolfsburger Großkonzern, der seit fast drei Jahren mit den Folgen des Dieselskandals ringt, "anständiger" machen. Volkswagen müsse ehrlicher, offener und wahrhaftiger werden, hatte Diess im Mai vor den Aktionären angekündigt.

Ein Konzern unter ständiger Aufsicht

 In den Verhandlungen mit der US-Justiz hatte VW zugegeben, mit Abgasangaben Behörden und Kunden jahrelang betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz behindert zu haben. Der strafrechtliche Vergleich hat ein Volumen von gut vier Milliarden Euro.

Insgesamt kostet die Aufarbeitung der weltweit millionenfachen Abgasmanipulation VW bislang mehr als 27 Milliarden Euro.

dk/ul (dpa, rtr)


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