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Deutscher Autor in Kairo vermisst

25. November 2013

“Vogelfrei“ und mit Personenschutz: Der ägyptisch-stämmige Publizist Abdel-Samad ist in Kairo verschwunden. Dort ist er wegen seiner Texte umstritten. Die Bundesregierung will den Vorfall schnell geklärt wissen.

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Der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Islamismuskritiker in Kairo entführt

In seinem Herkunftsland Ägypten wird kontrovers über ihn diskutiert: Jetzt ist der deutsche Publizist Hamed Abdel-Samad offenbar in Kairo entführt worden. Ein Beamter sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei nicht auszuschließen, dass Extremisten für das Verschwinden des Autors verantwortlich sind.

Sein Bruder, Mahmud Abdel-Samad, wird vom ägyptischen Nachrichtenportal “youm7“ mit den Worten zitiert, er sei bereits am Sonntag in der Nähe eines Kairoer Parks verschwunden. Vorher soll Hamed Abdel-Samad am Telefon gesagt haben, er fühle sich verfolgt.

Der Politikwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel-Samad ist sehr umstritten (Foto: picture-alliance/dpa)
Der Politikwissenschaftler und Publizist ist sehr umstrittenBild: picture-alliance/dpa

Der Autor hatte in seinen Veröffentlichungen die Ideologie des politischen Islams kritisiert und für eine moderne Interpretation der Religion geworben. Eines seiner Bücher trägt den Titel “Der Untergang der islamischen Welt“.

Bundesregierung fordert Aufklärung

Die Bundesregierung forderte von Ägypten “schnellstmöglich“ Aufklärung über das Schicksal des Publizisten. Der deutsche Botschafter in Kairo nahm dazu nach Angaben des Auswärtigen Amtes Kontakt mit der ägyptischen Regierung auf.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat sich der amtierende Außenminister Guido Westerwelle persönlich in den Vermisstenfall eingeschaltet. Westerwelle sagte dem Blatt: "Ich bin in Sorge über das Schicksal von Hamed Abdel-Samad. Wir haben die ägyptische Regierung aufgefordert, alles Mögliche zu tun, um den Verbleib von Hamed Abdel-Samad zu klären und für seine Sicherheit zu sorgen."

Der Autor hatte auf einer Veranstaltung im vergangenen Juni in Kairo über “religiösen Faschismus“ gesprochen. Daraufhin erklärten ihn zwei bekannte ägyptische Salafisten-Prediger für “vogelfrei“. Mahmud Abdel-Samad sagte, sein Bruder sei in Ägypten zuletzt von einem Leibwächter begleitet worden. Er habe in dem Park jedoch eine Verabredung gehabt, zu der er diesen nicht habe mitnehmen wollen.

ch/re (dpa)