Comic aus dem Mittelalter: Der "Teppich von Bayeux" soll verreisen

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Einmalige historische Quelle

Er ist mehr als 950 Jahre alt und ungewöhnlich gut erhalten. Im Bayeux Museum in der Normandie ist der fast 70 Meter lange Teppich aus dem Mittelalter ausgestellt - hinter Glas und mit wenig Licht. Mit dem Audio-Guide am Ohr schreiten die Besucher am Teppich entlang und können so die Geschichte verfolgen, die er erzählt.

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Unzählige Details

Die Erzählung beginnt ca.1064: Eduard, König von England, hat keine Nachkommen und schickt Harold, Earl of Wessex, als Boten in die Normandie zu Herzog Wilhelm. Harold soll dort kundtun, dass er - nach Eduards Tod - die Nachfolge des englischen Throns antreten wird. Der Teppich überliefert unzählige Details aus der damaligen Zeit: Kleidung, Haarschnitte, Werkzeuge. Eine Fundgrube für Historiker.

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Einblick ins Mittelalter

Die Geschichte, die der Teppich erzählt, ist komplex. Um es kurz zu fassen: Harold reist zu Wilhelm in die Normandie und erlebt unterwegs zahlreiche Abenteuer. Hier (Foto) überschreitet er zusammen mit Wilhelm den Fluss Couesnon und rettet zwei Soldaten Wilhelms aus dem Treibsand. Unterstützt wird die Überlieferung von kurzen lateinischen Begleittexten, die ebenfalls auf den Teppich gestickt sind.

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Zurück in England

Dieser Ausschnitte des Teppichs zeigt Harold, wie er - zurück in England - König Eduard Bericht erstattet. Er verschweigt ihm allerdings, dass er bei Wilhelm einen Eid abgelegt hat und damit eigentlich für die Thronfolge in England nicht mehr in Frage kommt. Neben der Haupthandlung finden sich am Rand des Teppichs immer wieder Szenen aus dem alltäglichen Leben.

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Der Anfang vom Ende

Als König Eduard stirbt, besteigt Harold den englischen Thron. Als Wilhelm davon erfährt, lässt er eine Flotte bauen, um England zu erobern. Auch dies liefert den Historikern wieder viele Detail-Informationen zum Thema Schiffsbau in der damaligen Zeit. Dieser Ausschnitt zeigt die Landung der Normannen in England.

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Schlacht von Hastings

Das Ende ist bekannt - die Normannen gewinnen, England wird besetzt. Der Teppich zeigt, wie Harold von einem Pfeil getroffen wird und stirbt. Bilder der berühmten "Schlacht von Hastings" finden sich in Großbritannien in jedem Schulbuch und auch der Teppich von Bayeux dürfte den meisten Schülern ein Begriff sein.

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Der Teppich als Kirchenfenster

Wer den Wandteppich damals in Auftrag gegeben hat, ist nach wie vor umstritten. Genauso wie die Frage, wer ihn hergestellt hat und warum es ausgerechnet ein Teppich sein sollte. Als Glasfenster (Foto) macht er sich jedenfalls auch gut. Ein Ausschnitt des Teppichs diente als Vorlage für dieses Kirchenfenster in der Normandie.

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Bayeux Museum soll umgebaut werden

Der Teppich von Bayeux ist gut erhalten, doch in einem fragilen Zustand. Trotzdem will Frankreich ihn an Großbritannien ausleihen, während das Bayeux Museum in der Normandie umgebaut wird. Zuvor aber muss der Teppich restauriert werden, so dass mit einer Ausleihe nicht vor 2020 zu rechnen ist.

Er ist fast 70 Meter lang, stammt aus dem 11. Jahrhundert und gilt als einzigartig. Frankreich will den berühmten Teppich von Bayeux nun erstmals an Großbritannien ausleihen - zuvor aber muss er restauriert werden.

Im Moment hängt das Prachtstück, das manch einer als den ersten Comic der Geschichte bezeichnet, in einem eigens für ihn errichteten Museum in Bayeux, einer kleinen Stadt in der französischen Normandie. Das wird auch vorläufig erst mal so bleiben, doch es gibt Pläne: Der französische Staatspräsident Emanuel Macron hat bei seinem Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May am heutigen Donnerstag die Ausleihe des Teppichs von Bayeux zugesagt. 

Aufwendige Restaurierung

Der rund 70 Meter lange Wandteppich schildert die Eroberung Englands 1066 durch Wilhelm den Eroberer, der Herzog der Normandie war. Das Kunstwerk gehört zum Weltdokumentenerbe der UNESCO - und ist äußerst fragil. Bevor er verliehen werden kann, muss der Teppich restauriert werden, so dass mit einer Ausleihe nicht vor 2022 zu rechnen ist. Nach Angaben der Stadt Bayeux ist zudem eine Partnerschaft zwischen dem örtlichen Museum und britischen Kultureinrichtungen notwendig.

Theresa May begrüßte die Ankündigung. Es ermögliche den Menschen im Vereinigten Königreich, den "Teppich von Bayeux" zu sehen. Viele Briten kennen Bilder des Wandteppichs schon aus ihren Schul-Geschichtsbüchern. Nach Angaben britischer Medien ist aber noch unklar, wo der Teppich in Großbritannien ausgestellt werden könnte.

pl/fab (dpa/afp)

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