Deutsche finden noch Geschmack an Bier

Bier ist kein Einheitsbrei

Die Biere, die André und Robyn für uns auswählten, decken ein breites Spektrum an Braustilen, Alkoholstärken und Geschmacksrichtungen ab. Nicht alle sind mit dem Reinheitsgebot konform, deswegen fehlt gelegentlich das Wort "Bier" auf dem Etikett. Einige Biere stammen von großen Firmen, andere wurden von kleinen unabhängigen Unternehmern bzw. Craft-Brauern hergestellt. Aber alle sind lecker.

Weisse: der “Champagner des Nordens“

Fangen wir mit etwas Erfrischendem an. Berliner Weisse ist ein Weizenbier mit wenig Alkohol, das seit dem 17. Jahrhundert gebraut wird. Seine säuerliche Note bekommt es von einem hinzugefügten Lactobazillus. In Berlin wird dieses Bier gerne mit einem Schuß Früchtesirup serviert. Sogar Friedrich der Große wusste, wie man Weisse braut, und Napoleon soll sie “Champagner des Nordens“ getauft haben.

Früchtebier: mehr als die vier Basics

Seit 1516 darf deutsches Bier nur aus Wasser, Gerste, Malz und Hefe bestehen. Das Reinheitsgebot sollte unter anderen skrupellose Brauer davon abhalten, ihr Bier zu panschen. Es besteht aber heutzutage kein Grund, natürliche Zutaten zu verbieten. Die sehr angesagte Berliner Klein-Brauerei Heidenpeter’s hat z.B. nach belgischem Muster ein leckeres Himbeer-Ale kreiert.

Gose: ein salziges Stück Vergangenheit

Salz im Bier? Klingt komisch, ist aber das Geheimnis, das in dem speziellen Geschmack der Gose steckt. Gose stammt aus dem Harz und wird seit dem 14. Jahrhundert hergestellt. Das Zusammenspiel aus Koriander, Milchsäure und obergäriger Hefe ergibt ein Getränk, das salzig schmeckt, ohne durstig zu machen. Gose ist älter als das Reinheitsgebot, daher wird sie als "besonderes" Bier anerkannt.

Pale Ale: Bier ohne Grenzen

Lange dauerte es, bis die Craft-Bier-Bewegung aus den USA Deutschland erreichte, inzwischen aber haben sich die leckeren Biere aus den kleinen unabhängigen Brauereien auch hier etabliert. Craft-Brauereien wie Berliner Berg setzen sich über nationale Grenzen und über das deutsche Reinheitsgebot hinweg und erkunden anglo-amerikanische Stile in ihrer ganzen Vielfalt. Sehr beliebt ist das Pale Ale.

Altbier: Innovation und Tradition

Trotz der Vormachtstellung von Pilsner- und Lagerbieren haben regionale Bier-Spezialitäten eine lange Tradition in Deutschland. Etwa das Kölsch aus Köln, oder das Altbier aus Düsseldorf und Umgebung. Das “alt“ in dem Namen bedeutet: hergestellt nach alter Tradition - also obergärig. Das Bier ist herb und hat einen großen Hopfen-Anteil. Das Uerige gehört zu Düsseldorfs beliebtesten Altbieren.

Rauchbier: Besonderes aus Bamberg

Die Rauchbiere der trinkfreudigen fränkischen Stadt Bamberg sind untergärig, sind aber sehr weit entfernt von einem üblichen - untergärigen - Pils. Hier wird das Malz über offenem Feuer geröstet, das fertige Bier schmeckt dementsprechend rauchig. Anfangs eine Herausforderung selbst für hartgesottene Biertrinker, dennoch als Begleitung für eine typische Bamberger Schlachtplatte unersetzlich.

Bockbier: der Umhauer unter den Bieren

Dieses Starkbier stammt aber aus dem norddeutschen Einbeck, was vermutlich angetrunkene Süddeutsche im 13. Jahrhundert als “ein Bock“ missverstanden haben - so erklärt man sich die Bezeichnung Bockbier. Über den Alkoholgehalt (6 bis 65 Prozent, der derzeitige Weltrekord) bestehen dagegen gar keine Missverständnisse. Deswegen trinkt man Bock besser in Wein- statt in Lagerbiermengen.

Weizendoppelbock: für die offene Feuerstelle

Ein Bockbier kann entweder aus einem Lager- oder einem Weizenbier gemacht werden. Ein höherer Anteil Weizen im Malz soll bei diesem Bock aus dem Hause Schneider zu folgendem Geschmackserlebnis führen: "Kräftige Noten von reifen Bananen, getrockneten Rosinen und Pflaumen treffen auf Lakritz- und Röstaromen". Ein Feinschmeckerbier also - für einen Abend am Kamin, empfiehlt die Brauerei.

Schwarzbier: Macht der Dunkelheit

Traditionell sind Schwarzbiere wie das thüringische Köstritzer untergärige Lagerbiere, deren Farbe von dem gerösteten Malz verursacht wird. Neugierige Craft-Bierhersteller wie Hanscraft aus Aschaffenburg brauen aber obergärigen, englischen Porter und Stout nach. Der “Black Nizza Imperial Stout“ enthält zehn unterschiedliche Malzsorten und nicht gerade bescheidene neun Prozent Alkohol.

Es gibt sie noch, die deutschen Biertrinker: Trotz rückläufiger Absatzzahlen schmeckt Bier laut einer Studie sieben von zehn Befragten. Craft Beer ist vor allem bei Besserverdienern bekannt.

Der Untergang des Abendlandes ist vorerst gestoppt. Trotz des seit ein paar Jahren anhaltend rückläufigen Bierkonsums der Deutschen finden die meisten Bundesbürger immer noch Geschmack am Gerstensaft. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts Splendid Research hervor, wonach sieben von zehn Deutschen Bier gut oder sehr gut schmeckt. Über die Hälfte der volljährigen Bundesbürger trinkt demnach mindestens zweimal pro Woche Bier.

Das Pils ist immer noch am beliebtesten, 57 Prozent der Befragten entscheiden sich für die untergärige Brauart. Dicht dahinter liegen Biermischgetränke wie Radler, die der Hälfte der deutschen Biertrinker schmecken. Bei der Häufigkeit des Bierkonsums tritt ein Nord-Süd-Gefälle zutage, denn während im Norden jeder siebte Befragte an vier Tagen der Woche Bier trinkt, ist es im Süden jeder Vierte.

Craft Beer im Aufwind

Bei den Brauereien gaben die Befragten keine eindeutigen Präferenzen an. Allerdings zeichnet sich laut der Studie ab, dass die etablierten Großbrauereien Konkurrenz durch kleine Mikrobrauereien bekommen, die Craft Beer produzieren. 42 Prozent der Deutschen wissen der Studie zufolge, was Craft Beer ist. Das im Vergleich zum Bier von großen Unternehmen deutlich teurere Bier spricht dann auch eine zahlungskräftige Klientel an: Ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 4000 Euro haben 60 Prozent der Befragten schon mal Craft Beer getrunken.

Für die repräsentative Studie befragte das Institut im September 1031 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren online zu ihrem Bierkonsum.

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tla/rey

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