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Politik

Die Emirate in der Zwickmühle

Nermin Ismail
16. Mai 2019

Der Konflikt zwischen USA und Iran hat auch Auswirkungen auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Für sie steht vor allem wirtschaftlich viel auf dem Spiel - doch Experten warnen auch vor einer militärischen Gefahr.

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Alter Hafen von Dubai
Der alte Hafen von DubaiBild: DW/Y. Grigoryants

Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) soll es in internationalen Gewässern zu Sabotageakten an mehreren Handelsschiffen gekommen sein. Demnach wurde auch der unter norwegischer Flagge fahrende Öltanker "Andrea Victory" im Emirat Fudschaira beschädigt. Fudschaira ist eines der sieben VAE-Emirate und liegt im Osten am Golf von Oman, der die Arabische Halbinsel und den Iran trennt. Hier befindet sich auch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt für Ölexporte.  

Sicherheit der Schifffahrt bedroht

Saudi-Arabien teilte mit, dass auch zwei Öltanker "erheblichen Schaden" genommen hätten und möglicherweise ebenso von Sabotageakten betroffen seien. Die US-Behörde "Maritime Administration" warnte, dass der Iran oder dessen Stellvertretermächte den Schiffsverkehr in der Region ins Visier nehmen könnten. Doch auch die Islamische Republik gab sich besorgt. So unterstrich der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussavi die Wichtigkeit der Sicherheit der Schifffahrt und des maritimen Transports in der Region.

Emirate: Vier internationale Handelsschiffe vor Küste sabotiert
Das US-Militär schickte Experten nach Fudschaira, die feststellen sollen, wer für die Sabotage verantwortlich istBild: picture-alliance/dpa/K. Jebreili

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind enge Verbündete der USA und ein Rivale des Iran. Die VAE gehören dem Golfkooperationsrat an, dessen Mitglied auch Saudi-Arabien ist. Der Generalsekretär des Golfkooperationsrats Abdul Al-Sajani verurteilte die vermeintliche "Sabotage-Einsätze". Sie würden eine "ernsthafte Eskalation" darstellen.

Intensive Handelsbeziehungen

Das in den VAE politisch und wirtschaftlich dominierende Emirat Abu Dhabi führt gemeinsam mit Saudi-Arabien die arabische Anti-Iran-Koalition an. Aus diesem Grund habe es Bestrebungen gegeben, die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran zu reduzieren, schreibt  die Deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft (GTAI) in ihrem Länderbericht. Für den Iran sind die VAE wichtig. Laut der iranische Statistikbehörde waren die Emirate im Jahr 2017 und 2018 der zweitgrößte Warenlieferant. Der wichtigste Handelspartner innerhalb der VAE ist das Emirat Dubai. 

Sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran kommen, würde das auch die VAE wirtschaftlich hart treffen, sagt Christian Koch, Leiter des Gulf Research Center Foundation in Genf. "Alle Maßnahmen, die dazu führen, dass die Handelswege unterbrochen werden, würden sofort negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der Emirate haben." Es sei nicht im Interesse der VAE, dass die Situation weiter eskaliere. Auch wenn sich der Konflikt zwischen Teheran und Washington abspiele, würde er in der ganzen Region ausgetragen werden. Nicht nur die Emirate auch die anderen Golfstaaten wären in der Frontlinie, erklärt Koch im DW-Gespräch.

Karte VAE Straße von Hormus DE

Der Staatsminister der Emirate für Auswärtiges, Anwar Gargasch, sieht die Verantwortung für den Konflikt beim Iran. "Niemand will Krieg, aber wir müssen auch Position beziehen. Wir sind da, wo wir sind, und zwar durch das Verhalten des Iran." Politikanalyst Koch sieht darin einen diplomatischen Appell des Staatsministers, dass der Iran nicht mit seiner bisherigen Politik weitermachen könne und auf die Golfstaaten zugehen müsse.

"Nicht hineinziehen lassen"

Die Emirate sind auf den Zugang zur Straße von Hormus angewiesen. Fast ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen muss die schmale Stelle im Persischen Golf passieren. Würde der Iran seine Drohungen Taten folgen lassen und die Meerenge sperren, der weltweite Ölhandel hätte ein massives Problem. "Ein gesicherter Schiffsverkehr ist unabdingbar für die Sicherheit und Stabilität der Emirate", fasst Koch im DW-Interview zusammen.

Der Nahostexperte Najah Mohamed Ali aus London warnt im Gespräch mit der DW ebenso vor einer Eskalation: "Ich würde den Emiraten raten, sich nicht in dieses gefährliche Spiel hineinziehen zu lassen." Sollte es zu einer militärischen Konfrontation kommen, werden die Emirate direktes Ziel von Angriffe sein.

"Ich gehe davon aus, dass die Emirate vermittelnd einwirken würden, damit die Dinge nicht außer Kontrolle geraten", schätzt Politikanalyst Koch die Lage ein. Ein militärischer Konflikt würde niemandem in der Region etwas bringen. "Es gibt dann keine Gewinner."