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Coronavirus: Lachen erlaubt!

22. März 2020

Die Situation ist ernst. Das Coronavirus schränkt uns ein, es ist hochansteckend und es bedroht Existenzen. Zu ernst, um drüber zu lachen? Im Gegenteil: Gerade in schwierigen Zeiten ist Humor besonders wichtig.

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Junge lacht
Bild: picture-alliance/Loop Images/M. Strider

Endlich ist der Frühling da, wir aber hocken drinnen. Manche können nicht oder nur eingeschränkt arbeiten. Je nachdem, wie lange dieser Zustand andauert, kann sich die unerwartete Quality time mit der Familie zu einer wirtschaftlichen Existenzbedrohung auswachsen.

Wer im Supermarkt oder in Pflegeeinrichtungen arbeitet, ist einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Andere sitzen im Homeoffice und müssen nebenbei Ersatzlehrer und Dauerunterhalter für die Kinder spielen. Manche sind ganz allein.

Und dann gibt es noch diejenigen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Die – abgeriegelt von der Außenwelt – nicht nur die Symptome der Infektion, sondern auch die Angst bekämpfen müssen.

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Darf man echt Witze über Corona machen? "Ja", sagt Kareen Seidler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin am Deutschen Institut für Humor. "Im Prinzip kann man über alles Witze machen."

Der Psychiater, Begründer der Logopädie und Buchautor Viktor E. Frankl war ganz ähnlicher Meinung. In seinem Buch "…trotzdem JA zum Leben sagen" berichtet der Österreicher von seiner Zeit als Insasse mehrerer Konzentrationslager während des Zweiten Weltkrieges – und davon, wie überlebenswichtig Humor sein kann.

 "Auch der Humor ist eine Waffe der Seele im Kampf um die Selbsterhaltung", beschreibt Frankl die Funktion des "Lagerhumors". Witze zu reißen über eine Situation, die alles andere als witzig ist, schaffe Distanz zu eben dieser Situation.

Der Witzbold erhebt sich - zumindest für einen kurzen Moment - über die bedrohliche Realität, anstatt ganz und gar von ihr überwältigt zu sein.

"Psychohygiene", nennt Seidler das. Es sei gesund und normal über eine beängstigende Situation Witze zu machen. "Humor hat eine Ventilfunktion." Angst und Anspannung lösen sich – wenn auch manchmal nur für ein paar Sekunden.

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"Natürlich ist es wichtig zu schauen, in welcher Situation der Empfänger ist", schiebt Seidler sofort hinterher. "Wir unterscheiden zwischen sozialem und aggressivem Humor", erklärt sie.

Späße über Nudeln und Toilettenpapier sind in Gegenwart eines Menschen, den das Virus in helle Panik versetzt oder der Humor in solchen Situationen grundsätzlich für unangebracht hält, eventuell nicht das Richtige. Dieser aggressive Humor - zu dem auch der schwarze Humor zählt - kann hingegen schmerzhaft sein. Hier ist Empathie gefragt.

Humorvoll zu sein heißt aber nicht unbedingt, permanent Witze am Rand der Schmerzgrenze zu reißen. "Sozialer Humor tut niemandem weh", sagt Seidler. Ein Beispiel für sozialen Humor seien die zahlreichen im Netz kursierende Anleitungen, die auf originelle und lustige Weise zeigen, wie gründliches Händewaschen geht. 

Auch die spanischen Polizisten, die während ihres Dienstes ein Ständchen für die isolierte Bevölkerung zum Besten geben, bedienen sich dieser Art des Humors.

Ob auf soziale oder aggressive Weise: Sich gemeinsam zu amüsieren stärkt das Gemeinschaftsgefühl, sagt Seidler. "Wenn wir jetzt schon viel mehr Zeit mit der Familie verbringen als uns lieb ist, sollten wir möglichst viel zusammen lachen." Die sozialen Medien sind hier ein Quell der Inspiration.

Wenn Sie also das nächste Mal über einen Corona-Witz lachen und sofort von Gewissensbissen geplagt werden, denken Sie an Menschen wie Viktor Frankl. Und daran, dass Lagerhumor überlebenswichtig sein kann.