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Politik

Massaker an Indigenen in Nicaragua

31. Januar 2020

Die Mayangna leben an der Ostküste - in Wäldern, aus denen rabiate Bauern Acker- und Weideland machen wollen. Menschenrechtsorganisationen werfen Nicaraguas Präsident Ortega vor, den Konflikt schlichtweg zu ignorieren.

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Nicaraguas Langzeit-Staatschef Daniel Ortega (Foto: Getty Images/AFP/M. Ngan)
Nicaraguas Langzeit-Staatschef Daniel Ortega Bild: Getty Images/AFP/M. Ngan

In Nicaragua sind bei einem bewaffneten Angriff mutmaßlich illegaler Holzfäller mindestens sechs Indigene getötet worden. Zehn weitere Ureinwohner würden vermisst, teilte die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) mit. Der Überfall ereignete sich demnach in einer Umweltschutzzone an der Karibikküste. Betroffen sei die indigene Gemeinde der Mayangna. Diese sind an der Ostküste von Nicaragua und Honduras beheimatet. 2010 lebten rund 27.000 Mayangna in Nicaragua.

80 Bewaffnete an Attacke beteiligt 

Die Umweltschutzorganisation "Fundacion del Rio" teilte mit, bewaffnete Gruppen hätten die indigene Gemeinde mit dem Ziel angegriffen, das Land in Besitz zu zunehmen. Bei dem Überfall seien auch Unterkünfte der Bewohner niedergebrannt worden. Ort des Geschehens war nach einem Bericht der Tageszeitung "La Prensa" das Dorf Alal, etwa 80 Bewaffnete seien an der Attacke beteiligt gewesen.

In dem Biosphärenreservat Bosawás gibt es einen Konflikt, weil die Indigenen sich weigern, ihr Territorium zu verlassen. Sebastían Lino von der lokalen Regierung der Mayangna erklärte, dass Landwirte seit Jahren versuchten, sich das Land anzueignen, um darauf Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.

 Erika Guevara Rosas, die Amerika-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (Foto: picture-alliance/dpa/E. Peres)
Erika Guevara Rosas, die Amerika-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Bild: picture-alliance/dpa/E. Peres

Die oppositionelle "Zivile Allianz für Gerechtigkeit und Demokratie" machte die nicaraguanische Regierung mitverantwortlich für das Massaker. Die Gemeinde habe bereits im November Drohungen erhalten, aber der Staat habe nichts unternommen. "Wenn der Staat gegen solche Vorfälle nicht vorbeugt und sie nicht bestraft, hält er seine internationalen Verpflichtungen, die Unversehrtheit, das Leben und das Land der Indigenen zu schützen, nicht ein", erklärte die Interamerikanische Menschenrechtskommission. Sie rief die linksgerichtete Regierung des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega auf, den Schutz der indigenen Gemeinden sicherzustellen.

Angriffe seit mehr als zehn Jahren

Ähnlich äußerte sich auch Amnesty International. Die indigene Bevölkerung in Nicaragua berichte bereits seit über zehn Jahren von Angriffen auf ihr Land, betonte Erika Guevara Rosas, die Amerika-Direktorin der Menschenrechtsorganisation, auf Twitter. Ziel sei es auch, an das Holz der Wälder zu gelangen.

sti/mak (afp, rtr, ap, epd, kna)