DFB-Frauen mit Remis bei Hrubesch-Abschied

Triste Kulisse, durchwachsene Leistung - aber dennoch ein schöner Abschied. Mit einem torlosen Remis verabschieden die DFB-Frauen Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch. Gegner Spanien ist einfach nicht zu knacken.

Ausgerechnet beim letzten Spiel unter der Leitung von Horst Hrubesch ist die Siegesserie der deutschen Fußballerinnen unter der Trainer-Ikone gerissen. Nach dem Startrekord mit sieben Erfolgen in sieben Spielen mussten sich der Interimscoach und seine "Mädels" im abschließenden Härtetest gegen Spanien mit einem 0:0 begnügen.

Sport | 13.11.2018

Vor nur 3169 Zuschauern in Erfurt stoppte der spielstärkste Gegner der Ära Hrubesch den Höhenflug der vergangenen acht Monate. Drei Tage nach dem 5:2-Sieg gegen die Italienerinnen fand die auf vier Positionen veränderte Nationalelf gegen die technisch und taktisch versierten Spanierinnen im ersten Durchgang keine Mittel. Nachdem Torhüterin Merle Frohms in höchster Not gegen Amanda Sampedro (11.) geklärt hatte, schimpfte Hrubesch wie ein Rohrspatz. Auch einen gefährlichen Sampedro-Freistoß aus 20 Metern entschärfte die aufmerksame Frohms (19.), die die verletzte Stammkeeperin Almuth Schult im Tor ersetzte.

Die letzte Pausenansprache sitzt

Vom Tempo-Fußball Marke Hrubesch war nichts zu sehen, die erste klare Chance bot sich dem zweimaligen Weltmeister nach einer Ecke - doch Petermann brachte den Ball aus kürzester Distanz nicht aufs Tor (30.). Kurz vor der Pause hatte Hrubesch erneut Grund zum Granteln: Schiedsrichterin Tess Olofsson (Schweden) verwehrte nach klarem Foulspiel von Spaniens Torfrau Dolores Gallardo an Johanna Elsig im Strafraum den fälligen Elfmeter (39.).

In seiner letzten Pausenansprache schien Hrubesch dann aber einmal mehr die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Schützlinge verschärften bei strömendem Regen das Tempo und rissen Lücken in Spaniens Abwehr. Per Popps Hacke und Weiterleitung von Maier landete der Ball bei Lina Magull, doch deren Schuss wurde geblockt (54.). Auch Popp (77.) verzog aus aussichtsreicher Position. In der Schlussminute traf Carolin Simon noch die Latte.

"Horst Hrubesch - ein Mensch" charakterisierte ein Transparent am Stadionzaun den Frauen-Bundestrainer

Nach dem Abpfiff bedankte sich Hrubesch bei allen Spielerinnen, nahm jede von ihnen kurz in den Arm und fand ein paar persönliche Worte. "Wir haben ihm viel zu verdanken", sagte DFB-Kapitänin Popp im ZDF-Interview. Was das Selbstbewusstsein und die Spielweise angehe, habe Hrubesch die Frauenmannschaft wieder auf den richtigen Weg gebracht, so Popp. "Ich bin mit de Spiel hochzufrieden", sagte Hrubesch selbst und lobte vor allem seine Ersatz-Torfrau Merle Frohms: "Da hat man gesehen, welches Potential in ihr steckt."

Hrubesch übergibt an Voss

Nach acht Spielen unter Hrubesch übernimmt nun die ehemalige deutsche Rekordnationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg die Auswahl. Ihr Ziel: Die Olympiasiegerinnen bis zur WM im Sommer in Titelform bringen. Die Ära Voss-Tecklenburg beginnt am 30. November. Wie der DFB nach der Partie gegen Spanien bekanntgab, wird die Hrubesch-Nachfolgerin dann in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main offiziell vorgestellt.

Das letzte Spiel als Trainerin der Schweizer Frauen- Nationalmannschaft endete für Voss-Tecklenburg ohne das erhoffte Erfolgserlebnis. Im entscheidenden Playoff-Duell um die WM-Qualifikation kam ihre Mannschaft am Dienstagabend in Schaffhausen über ein 1:1 (0:0) gegen Europameister Niederlande nicht hinaus. Nach dem 0:3 im Hinspiel verpassten es die Schweizerinnen, sich zum zweiten Mal nach 2015 für eine WM-Endrunde zu qualifizieren.

Bei der Endrunde in Frankreich will auch Hrubesch vorbeischauen. Nächstes Jahr steht zusammen mit Ehefrau Angelika eine Traumreise ab Neuseeland an. "Nur auf der faulen Haut werde ich nicht liegen", sagte der Europameister von 1980. Und angesprochen auf ein mögliches Comeback hob er abwehrend die Hände und sagte lachend: "Ich würde nie etwas ausschließen. Wenn ich noch einmal gefragt würde, ob ich helfen kann, würde ich natürlich helfen. Aber: Ich würde höchstwahrscheinlich nicht auf der Bank sitzen."

asz (sid, dpa)