Dämpfer für Deutschlands Handballer

Dem Rausch folgt die Ernüchterung: Im dritten Vorrundenspiel geht das DHB-Team erstmals nicht als Sieger vom Platz. Gegen Russland zeigt das Team am Ende Nerven und steht nun im Duell gegen Frankreich unter Druck.

Eigentlich hätte man nur Torhüter Andreas Wolff beobachten müssen, um den Spielverlauf der deutschen Mannschaft im dritten Vorrundenspiel gegen Russland nacherzählen zu können. Während der ersten Halbzeit schüttelte der 1,98 Meter große Mann oft den Kopf, fluchte mehrmals und rüttelte sogar einmal heftig an der Latte des Tores, weil er unzufrieden mit seiner eigenen Leistung war. Für die seines Teams gab es jedoch des Öfteren ein anerkennendes Nicken oder gar die geballte Faust. Beim Pausenpfiff hob er vor Erleichterung sogar jubelnd die Arme hoch. In der zweiten Halbzeit  feuerte er oft seine Mannschaft an und ließ nach einer ballettreifen Riesenparade auch verbal seinen Gefühlen freien Lauf, um dann nach dem Abpfiff mit leerem Blick vor sich hin zu starren. 

Das deutsche Team hatte in den letzten Spielminuten unnötig den Sieg verschenkt, die Partie endete 22:22. Die Nerven verhinderten den dritten Erfolg und damit auch den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde. "Es war mehr drin", bestätigte auch Bundestrainer Prokop gegenüber dem Fernsehsender ZDF. "Wir haben am Ende ein, zwei Technik-Fehler zu viel gemacht. Wir haben es nicht geschafft, uns rechtzeitig abzusetzen, damit es am Ende nicht so eng war", analysierte Steffen Weinhold die Partie

Unzufrieden: Torhüter Andreas Wolff

Dramatische Schlussphase

Die entscheidende Szene passierte in der 58. Minute, als Rückraumspieler Paul Drux beim Stand von 21:20 einen katastrophalen Fehlpass in die Arme von Alexander Schkurinskij spielte, der daraufhin per Tempogegenstoß für die Russen ausglich. Der Fehler aber unterlief das DHB-Team vorher. "Wir machen beim Stand von 20:17 den Sack nicht zu. Die Russen waren geduldig und eiskalt. Das ist ärgerlich", so Prokop.

"Das ist ein verlorener Punkt", meinte auch Drux, fügte jedoch hinzu: "Wir sind gefestigt. Wir müssen jetzt schnell runtergekommen.“ Nun sollen am Dienstagabend (20:30 Uhr MEZ) gegen Frankreich die zwei Punkte geholt werden um den sicheren Einzug in die Hauptrunde klar zu machen. Gegen den Weltmeister muss sich die deutsche Mannschaft aber steigern.

Sport | 16.01.2009

Gegen die unangenehm spielenden Russen fand Prokops Mannschaft zunächst keinen Zugang zum Spiel. Das lag zum einen daran, dass der Gegner deutlich besser verteidigte als zuletzt noch die Brasilianer. Vor allem aber knüpfte Deutschlands Torhüter Andreas Wolff im ersten Durchgang nicht an seine zuvor starken Turnierleistungen an. In der ersten Viertelstunde parierte der Keeper des THW Kiel lediglich einen Wurf.

Bester Werfer: Uwe Gensheimer

Immerhin funktioniert die Chancenverwertung einigermaßen. Kapitän Uwe Gensheimer - mit acht Treffern erneut bester deutscher Werfer -  verwandelte fast alle seiner Versuche, auch die Würfe aus dem Rückraum saßen meist. Dennoch blieb die Partie eng, weil die Russen trotz der lautstarken Pfiffe des Publikums ihre Angriffe zielsicher abschlossen. Daran konnte auch die gewohnt solide deutsche Defensive nichts ändern, auch weil es bei den russischen Gegenstößen teilweise noch in der Kommunikation untereinander haperte.

Aber die DHB-Auswahl steigerte sich - was auch mit der Hereinnahme von Jannik Kohlbacher zu tun hatte. Der 23-Jährige schuf wichtige Räume und schloss auch selbst erfolgreich ab. Schon nach wenigen Minuten in der zweiten Hälfte baute die deutsche Mannschaft ihren Vorsprung erstmals auf vier Tore aus. Jetzt kamen die Fans auf Touren, welche die DHB-Auswahl auch im dritten WM-Spiel lautstark durch die Partie begleiteten. Dennoch blieben die Russen dank ihres überragenden Keepers Victor Kireew dran.

"Bleibt cool", lautete der Tenor in einer Ansprache Prokops während des zweiten Durchgangs. Doch genau das konnten seine Spieler nicht umsetzen. Zwar gelang nach dem Fehlwurf von Drux Fabian Böhm in der letzten Spielminute die erneute Führung zum 22:21. Doch 45 Sekunden können im Handball sehr lang sein. Kurz bevor die Schlusssirene ertönte, hatte Sergej Kossorotow die Deutschen bereits aus ihren Siegträumen gerissen.