Cannes-Jurychef: Alejandro González Iñárritu

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Meister der Regie: Alejandro González Iñárritu

Mit nunmehr sechs langen Spielfilmen hat sich der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu, geboren 1963 in Mexiko-City, nach ganz oben gearbeitet. Er gehört zweifellos zu den bedeutendsten Filmregisseuren der Gegenwart. Es gibt fast keinen internationalen Filmpreis, den er nicht schon gewonnen hat. Schon sein Debüt war eine filmische Sensation.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Debüt mit "Amores Perros"

Iñárritus erster großer Regie-Auftritt in der Welt des Films bescherte ihm gleich einen beachtlichen Triumph. "Amores Perros", sein komplex erzählter Spielfilm über die Härten des Lebens im Moloch Mexiko-City, räumte im Jahr 2000 beim Festival in Cannes zwei wichtige Preise ab und errang danach zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Das Gewicht der Seele: "21 Gramm"

Iñárritus zweiter Spielfilm "21 Gramm" bestätigte das künstlerische Potential dieses Regisseurs. In dem hochdramatischen Kinofilm spielt Sean Penn 2003 einen Patienten nach einer Herz-OP. Der in einzelne Erzähl-Splitter zerfallende Film spielt mit verschiedenen Handlungssträngen. Erst ganz am Ende löst der Regisseur seine Geschichte elegant auf.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Hollywoodstars und Experimente: "Babel"

Auch im folgenden Film "Babel" (2006) präsentiert Iñárritu keine lineare Handlung, sondern ein vielfach gebrochenes Erzählkonstrukt. Doch so kühn der Regisseur seine Filme erzählt, schafft er es doch, für seine Projekte große Hollywood-Stars zu verpflichten. In "Babel" sind es unter anderem Cate Blanchett und Brad Pitt.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Spanische Passionsgeschichte: "Biutiful"

In seinem nächsten Spielfilm "Biutiful" (2010) bringt der Mexikaner einen völlig anderen Tonfall auf die Leinwand. Diesmal erzählt er seine Geschichte relativ konventionell - und siedelt sie in Europa an. Javier Bardem spielt in "Biutiful" einen krebskranken Familienvater in Barcelona zwischen Kleinkriminalität und religiöser Hingabe.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Triumph mit "Birdman"

2015 erobert Iñárritu dann mit seinem Kinofilm "Birdman" endgültig Hollywood. Die in einer Einstellung gedrehte Satire um einen abgehalfterten Filmstar (Michael Keaton) in New York gewinnt vier wichtige Oscars - und untermauert einmal mehr, dass dieser Regisseur künstlerisch etwas zu sagen hat und sein Publikum trotzdem prächtig unterhält.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Von New York in die Einsamkeit: "The Revenant"

Doch Iñárritu entpuppt sich in seinem nächsten Film auch als Meister der Naturinszenierung. "The Revenant" wird 2015 in den unwirtlichen, menschenleeren Wäldern Kanadas und Südamerikas gedreht. Für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung, vor allem für Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Eintauchen in andere Welten: "Carne y Arena"

Sein bisher letzter fertiggestellter Film ist ein Virtually-Kunstwerk. In "Carne y Arena" (2017) wird der Zuschauer mittels einer Datenbrille in die Lage versetzt, das Schicksal von Flüchtlingen hautnah mitzuerleben. Visuell und akustisch soll ein möglichst realistischer Eindruck vermittelt werden. Das Publikum wird in die oft gefährliche Situation von flüchtenden Menschen hineinversetzt.

Jurypräsident in Cannes 2019: Alejandro González Iñárritu

Wem überreicht Iñárritu die Goldene Palme?

Die Frage, die sich in den kommenden Tagen die Zuschauer der Wettbewerbsfilme in Cannes und die Regisseure der Konkurrenz stellen, ist: Wem überreicht der mexikanische Starregisseur am 25. Mai zum Abschluss des Festivals den Hauptpreis? Iñárritu, der selbst schon viele Preise bekam, u.a. 2016 den Oscar, wird eine gute Wahl zugetraut.

Der mexikanische Regisseur ist 2019 Chef der Jury in Cannes. Iñárritu urteilt gemeinsam mit sieben Kolleginnen und Kollegen über den wichtigsten Filmfestivalpreis. Im Jahr 2000 begann mit ihm das mexikanische Filmwunder.

