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Aktien trotzen der Schuldenkrise

Jörn Bener, dpa21. Dezember 2012

Das Kursfeuerwerk an den Börsen geht weiter - trotz Staatsschuldenkrise im Euroraum. Trotz des Höhenflugs 2012 halten Analysten Aktien noch immer für unterbewertet.

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Financial worker analyzing data displayed on computer screen (Foto: picture-alliance)
Symbolbild Börse Börsianer Broker Aktien Börsenmakler DaxBild: picture-alliance/picture alliance / Bildagentur-online

Partylaune an den Börsen: Investoren setzen verstärkt auf Aktien, auch weil die Alternativen in Zeiten niedriger Zinsen rar sind. Die Sorgen um die Euro-Schuldenkrise und eine globale Konjunkturflaute sind jedenfalls vorerst verpufft: Die Anleger vertrauen auf die Zusage von Währungshütern und Politikern, den Euro um jeden Preis zu retten. Für gute Stimmung und Hoffnung auf einen Aufschwung sorgen auch die weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken von Asien über Europa bis nach Amerika.

"In der Eurozone stehen auch die inzwischen aufgespannten Rettungsschirme für die Solidarität unter Freunden. Dies ist die Basis für eine globale Konjunkturerholung im kommenden Jahr", schreiben Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und prophezeien weitere Wertzuwächse: "Der Dax dürfte die Höchststände aus den Jahren 2000 und 2007 in Angriff nehmen."

25 Prozent Gewinn

Das kleine Zwischentief vom November ist jedenfalls abgehakt. Inzwischen hat der Deutsche Aktienindex die Marke von 7500 Punkten geknackt - ein neues Jahreshoch nach dem Höhenflug mit satten Gewinnen von fast 25 Prozent seit Dezember 2011. Den MDax katapultierte der Run auf Mittelstandswerte auf den höchsten Wert seit 2007: gut 11 700 Zähler waren es Anfang Dezember.

Rückblick DAX/Aktienmarkt 2012 für Deutsche Welle, - MP3-Mono

Trotz des Kursfeuerwerks sehen Analysten noch Potenzial nach oben: "Deutsche Aktien bleiben für mich ein klarer Kauf. Die Märkte preisen immer noch ein Extremszenario ein und implizieren eine schwere Rezession 2013", sagt Fidelity-Fondsmanager Christian von Engelbrechten. «"ch bin der Überzeugung, dass diese Sichtweise angesichts der robusten Entwicklung deutscher Unternehmen nicht gerechtfertigt ist und deutsche Werte weiter reüssieren werden."

Seinen Optimismus begründet der Fondsmanager mit der guten Entwicklung der Unternehmen und den Maßnahmen der Politik. Auch die Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte die Konjunktur 2013 stützen. Die Helaba erwartet einen von China und Brasilien angetriebenen moderaten Aufschwung der Weltwirtschaft. Damit hellten sich die Ertragsperspektiven der Unternehmen wieder auf: "Der Risikoappetit der Anleger wird 2013 zunehmen. So dürften sich Aktien als attraktivste Anlageklasse erweisen."

Privatanleger skeptisch

Privatanleger in Deutschland sind allerdings skeptisch, auch weil sich der Dax bereits in der Nähe seines Fünf-Jahres-Hochs bewegt: Nach einer Studie der DZ Bank sehen Privatanleger derzeit kein weiteres Kurspotenzial in den nächsten Monaten. Danach geht zurzeit nur noch jeder sechste Anleger von steigenden Notierungen im kommenden halben Jahr aus. Selbst in der Hochphase der Finanzkrise hätten erheblich mehr Investoren mit steigenden Kursen gerechnet.

Dennoch sei das Interesse der Privatanleger an Aktien extrem hoch, zumal immer weniger in festverzinsliche Anlagen investieren wollten, wie Peter Schirmbeck, Leiter Privatkundengeschäft der DZ Bank, erklärt: "Denn für viel Sicherheit zahlt man derzeit einen hohen Preis." Während Investoren mit Tages- oder Festgeld nicht einmal den Inflationsverlust ausgleichen könnten, würden Aktien interessanter.

Kaum Alternativen

Auch sonst gibt es immer weniger vielversprechende Alternativen für Menschen, die Geld auf der hohen Kante haben. Gerade in Deutschland vertrauen Menschen gerne auf Edelmetalle und Betongold. Doch Gold ist schon teuer, und die Immobilienpreise in attraktiven City-Lagen steigen rasant. "Die Deutschen fallen auf Dinge herein, die vermeintlich Sicherheit versprechen", urteilte der New Yorker Fondsmanager Michael Keppler im Handelsblatt. Doch Immobilien seien längst nicht so sicher, wie die Leute glaubten, betonte Keppler: "Sie merken es nur nicht, weil der Preis nicht täglich in der Zeitung steht."

Gemessen am Ertrag und an der Substanz seien Aktien derzeit günstig bewertet. Ins gleiche Horn stößt Jürgen Meyer von SEB Asset Management, der angesichts der hohen Preise derzeit sogar eher zum Verkauf von Gold oder Wohnimmobilien rät: "Bei Aktien erstklassiger Unternehmen liegen selbst die Dividendenrenditen höher als die Mietrenditen vieler Wohnimmobilien. Von den Gewinnen ganz zu schweigen."