Computermodelle und Videokonferenzen gegen den Klimawandel

Die stellvertretende Direktorin des Environmental Change Institute in Oxford identifiziert Bereiche, in denen sie Emissionen reduzieren kann. Allein geht das aber nicht, sagt sie.

Friederike Otto führt Studien durch, in denen sie die Verbindungen zwischen globaler Erwärmung und Extremwetter untersucht - Hitzewellen und Ernte-zerstörende Dürren, zum Beispiel. Ihre Arbeit beim Environmental Change Institute an der University of Oxford fließt in das World Weather Attribution-Programm (WWA) ein.

Natur und Umwelt | 30.04.2019

Je länger sie über ihre eigene Rolle bei der Verursachung von CO2-Emissionen nachdenkt, sagt Otto, desto deutlicher wird ihr, wie dringend Sofortmaßnahmen für den Klimaschutz seien.

Erst vor kurzem hat das WWA einen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen in der Atmosphäre und den Hitzewellen und tödlichen Feuern des vergangenen Jahres in Europa hergestellt.

"Verglichen mit einer Durchschnittsperson ist mein CO2-Fußabdruck verheerend. Das liegt vor allem am Fliegen", sagt Otto. "Auf der anderen Seite ist mein täglicher Einfluss eher klein, weil ich in Oxford lebe und arbeite. Ich habe kein Auto, hatte ich nie. Meine täglichen Wege lege ich zu Fuß oder mit dem Rad zurück."

Natur und Umwelt | 16.04.2019

Die Aufgabe, CO2-Emissionen zu reduzieren, insgesamt, könne sie aber nicht allein bewältigen, sagt die Forscherin. Ihr Wohnhaus sei ein gutes Beispiel. Es ist relativ neu gebaut und entspricht den britischen Emissions-Standards. Die seien aber sehr schwach, so Otto. Und das, obwohl man heutzutage sehr wohl sogar CO2-neutral bauen könne.

Wir brauchen relevante Computermodelle und mehr Videokonferenzen gegen den Klimawandel, sagt Otto

Wie andere Wissenschaftler auch, sagt sie, dass Reisen zu Konferenzen ärgerlich seien. Tausende Wissenschaftler wären jedes Jahr viele Kilometer im Flugzeug unterwegs, um an Konferenzen teilzunehmen. Die seien zwar wichtig für die Weiterentwicklung der Wissenschaft, aber es könnte noch weit mehr getan werden, um die Reisen zu reduzieren. Dazu gehöre auch eine bessere Technik für Videokonferenzen.

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Die Nutzung großer Supercomputer für komplexe Klimamodelle sei ebenfalls energieintensiv. Trotzdem sei sie entscheidend für das Verständnis des Klimas.

"Wir brauchen eine Menge dieser Modelle, um für Klarheit zu sorgen. Aber man könnte viel mehr dafür tun, Simulationen, die bereits durchgeführt wurden, besser zu nutzen, anstatt ständig neue durchzuführen. Für die hat man dann nicht genug Leute, um sie zu analysieren", so Otto. Ihr Vorschlag lautet, dass Forschungsorganisationen beginnen sollten, explizit Anfragen für Studien zu stellen, die sich auf bestehende Modellsimulationen stützen.

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Viele große Institutionen unternehmen bereits solche Schritte, ergänzt Otto. Der strategische Einsatz von institutionellen Ressourcen und Kapital würde ein starkes Signal senden, hofft sie.

"Um wirklich etwas zu bewegen, ist es vielleicht nicht der wichtigste Schritt bei der Forschung anzusetzen. Es gibt andere, die mehr Effekt hätten. Aber natürlich geht es am Ende darum, keine CO2-Emissionen zu haben, also wäre es sicher ein gutes Zeichen."

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Atlantis 2.0

So wie die globale Erwärmung, schreitet auch der Anstieg des Meeresspiegels immer schneller voran. Während die Ozeane von 2004 bis 2010 insgesamt um etwa 15 Millimeter anstiegen, so verdoppelte sich dieser Wert für 2010 bis 2016, berichtet die Meteorologische Weltorganisation (WMO). Küstenregionen und flache Inseln im West-Pazifik sind besonders gefährdet und könnten bis 2100 im Meer versinken.

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Eisbrecher

Während sich die Ozeane und die Atmosphäre erwärmen, schmelzen Gletscher und Eiskappen. In den nördlichen und südlichen Sommermonaten von 2016 sank das gobale Packeis um 4 Millionen Quadratkilometer stärker als im Durchschnitt seit Beginn der Messungen. Infolgedessen fließt mehr Schmelzwasser in Flüsse und Meere, was auch den Meeresspiegel steigen lässt.

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Verliert Nemo

Einige Meeresregionen haben sich bereits um mehr als drei Grad Celsius erwärmt. Das bringt maritime Ökosysteme durcheinander. 72 Prozent der Fischarten die im Nordostatlantik durch Grundschleppnetze gefangen werden, gehen bereits zurück - in Fangmenge und Verbreitung. Und auch tropische Arten wie Clownfische sind in ihrem Lebensraum bedroht.

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Korallenbleiche

Mehr Kohlendioxid in der Luft verändert auch den PH-Wert des Wassers. Es wird saurer. Das schadet Nemos Zuhause - den sensiblen Korallenriffen. Steigen dann auch noch die Wassertemperaturen um nur 3 Grad Celsius, kann das den Tod von Korallenriffen und dessen Bewohnern bedeuten. Nördliche Teile des Great Barrier Reefs vor Australien sehen bereits Sterberaten von bis zu 50 Prozent.

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Stürmische Aussichten

Wenn die Meere sich erwärmen, könnte es auch mehr und stärkere tropische Wirbelstürme geben. Einer dieser Riesenstürme war Hurrikan Matthew, der im Oktober 2016 auf die haitianische Küste, Kuba, die Bahamas und Florida traf. Der Hurrikane forderte mehr als 1.000 Todesopfer und verursachte einen wirtschaftlichen Schaden von 13,8 Milliarden Euro.

Was passiert wenn die Meerestemperaturen steigen?

Turbulenter Luftverkehr

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen atmosphärischen Winden und Meerestemperaturen. Höhere Wassertemperaturen könnten dazu führen, dass der Jetstream stärker wird. Piloten müssen dann mit stärkeren Gegen- und Rückenwinden rechnen. Der Vorteil: manche Flüge erreichen viel schneller ihr Ziel. Der Nachteil: andere Flüge brauchen länger und erleben mehr Turbulenzen.