Eine Goldene Palme hat er bisher noch nicht in seiner Sammlung. Doch das kann ja noch kommen. Ansonsten hat Alejandro González Iñárritu schon so ungefähr alles an Filmpreisen gewonnen, was es zu gewinnen gibt in der Welt des Kinos.

Oscars, Golden Globes, diverse Auszeichnungen in Europa, zudem Preise in seinem Heimatland. Verdient hat er sie. Da ist sich die Filmwelt einig. Der 1963 in Mexiko-City geborene Iñárritu gilt heute als einer der künstlerisch einflussreichsten Regisseure der Welt, dessen innovative Werke zudem auch an den Kassen reüssieren.

Mexikanisches Filmwunder seit knapp 20 Jahren

Iñárritu steht damit an der Spitze eines bemerkenswerten Phänomens. Seit der Regisseur im Jahr 2000 mit seinem Spielfilmdebüt "Amores Perros" beim wichtigsten Filmfestival der Welt in Cannes in einer Nebenreihe auftauchte und zwei Preise mit nach Hause nehmen konnte, spricht die Welt des Kinos vom Filmwunder Mexikos.

Hat gut lachen: Erfolgsregisseur Alejandro González Iñárritu

Das mittelamerikanische Land hat seither einen Siegeszug bei Festivals, bei den Oscars und Golden Globes und auch an den Kinokassen vieler Länder hingelegt, der seinesgleichen sucht. Auch bei der Berlinale wurden in vergangenen Jahren einige mexikanischen Filmkünstler ausgezeichnet.

Kunst | 10.11.2017

Regisseure wie Alejandro González Iñárritu, Alfonso Cuarón oder Guillermo del Toro sind heute in Hollywood überaus gefragt, schaffen es aber auch im kommerziell geprägten US-amerikanischen Kino, ihre spezifisch mexikanische Identität nicht zu verleugnen. Andere Filmemacher wie Carlos Reygadas oder Amat Escalante mögen noch nicht ganz so bekannt sein wie Iñárritu und Co., wurden aber auf den wichtigsten Festivals der Welt ebenfalls schon mit zahlreichen Preisen bedacht.

Auch vor der Kamera glänzen die Stars aus Mexiko

Nimmt man Schauspielerinnen und Schauspieler wie Salma Hayek und Gael García Bernal hinzu, kann man zurecht von einer nun schon länger anhaltenden Blüte des Films in dem mittelamerikanischen Land sprechen.

Charmant vor der Kamera und auf den Filmbühnen der Welt: Salma Hayek

Nicht zuletzt dieser große Aufmerksamkeit, die den Filmschaffenden Mexikos in den USA und Europa entgegengebracht wird, hat es der Regisseur Alejandro González Iñárritu nun zu verdanken, dass ihm jetzt - als erstem Filmemacher seines Landes - die Ehre zuteil wurde, in Cannes der Internationalen Jury vorzusitzen.

Iñárritu sei nicht nur ein wagemutiger Filmemacher voller Überraschungen, sondern auch ein Mann mit Überzeugungen, ein Künstler seiner Zeit, schwärmte der Direktor des Festivals in Cannes, Thierry Fremaux, als er bekannt gab, wer 2019 über die Goldene und Silbernen Palmen der Konkurrenz an der Côte d'Azur zu entscheiden habe.

Cannes-Chef Thierry Fremaux holte Alejandro González Iñárritu an die Jury-Spitze

Unterstützt wird Iñárritu von sieben prominenten Kolleginnen und Kollegen. Von der Regieseite her unterstützen ihn der Grieche Yorgos Lanthimos, der Pole Pawel Pawlikowski, Robin Campillo aus Frankreich, die Italienerin Alice Rohrwacher und Kelly Reichhardt aus den USA.

Hinzu kommen die Schauspielrinnen Elle Fanning (USA) und Maimouna N'Diaye aus Burkina Faso sowie der französische Comiczeichner und Filmemacher Enki Bilal.

Ob der Wettbewerb der 72. Ausgabe des wichtigsten Filmfestivals der Welt in diesem Jahr erstklassige Filme zu verzeichnen hat, werden wir erst in ein paar Tagen wissen. Die Jury zumindest mit ihrem mexikanischen Präsidenten Alejandro González Iñárritu ist auf jeden Fall erstklassig besetzt.