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"Dramatischer Mangel an Pflegekräften"

27. Oktober 2020

Intensivmediziner in Deutschland warnen vor Engpässen bei der Versorgung von COVID-19-Patienten. Denn bundesweit gebe es 3500 bis 4000 Pflegekräfte zuwenig.

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Deutschland COVID-19 Intensivstation im Havelhöhe Krankenhaus in Berlin
Ein Corona-Patient auf der Intensivstation des Havelhöhe-Krankenhauses in Berlin (Archivbild) Bild: Reuters/F. Bensch

Der Mangel an Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern entwickelt sich nach Ansicht von Ärztevertretern und Kliniken zu einem zentralen Problem bei der Versorgung der an SARS-CoV-2-Erkrankten. Viele der Zusatzbetten, die in der Pandemie in den Kliniken geschaffen worden seien, könnten "nicht belegt werden, weil das Personal zur Versorgung der Patienten fehlt", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Er beklagte einen "dramatischen Mangel an Pflegekräften". Es gebe inzwischen ausreichend Kapazitäten an freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten. Das allein helfe aber nicht weiter, "wenn wir kein Personal haben, um die Patienten zu versorgen". Grob geschätzt fehlten bundesweit 3500 bis 4000 Fachkräfte für die Intensivpflege, sagte Janssens.

Deutschland | Coronavirus | Uwe Janssens, Deutsche Gesellschaft für Intensivmedizin
Chefarzt Uwe Janssens: Es fehlen bis zu 4000 Fachkräfte für die IntensivpflegeBild: picture-alliance/dpa/A. Hilse

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, rechnet damit, dass der Personalmangel in den Krankenhäusern bald massiv zutage tritt. "Sechs bis neun Prozent der Infizierten von heute werden in zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen", erklärte Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Pro schwerkrankem COVID-Patienten auf der Intensivstation werde eigentlich eine Pflegekraft benötigt.

Susanne Johna - Leiterin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund
Auch die Internistin Susanne Johna befürchtet, dass Deutschland bald ein weiteres Problem haben wird Bild: picture-alliance/dpa/Marburger Bund

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, bezeichnete den Engpass beim Pflegepersonal als "die zentrale Herausforderung, wenn die Patientenzahlen steigen". Die Kliniken müssten dann Personal umbesetzen und sich wie im Frühjahr auf die Versorgung von dringenden Fällen konzentrieren. Gaß warnte zugleich davor, allein die Lage auf den Intensivstationen zum Kriterium für die Beherrschbarkeit der Pandemie zu nehmen. Nur jeder fünfte Patient, der mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus komme, müsse intensivmedizinisch behandelt werden.

Die Zahl der COVID-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung stieg nach Angaben der Mediziner auf 1362. Davon werden 622 Patienten invasiv beatmet.

Schulen und Kindergärten auch in Rottal-Inn geschlossen

Immer mehr Landkreise in Deutschland gelten inzwischen als Risikogebiet. In Bayern gab Rottal-Inn als zweiter Landkreis Ausgangsbeschränkungen bekannt. Schulen und Kindergärten sind ab sofort geschlossen. In der Nacht zum Dienstag traten dort die gleichen Maßnahmen wie bereits im Berchtesgadener Land in Kraft, wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml mitteilte. Auch Restaurants müssen schließen. Die Beschränkungen gelten zunächst für zehn Tage.

Rottal-Inn sei mit "weit über 200" Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ähnlich stark betroffen wie die Region Berchtesgaden, so Landrat Michael Fahmüller. Beide Landkreise liegen an der Grenze zu Österreich. Grenzpendler könnten eine Ursache für den starken Anstieg sein.

Am Mittwoch sollen neue Corona-Auflagen beschlossen werden 

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Mittwoch zusammen mit den Ministerpräsidenten beraten, wie die rasche Ausbreitung des Coronavirus noch eingedämmt werden kann. Die Bundesregierung und etliche Ministerpräsidenten haben wiederholt betont, dass Schulen, Kitas und Betriebe möglichst nicht von einem zweiten Lockdown betroffen sein sollten. Deshalb richte sich der Blick nun verstärkt auf Bars, Restaurants, Sperrstunden und Veranstaltungen, hieß es aus Berlin.

se/wa (dpa, afp, kna)