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Der Schatz aus der Tiefsee

Nils Naumann/Judith Hartl27. November 2011

Bei Bohrungen nach Öl werden immer neue Rekorde aufgestellt. Immer tiefer dringen die Ölmultis in die Tiefsee vor. Technisch ist das durchaus möglich. Doch die damit verbundenen Risiken sind enorm.

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Ölbohrinsel vor der brasilianischen Küste (Foto: AP)
Bild: AP

Ein kleiner Bohrturm, eine schnelle Bohrung, und schon fließt das Öl – diese Zeiten sind für die westlichen Ölfirmen vorbei. Die einfach zu fördernden Ölvorräte liegen überwiegend im Mittleren Osten. Sie werden kontrolliert und ausgebeutet von staatlichen Konzernen wie der saudischen Aramco.

Westliche Konzerne wie BP, Shell oder ChevronTexaco müssen sich an die komplizierter zu erschließenden Felder halten. "Unser Hunger nach Öl treibt uns in die Tiefsee", erklärt der Experte Catalin Teodoriu vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld. "Neue Felder finden wir nur noch dort, wo noch niemand gesucht hat: immer tiefer im Meer, in der Arktis und Antarktis."

Rekordjagd in der Tiefsee

Deshalb bohren viele Ölfirmen in der Tiefsee. Der Druck dort ist enorm. Die geologischen Verhältnisse sind hochkomplex. Lange galt die Förderung in der Tiefsee deswegen als zu kompliziert und zu teuer. Dann stieg der Ölpreis. Inzwischen lohnt sich der technische Aufwand.

Jetzt brechen die Ingenieure immer neue Rekorde: "1500 Meter Wassertiefe", so Ölbohrexperte Teodoriu, "sind inzwischen keine Herausforderung mehr. Die liegt bei 2000 oder 2500 Metern Wassertiefe, wie etwa die Bohrungen der Petrobras vor der Küste Brasiliens oder auch einige der Bohrungen im Golf von Mexiko in 2000, 2300 Metern Wassertiefe."

Nach Angaben der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover liegen rund ein Viertel der bekannten Ölreserven unter dem Meeresboden. Die meisten neuen Funde gibt es inzwischen vor den Küsten. Besonders ertragreich: Der südliche Atlantik zwischen dem Golf von Brasilien, Mexiko und Angola, auch bekannt als "Goldenes Dreieck".

Ölteppich auf dem Meer (Foto: picture-alliance)
Ölteppiche, verpestete Strände, ölverklebte Vögel. An diese Bilder müssen wir uns gewöhnenBild: AP

Große Risiken

Bei der Tiefseebohrung wird vom Meeresboden aus teleskopartig gebohrt. Der Prozess erfolgt ferngesteuert von der Plattform aus. Der Prozess erfolgt ferngesteuert von der Plattform aus. "Man fängt mit einem Durchmesser im Bereich von ungefähr 70 Zentimetern bis zu einem Meter an", erklärt Catalin Teodoriu. Je tiefer gebohrt wird, umso schwerer ist das Gestein zu brechen, und umso weiter schrumpft der Durchmesser der Bohrung. "Die Lagerstätte trifft man in der Regel mit einem Bohr-Durchmesser von 17 bis 18 Zentimetern Durchmesser." Durch diese kleine Öffnung kilometertief unter der Wasseroberfläche strömt das Öl aus.

"Das Material muss extreme Bedingungen aushalten. Den Druck des Wassers ebenso wie krasse Temperaturunterschiede. Am Meeresgrund ist es etwa fünf Grad warm – das Öl aber ist kochend heiß", erklärt Klaus Bitzer, Professor für Geologie an der Universität Bayreuth. Hinzu kommt ein weiteres großes Problem: "Auf dem Weg nach oben kühlt das Öl ab. Die darin gelösten Mineralien bilden Kristalle und verstopfen die Rohre. Diese Stoffe sind sehr aggressiv. Sie zersetzen und korrodieren die Rohre, so dass sie regelmäßig lecken."

Wie ein Computerspiel

Die Fernsteuerung ist ebenfalls ein Problem, sagt Wolfgang Blendinger, Professor für Erdölgeologie an der TU Clausthal. Je weiter draußen gebohrt wird und je tiefer, umso größer auch die Risiken. "Da unten am Meeresgrund ist es dunkel und kalt, man kann sich nur virtuell orientieren", sagt Blendinger. "Schwere Unglücke beweisen immer wieder, dass wir die Sache nicht im Griff haben."

Die nächsten Ziele der Erdölmultis sind Arktis und Antarktis. In den Polarregionen werden große Erdölvorkommen vermutet. Grönland genehmigte vor kurzem Erkundungsbohrungen. Norwegen will Schutzgebiete für die Erdölförderung öffnen. Rund um die Inselgruppe der Lofoten im Norden des Landes sollen bis zu sechs Milliarden Barrel Öl lagern. Umweltschützer warnen vor der Gefahr einer Katastrophe mit gewaltigen Folgen.