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Brasilien darf ins Maracana

Tobias Käufer aus Belo Horizonte
3. Juli 2019

Im Halbfinale der Südamerika-Meisterschaft gewinnt Gastgeber Brasilien den Klassiker gegen Lionel Messi und Argentinien. Für die Fußballseele Brasiliens ein Segen, für Argentiniens Superstar ein weiterer Rückschlag.

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Brazil Soccer Copa America Argentina
Bild: picture-alliance/AP Photo/N. Pisarenko

"Eliminado, eliminado!" (Ausgeschieden, ausgeschieden!) schallte es immer wieder durch das weite Rund des Stadions Belo Horizonte, jener Arena, in der Brasiliens Selecao vor fünf Jahren ihre bislang größte Demütigung erleben musste: Das 1:7 im WM-Halbfinale 2014 gegen den späteren Weltmeister Deutschland hatte eine tiefe Wunde in Brasiliens Fußballseele geschlagen. Umso mehr feierten die Fans jetzt, nachdem ihr Team gegen Erzrivale Argentinien das Finale der Copa America erreicht hatte. Und die brasilianischen Anhänger stimmten auch noch das Lied der "1000 Tore" an, die Pelé erzielt hat. Eine Retourkutsche auf die Gesänge der Argentinier, die Maradona zumindest im Lied wieder einmal größer werden ließen, als Brasiliens dreimaligen Weltmeister Pelé.

Maradona-Nachfolger Lionel Messi blieb derweil nur die tröstende Umarmung seines ehemaligen Mannschaftskollegen vom FC Barcelona, Dani Alves, entgegenzunehmen. Mit hängenden Schultern verließ der Superstar den Platz auf dem wieder einmal ein argentinischer Titeltraum geplatzt ist. Argentinien und Lionel Messi können gemeinsam einfach keine Turniere gewinnen.

Euphorische Gastgeber

Schon vor dem Spiel herrschte ausgelassene Stimmung um das mit 55.000 Zuschauern fast ausverkaufte Stadion. Die Veranstalter hatten eigens eine Konzertbühne aufgestellt, tausende Fans nahmen die Einladung an und wurden nicht enttäuscht.

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Matchwinner aus der Premier League: Manchester Citys Gabriel Jesus ebnete mit seinem 1:0 den Weg zum SiegBild: picture-alliance/AP Photo/E. Savio

Gabriel Jesus von Manchester City, der eine sehenswerte Kombination zum 1:0 (19.) abschloss und im zweiten Durchgang seinen Liga-Kollegen Roberto Firmino vom FC Liverpool zum 2:0 (71.) nach einer Energieleistung mustergültig bediente, entschieden die Partie.

Neben Matchwinner Gabriel Jesus war es vor allem Liverpools Torhüter Alisson Becker, der in einer argentinischen Druckphase gleich mehrfach gegen Messi klären konnte und damit wettbewerbsübergreifend seit dem 7. Mai in der englischen Liga, der Champions League und der Copa America ohne Gegentor bleibt. Die Fans dankten es ihm mit "Alisson, Alisson"-Rufen.

Becker lässt Messis Titeltraum platzen

An Weltstar Lionel Messi lag es nicht. Der war an nahezu allen gefährlichen Aktionen der Albiceleste beteiligt. Doch egal, was der mehrmalige Weltfußballer an diesem Abend auch versuchte, es führte nicht zum Ziel.

Nicht bei einer Freistoßflanke, die Sergio Agüero nur an die Latte des brasilianischen Tores lenken konnte (30.) oder bei seinem beherzten Solo, an dessen Ende er erneut Agüero bediente, der aber an Alisson Becker scheiterte (36.). Nicht nach knapp einer Stunde, als er die brasilianische Hintermannschaft in ernsthafte Probleme brachte, aber mit einem halbhohen Abschluss am Pfosten scheiterte.

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Ratlosigkeit bei Argentiniens Nummer 10: Messi war ein Aktivposten, traf aber nicht ins TorBild: picture-alliance/AP Photo/R. Mazalan

Und auch nicht in der 66. Minute, als Messi einen Freistoß in den Winkel schlenzte, aber in einem aufmerksamen Becker erneut seinen Meister fand. Der brasilianische Schlussmann, der beste Chancen haben dürfte erstmals Welttorhüter zu werden, fischte den Ball aus dem Eck.

Messi kritisierte nach der Partie, dass der Video-Schiedsrichter "einfach nichts überprüft hat". Die Argentinier monierten bei der Entstehung des zweiten Tores ein mögliches Foulspiel von Alves. Als wenig später Argentiniens Nicolas Otamendi nach einem Gerangel mit Arthur im Strafraum zu Fall kam, gab es von der argentinischen Bank erneut die Forderung nach einer Überprüfung, doch Leodan Gonzalez aus Uruguay griff erneut nicht ein.

Endlich im Maracana

In der Halbzeitpause nutzte Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro die Gelegenheit für einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt. Bolsonaro schritt die Tribüne von Höhe Mittellinie bis in die Kurve ab. Als er ein brasilianisches Fahnentuch, das ihm ein Zuschauer reichte, demonstrativ schwenkte, brach lauter Jubel aus.

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Präsident Bolsonaro inszeniert sichBild: picture-alliance/AP Photo/N. Antoine

Auf dem Rückweg gab es dagegen laute Pfiffe und Buhrufe. Brasiliens gesellschaftliche Spaltung war auch bei diesem ungewöhnlichen Auftritt zu spüren. Bolsonaro versucht die sich neu aufzubauen Euphorie um die Nationalmannschaft zu nutzen. Auch der verletzte Superstar Neymar macht das Spiel mit und ließ sich von Bolsonaro vor dem Spiel in der Präsidentenloge umarmen und begrüßen.

Zum ersten Mal seit der Renovierung des Stadions geht es nun für Gastgeber Brasilien bei einer Weltmeisterschaft oder einer Copa America wieder ins legendäre Maracana. Bei der WM 2014 blieb der Selecao in Rio verwehrt, auch bei der Copa America war ein Auftritt von Gruppensieger Brasilien nur im Finale möglich. Das ist nun erreicht.

Argentinien vor ungewisser Zukunft

Trotz der erneuten Enttäuschung trat Lionel Messi anschließend die Flucht nach vorne an. "Wenn ich dieser Gruppe helfen oder sie begleiten kann, werde ich das weiterhin tun. Zumindest ein weiteres Jahr wird es Lionel Messi wohl noch im Nationaltrikot geben." Die argentinischen Fans hatten im Stadion unter anderem ein Banner entrollt, auf dem zu lesen stand: "Messi, vergeb uns unsere Beleidigungen."

Seit seinem Turnierdebüt bei der WM 2006 in Deutschland wartet Lionel Messi auf einen Titel mit dem Nationalteam. Nicht immer gingen die Fans in der Vergangenheit nach einem verlorenen Turnier zimperlich mit dem Superstar um. Im kommenden Jahr findet die Copa America in Kolumbien und Argentinien statt. Es könnte vielleicht sein Abschiedsturnier werden. Denn bei der WM 2022 in Katar wird Messi schon 35 Jahre alt sein.