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Neue Gewalt in Bengasi

29. Juli 2013

Im libyschen Bengasi sind bei Anschlägen und anschließenden Gefechten mindestens ein Mensch getötet und 13 weitere verletzt worden. Die Lage in der Rebellenhochburg gilt seit langem als extrem angespannt.

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Sicherheitskräfte nach dem Anschlag im lybischen Bengasi (Foto:Reuters)
Bild: Reuters

Mehrere schwere Explosionen erschütterten am Sonntagabend die libysche Rebellenhochburg Bengasi. Dabei wurden laut Angaben des örtlichen Krankenhauses al-Hauari mindestens 13 Menschen verletzt. Die Sprengsätze hätten sich in präparierten Koffern befunden, sie seien zum Zeitpunkt des Fastenbrechens nahe des Justizpalastes der Stadt sowie in der Nähe eines Büros des Generalstaatsanwalts gezündet worden, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte mit. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass Häuser im Umkreis der Detonationen stark beschädigt worden seien.

Bei anschließenden Gefechten zwischen Spezialeinheiten der Armee und bewaffneten Milizen wurde nach Angaben der Sicherheitskräfte ein Soldat getötet.

Lage in Bengasi gilt als extrem instabil

Die Anschläge fanden vor dem Hintergrund starker politischer Spannungen in Libyen statt. Am Samstag waren mehr als 1000 Häftlinge aus einem Gefängnis in Bengasi geflohen, wie Regierungschef Ali Seidan mitteilte. Unter ihnen sollen auch Anhänger des langjährigen Ex-Machthabers Muammar al-Gaddafi sein. Anwohner hätten die Haftanstalt angegriffen und den Ausbruch der Insassen unterstützt, weil sie das Gefängnis nicht mehr in der Nähe ihrer Wohngegend wollten, erklärte Seidan. Etwa 100 entflohene Häftlinge wurden nach Angaben des Chefs der örtlichen Sicherheitsdienste, Mohammed Scharif, inzwischen wieder in Gewahrsam genommen.

Anschläge in Bengasi

Tausende demonstrierten am Wochenende außerdem gegen die Muslimbruderschaft und gegen die Ermordung eines bekannten politischen Aktivisten. Dabei setzten sie zahlreiche Gebäude in Brand. Der Menschenrechtsaktivist und Anwalt Abdessalem al-Mesmari, der zu den Initiatoren der Rebellion 2011 gehörte, wurde am Freitagabend beim Verlassen einer Moschee erschossen. Er hatte sich zuvor gegen den Einfluss der islamistischen Bruderschaft stark gemacht. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte eine "lückenlose Aufklärung" des Falls. Er betonte, dass Gewalt "in keiner Weise Mittel der politischen Auseinandersetzung sein kann".

Bengasi gilt als einstige Hochburg des Aufstandes gegen Gaddafi, der 2011 gestürzt wurde. Den Behörden gelang es anschließend nicht, die früheren Rebellengruppen aufzulösen und zu entwaffnen. So war Bengasi in den vergangenen Monaten häufig Schauplatz zahlreicher politischer Gewaltverbrechen. Diese richteten sich vor allem gegen Mitglieder des früheren Sicherheitsapparats. Militante Islamisten griffen aber auch westliche Ziele an. So wurde im September 2012 das US-Konsulat in Bengasi attackiert. Dabei wurden Botschafter Chris Stevens sowie drei seiner Mitarbeiter getötet.

da/kis (afp, rtr)