Donald Trump, Robert Mueller und 400 nicht ganz weiße Seiten

"I'm fucked", sagte der Präsident, als er vom Sonderermittler erfuhr. Nun hat er die Untersuchung durch Robert Mueller politisch doch überstanden - und ruft seinen Gegnern zu: "Game over." Doch das wird sich noch zeigen.

US-Präsident Donald Trump hat die Russland-Ermittlungen zu Beginn als schwere Bedrohung seiner Präsidentschaft gesehen und auf verschiedenen Wegen versucht, diese abzuwenden. Das geht aus dem in Teilen geschwärzten Bericht von Sonderermittler Robert Mueller hervor, der nun veröffentlicht wurde. Mueller und sein Team listen darin diverse Versuche Trumps auf, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Behinderung der Justiz werfen sie ihm nicht explizit vor. Die Ermittler stießen auf "zahlreiche" Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands. Beweise für eine Straftat gebe es aber nicht.

Zwei große Themen

Mueller hatte fast zwei Jahre lang zwei große Fragenkomplexe untersucht: ob Trumps Wahlkampfteam geheime Absprachen mit Vertretern Russlands getroffen hat und ob Trump die Justiz behinderte. Hintergrund ist die mutmaßliche Einmischung Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. Ende März hatte Mueller seine Arbeit abgeschlossen und Justizminister William Barr vertraulich seinen mehr als 400-seitigen Abschlussbericht übergeben. Zunächst hatte Barr nur eine vierseitige Zusammenfassung veröffentlicht. Erst an diesem Donnerstag macht das Justizministerium den Report - in Teilen geschwärzt - der Öffentlichkeit und dem Kongress zugänglich.

Job done: Sonderermittler Robert Mueller soll aber nach dem Willen der Opposition nochmal gehört werden

"Oh mein Gott"

Der Bericht ist das Ergebnis aufwendiger Ermittlungsarbeit - mit Hunderten Zeugenbefragungen und Durchsuchungen. Muellers Team versuchte so, die Vorgänge über mehrere Jahre zu rekonstruieren. Beschrieben wird darin auch die Szene, wie Trump im Frühjahr 2017 - am 17. Mai - von Muellers Ernennung erfuhr. Er habe im Oval Office mit dem damaligen Justizminister Jeff Sessions und anderen zusammengesessen. Sessions habe ihn dort über Muellers Berufung als Sonderermittler informiert. Laut Notizen einer Mitarbeiterin von Sessions sei Trump daraufhin in seinen Stuhl zurückgefallen und habe gesagt: "Oh mein Gott. Das ist furchtbar. Das ist das Ende meiner Präsidentschaft. Ich bin erledigt." Im Original: "I'm fucked."

Der Präsident sorgte sich um seine Handlungsfähigkeit in der Regierung während der Untersuchungen: "Das dauert Jahre und Jahre, und ich werde nichts machen können. Das ist das Schlimmste, was mir passieren konnte."

Beweise reichten nicht 

Mueller identifizierte zahlreiche Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands, aber die Beweise reichten nicht für den Nachweis einer Straftat aus. Der Sonderermittler legt dar, dass sich Personen mit Verbindungen zur russischen Regierung schon im Sommer 2015 für Trump als Kandidaten der Republikaner interessiert hätten und dass die russische Regierung geglaubt habe, sie würde von einem Wahlsieg Trumps und seiner Präsidentschaft profitieren. Nach der Wahl habe Moskau sofort versucht, sich Zugänge zur neuen Regierung zu verschaffen. Es werden ausführlich mehrere Kontakte beschrieben - etwa zwischen Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort und dessen langjährigem Geschäftspartner Konstantin Kilimnik, der Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben soll.

Behinderung der Justiz

Außerdem listet Muellers Team diverse Einflussversuche Trumps mit Blick auf die Russland-Untersuchungen auf. So habe der Präsident nach Muellers Ernennung etwa mehrfach und auf verschiedenen Wegen versucht, dessen Abzug zu erzwingen. Allerdings hat Trump da nicht reüssiert. "Die Versuche des Präsidenten, die Ermittlungen zu beeinflussen, waren überwiegend erfolglos, vor allem weil Personen aus dem Umfeld des Präsidenten sich weigerten, Anweisungen auszuführen oder seinen Aufforderung zu folgen", schreibt Muellers Team. Die Ermittler legen sich nicht fest, ob Trumps Einflussversuche eine Behinderung der Justiz darstellen. "Während dieser Bericht nicht zu dem Schluss kommt, dass der Präsident eine Straftat begangen hat, entlastet er ihn auch nicht."

Das Mindeste, was man über Justizminister Barr sagen kann: Er ist loyal

Der Justizminister und sein Präsident

Die Schlussfolgerung hatte Justizminister Barr vor einigen Tagen selbst vorgenommen und seinen Präsidenten öffentlich von diesen Vorwürfen freigesprochen. Barr betonte, das Weiße Haus sei hochkooperativ bei den Ermittlungen gewesen und habe auch keinerlei Schwärzungen des Berichts veranlasst. Dem Präsidenten könnten insgesamt keine unlauteren Motive unterstellt werden. Trump selbst hatte Muellers Fragen nur schriftlich beantwortet. Der Sonderermittler wertete die schriftlichen Antworten des Präsidenten als unzureichend. Man habe sich aber dagegen entschieden, zu versuchen, Trump unter Strafandrohung zu einer mündlichen Aussage zu zwingen, weil das wohl einen langen Rechtsstreit bedeutet hätte.

Ganz der Alte: Donald Trump bei einem Termin mit Veteranen im Weißen Haus

Der Präsident gab sich nach der Veröffentlichung des Mueller-Berichts siegessicher. Auf Twitter postete Trump unter anderem ein Bild im Stil eines Plakates für die Serie "Game of Thrones". Darauf ist Trump von hinten zu sehen, dazu die Worte: "Keine Geheimabsprachen, keine Behinderung" und der Slogan: "Game over." Bei einem Termin mit Veteranen im Weißen Haus sagte Trump, er habe einen guten Tag. Es habe keine Geheimabsprachen mit Russland und auch keine Behinderung der Justiz gegeben.

Was planen die Demokraten?

Die Chefs der Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, beklagten dagegen, die Darstellung des Justizministers unterscheide sich von den Beschreibungen Muellers. Die Demokraten werfen Barr vor, eher als Anwalt des Präsidenten zu agieren denn als unabhängiger Justizminister des Landes. Sie fordern eine komplette und ungeschwärzte Veröffentlichung des Berichts und pochen nun auch auf eine Aussage Muellers vor dem US-Kongress. Der Vorsitzende des Justizausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Jerry Nadler, sagte, er plane ein Anhörung mit Mueller in den nächsten Wochen. Der Ermittlungsbericht beinhalte beunruhigende Belege für eine Justizbehinderung und anderes Fehlverhalten durch Trump. Es liege jetzt in der Verantwortung des Kongresses, den Präsidenten für seine Handlungen zur Verantwortung zu ziehen.

ml/wa (dpa, rtr, afp)