Datenklau stellt Medien vor ein Dilemma

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08.01.2019

Geständnis nach Datenklau

Die illegale Weitergabe persönlicher Daten führender deutscher Politiker beherrscht die Medien schon seit Tagen. Aber Journalisten müssen sich auch fragen, was sie mit den Daten selbst machen.

Für Journalisten hat der Datenklau zwei Aspekte: Die Medien berichten über die Ermittlungen, aber sie müssen auch entscheiden, ob die Daten selbst Nachrichtenwert haben. Die "Bild"-Zeitung zum Beispiel will zwar keine persönlichen Informationen wie private Chat-Verläufe, Handy- oder Kreditkartennummern veröffentlichen, aber die Daten auswerten und dann sehen, ob sie später über mögliche Straftaten, Korruption und ähnliches berichtet. Der "Spiegel" will ausführlich über die Affäre berichten, aber ebenfalls die persönlichen Daten selbst nicht zum Thema machen.

Ausgespähter Grünenpolitiker Robert Habeck

Doch ist es legitim, wenn Medien überhaupt irgendwelche gestohlene Daten von Prominenten - von Angela Merkel über Parteichefs bis zu Entertainern - weitergeben, im Zusammenhang mit welchem Thema auch immer? Es hat sich in den vergangenen Jahren eingebürgert, dass Journalisten Informationen verwenden, die von Whistleblower-Plattformen wie Wikileaks illegal weitergereicht werden. Nicht jeder findet das richtig.

Schwere Straftat oder Sockenbestellung?

Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, meint, in manchen Fällen sei es gerechtfertigt, solche Informationen zu veröffentlichen: "Wenn so etwas öffentlich auf dem Markt ist, ist es legitim, sich damit auseinanderzusetzen und im Verdachtsfall die öffentliche Person damit zu konfrontieren. Es ist eine Quelle, die problematisch ist, aber es ist eine Quelle", sagte Überall der Deutschen Welle.

Infografik Cyberkriminalität DE

Das Problem wird größer und größer

Er legt großen Wert auf die Unterscheidung, ob die Informationen den Verdacht nahelegen, dass eine Person des öffentlichen Lebens eine Straftat begangen hat. "Daran besteht ein öffentliches Interesse. An reinen Privatsachen - wer hat wann welche Socken im Internet gekauft - besteht meiner Meinung nach kein öffentliches Interesse." Diese ethische Abwägung gehöre zur journalistischen Professionalität. Überall findet auch, Journalisten dürften nicht allein in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, riesige Datenmengen durchwühlen: "Ohne jeden Anfangsverdacht Privatdaten zu sammeln oder auf die Suche zu gehen halte ich in der Tat für berufsethisch problematisch."

Eine Frage der Demokratie

Als die Meldung von dem jüngsten umfangreichen Datendiebstahl am 4. Januar publik wurde, hat auch die Deutsche Welle die Informationen mit großer Vorsicht behandelt. Bilder von dem verwendeten Twitter-Account wurden von uns nicht veröffentlicht, während der Account noch aktiv war, um die gestohlenen Daten nicht noch weiter zu verbreiten. DW-Redakteure haben sich die Daten auf dem Account zwar angesehen, aber die Informationen nicht gespeichert oder sie im Detail durchkämmt.

Dabei scheint der entstandene Schaden für die betroffenen Personen dadurch etwas abgemildert zu sein, dass manche der Daten entweder falsch oder veraltet sind. Das gilt beispielsweise offenbar für einige der Telefonnummern, wie Betroffene bestätigt haben.

Die Sicherheitsbehörden stehen in der Kritik, versagt zu haben

Doch ob richtig oder falsch, wenn hunderte Politiker ausgespäht werden, ist das für die Bundesregierung eine Peinlichkeit ersten Ranges, zumal es nicht das erste Mal ist. Entsprechend kritisch haben sich Oppositionspolitiker über die Reaktion des von Horst Seehofer geführten Innenministeriums geäußert. "Bei dem Durcheinander und den unklaren Informationen aus den letzten Tagen muss man sich schon fragen, ob dem Innenminister klar ist, das IT-Sicherheit eins der zentralen Themen für unsere Demokratie ist", sagte etwa Anton Hofreiter von den Grünen.

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