Deutscher wurde aus Ägypten abgeschoben

Seit Wochen war ein Göttinger Student in Ägypten spurlos verschwunden. Jetzt hat ihn Ägypten wegen eines mutmaßlichen Terrorverdachts abgeschoben. Und auch ein zweiter Vermisster soll abgeschoben werden.

Die ägyptischen Behörden haben den 23-jährigen Göttinger Mahmoud Abdel Aziz aus Ägypten abgeschoben. Nach Darstellung der staatlich gelenkten ägyptischen Zeitung "Al-Ahram", die sich auf Sicherheitskreise beruft, war er wegen mutmaßlicher Terrorverbindungen in Kairo in Gewahrsam genommen worden. Er soll geplant haben, sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) auf dem Sinai anzuschließen, heißt es aus Kairo.

Zwei Wochen lang wussten weder die Familie noch die Bundesregierung etwas über den Verbleib des jungen Mannes.

Mittlerweile ist Mahmoud Abdel Aziz wieder in Deutschland. Nach Angaben des Spiegels soll er bei seiner Ankunft in Frankfurt am Main vernommen worden sein, wurde aber nicht festgenommen. Sein Bruder bestätigte in einem Statement, dass er jetzt wieder bei der Familie sei. "Dass die ägyptischen Behörden nach dem starken medialen Interesse irgendeinen Vorwand erfinden mussten, warum sie ihn festgehalten haben, war zu erwarten." Für ihre Unterstellungen hätten sie keinen Beweis vorlegen können. Die Generalstaatsanwaltschaft in Celle teilte unterdessen mit, sie prüfe, ob es Anhaltspunkte für hier verfolgbare Straftaten gebe.

Mahmoud Abdel Aziz studiert in Medina Islamwissenschaft

Mahmoud  Abdel Aziz war am 27. Dezember gemeinsam mit seinem Bruder Malik aus dem saudi-arabischen Medina nach Kairo gereist, um dort die Großeltern zu besuchen. Beide Männer studieren Islamwissenschaften in Medina. Während Malik ungehindert nach Kairo einreisen durfte, wurde Mahmoud von ägyptischen Sicherheitskräften festgehalten und galt seither als verschwunden. Auf Druck der Bundesregierung hat die Familie schließlich erfahren, dass er in Ägypten in Haft sitzt. Der 23-Jährige besitzt die deutsche und ägyptische Staatsbürgerschaft.

Isa El Sabbagh soll auch abgeschoben werden

Genau wie Abdel Aziz war auch ein zweiter Deutscher zwischenzeitlich in Ägypten vermisst: der 18 Jahre alte Isa El Sabbagh aus Gießen. 

Drei Wochen hat es gedauert bis seine Eltern erfahren haben, dass auch ihr Sohn sich in Ägypten in Gewahrsam befindet. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, ihm werde ebenfalls vorgeworfen, er habe sich lokalen IS-Kämpfern anschließen wollen. Man habe in seinem Besitz Karten des Nordsinai gefunden. Dort ist eine Untergruppe des IS in Ägypten aktiv. AFP bezieht sich dabei auf Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen.

Derzeit laufe ein Abschiebeverfahren gegen den 18-Jährigen Gießener, der sowohl ägyptischer als auch deutscher Staatsbürger ist. Die deutsche Botschaft in Kairo bemüht sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um konsularischen Zugang.

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Auch Isa El Sabbagh (links) wurde in Ägypten festgehalten - er soll auch abgeschoben werden, wegen mutmaßlichen Terrorverdachts. Sein Vater (mitte) weist die Vorwürfe zurück

Keine Informationen vom Auswärtigen Amt

Mohamed El Sabbagh, Vater des Inhaftierten, hatte zuvor bereits in einem Post auf Facebook mitgeteilt, sein Sohn befinde sich wegen mutmaßlichen Terrorverdachts in Haft. Er befürchtet, Isa könnte gefoltert worden sein und weist die Vorwürfe gegen seinen Sohn zurück. "Weil die ägyptische Regierung keine Begründung für seine seit Wochen anhaltende Inhaftierung hat, sagen sie, es bestehe Terrorverdacht." Am 17. Dezember war der 11. Klässler Isa El Sabbagh vom Frankfurter Flughafen mit der Frühmaschine um 8:10 Uhr nach Luxor geflogen, um seine Großeltern in Kairo zu besuchen, erzählt Mohamed El Sabbagh. Dort ist er aber nie angekommen.

Zum weiteren Vorgehen bezüglich der mutmaßlichen Terrorvorwürfe der ägyptischen Regierung gegen Abdel Aziz und El Sabbagh wollte sich bei der heutigen Bundespressekonferenz weder das Auswärtige Amt noch das Bundesinnenministerium äußern. Sie wollten auch keine Angaben darüber machen, ob Mahmoud Abdel Aziz möglicherweise gefoltert wurde. Zwischen den beiden Fällen besteht keinerlei Verbindung.

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