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KonflikteEuropa

Die Krim: Ukraine greift Putins Festung an

Roman Goncharenko
14. September 2023

Die Ukraine verstärkt ihre Angriffe auf die Krim. Mit Drohnen und Marschflugkörpern werden die russischen Militärstellungen ins Visier genommen. Warum gilt die annektierte Halbinsel als kriegsentscheidend?

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Rauch nach einem Treffer in Sewastopol, 13. September 2023
Nach einem Angriff auf Sewastopol am 13. September 2023 liegt Rauch über der größten Stadt der Halbinsel KrimBild: IMAGO/ITAR-TASS

Es passierte die zweite Nacht in Folge. Ukrainische Truppen griffen am frühen Donnerstagmorgen russische Militärstellungen auf der annektierten Halbinsel Krim an. Ziel soll laut ukrainischen Medien ein Flugabwehrsystem vom Typ S-300 oder das noch modernere S-400 bei der Stadt Jewpatorija gewesen sein.

Es wäre das zweite solche System, das innerhalb weniger Wochen auf der Krim angegriffen wurde. Russisches Militär berichtete diesmal nur über einen angeblich abgewehrten Drohnenangriff, ohne Details.

Ukrainische Drohnenangriffe auf die annektierte Krim

In der Nacht zuvor hatte die Ukraine über einen spektakulärer Schlag in Sewastopol, dem Hauptstützpunkt der Schwarzmeerflotte, berichtet. Meldungen aus Kiew zufolge trafen mehrere Marschflugkörper ein Landungskriegsschiff und ein U-Boot. Beide sollen schwer beschädigt sein. Russlands Verteidigungsministerium ließ mitteilen, man werde die Schiffe reparieren.

Ukraine zerstört Krim-Brücke 

Seit Wochen verstärkt das ukrainische Militär Angriffe auf die Krim. Noch nie waren sie so intensiv und für die russische Seite so verlustreich.

Die bereits 2014 annektierte Halbinsel wurde von Russland in den Jahren danach zu einer militärischen Festung mit mehreren Stützpunkten für Marine und Luftwaffe ausgebaut.

Kurz vor dem russischen Einmarsch im Februar 2022 schätzte das ukrainische Verteidigungsministerium die russische Truppenstärke auf der Krim auf 32.000 Mann. Angeblich sollen auch Atomwaffen dort stationiert sein.

Gesprengte Krim-Brücke nach den Detonationen im Oktober 2022. Die Züge auf der Schiene über die Brücke stehen danach in Flammen.
Gesprengte Krim-Brücke nach den Detonationen im Oktober 2022. Der Verkehr von und auf die Halbinsel war danach stark beeinträchtigt. Bild: AFP/Getty Images

Die Ukraine griff die Halbinsel zum ersten Mal massiv im August 2022an. Damals wurde ein Militärflughafen bei Saki getroffen, einige Kampfflugzeuge zerstört.

Im Oktober vor rund einem Jahr wurde zum ersten Mal die Krim-Brücke gesprengt. Seitdem wird diese für die Versorgung russischer Truppen wichtigste Brücke immer wieder angegriffen, zuletzt auch mit Seedrohnen. 

Basis der Schwarzmeerflotte 

Warum ist die Krim für beide Seite so wichtig? Abgesehen von der symbolischen Bedeutung, die Russlands Präsident Wladimir Putin immer wieder betont, ist die Halbinsel vor allem militärisch wichtig.

Die dort stationierte Schwarzmeerflotte greift mit Kalibr-Marschflugkörpern ukrainische Städte an – vom Landesinneren bis an die EU-Grenze. Dasselbe gilt für auf der Krim stationierte Flugzeuge mit ihren Raketen.

Außerdem spielt die Krim eine zentrale Rolle für die Versorgung russischer Truppen im Süden der Ukraine. Schließlich wäre auch die Seeblockade ukrainischer Häfen für Russland ohne die Krim schwer durchzusetzen.

Infografik Karte Krim-Brücke DE

Unmittelbar nach der Invasion konnte Russland von der Krim aus größere Gebiete besetzten und eine Landverbindung mit dem russischen Festland sichern. Diese Verbindung versucht die ukrainische Armee nun mit ihrer Gegenoffensive seit Sommerbeginn zu kappen.

Das Militär greift unter anderem alle Brücken an, die die Krim mit dem Festland verbinden. Dafür werden meistens westliche Präzisionswaffen eingesetzt, britische und französische Marschflugkörper.

Bis zur Krim vorrücken und dann verhandeln?

Der Oberbefehlshaber der ukrainischer Armee, General Walerij Saluschnyj, beschrieb die Krim in einem programmatischen Artikel im Herbst 2022 als "Schlüsselfaktor" in Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Eine Rückeroberung der Halbinsel würde Russland zwar entscheidend schwächen, aber kein militärisches Kriegsende garantieren. Russland könne auch nach einem Verlust der Krim vom eigenen Festland weitermachen, warnte Saluschnyj.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft trotzdem auf einen Durchbruch. Der Krieg habe auf der Krim begonnen und würde dort enden, sagte der Staatchef.

Kiew würde am besten bis zur Krim vorstoßen und dann über einen russischen Abzug verhandeln. Momentan ist es jedoch schwer vorstellbar, dass sich Russland darauf einlässt.