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Drohende Wasserkrise in der arabischen Welt

21. Juni 2005

Obwohl die Golfstaaten pro Kopf nur sehr wenig Wasserreserven haben, sind Bedarf und Verbrauch exorbitant hoch. Deutsche und arabische Experten suchen nach Abhilfe.

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"Verlorene Tropfen sind verlorene Vermögen" steht auf dem Plakat


Das arabische Wort "al-Bahrain" bedeutet "zwei Meere": Der Inselstaat ist zum einen vom Persischen Golf umgeben - voll ungenießbaren Salzwassers. Zum anderen "sitzen" die Kalksteinfelsen, die das Territorium Bahrains bilden, auf einem Meer von Grundwasser. Beruhigend ist das nicht: Pro Kopf verbraucht Bahrain mehr als 500 Liter Wasser täglich - das ist drei Mal mehr als der Durchschnittsverbrauch in Europa. 90 Prozent wird dem Grundwasser entnommen. Knapp zehn Prozent des Wasserbedarfs wird seit 1975 aus Meerwasser-Entsalzungsanlagen und Kläranlagen gedeckt.

Galerie Tilke Bahrain Architektur
Bahrain: Leben auf dem KalksteinfelsenBild: Tilke
Raffinerie
Öl kann man nicht trinken: Ölraffinerie Mina Al Ahmadi, KuwaitBild: AP

Auch in Kuwait ist Wasser kostbarer als Öl. In seinen blauweiß gestreiften Wassertürmen speichert das Land entsalztes Meerwasser. Das Grundwasser ist vielerorts von giftigen Ölseen bedroht. Über 50 Quadratkilometer kuwaitischer Wüste sind verseucht. Die Ölseen - Hinterlassenschaften des zweiten Golfkrieges - werden erst jetzt nach und nach beseitigt.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Liter Wasser fast genauso teuer - oder preiswert - wie ein Liter Benzin. Gespart wird nicht: Fast 800 Liter Wasser pro Kopf und Tag werden verbraucht. Das meiste Wasser fließt allerdings nicht durch die Wasserhähne der privaten Haushalte, sondern wird zur Beregnung der kargen Felder der landwirtschaftlichen Betriebe gebraucht. Die Golfstaaten trotzen so der Wüste Obst und Gemüse ab. Zwar nutzen die Emirate zunehmend wiederaufbereitetes Abwasser, aber seit 30 Jahren fällt der Grundwasserspiegel jährlich um ungefähr einen Meter. Über kurz oder lang wird die Versorgung im wesentlichen von Meerwasser-Entsalzungsanlagen abhängen.

Aufnahmen des Luxus-Hotels Emirates Palace in Abu Dhabi
Luxushotels brauchen endlos viel Wasser: Aufnahme des Luxus-Hotels Emirates Palace in Abu DhabiBild: AP

Techniktransfer aus Deutschland

1. Deutsch-Arabische Wasserkonferenz eröffnet
Hannover: Tagungsort der "1. Deutsch-Arabischen Wasserkonferenz"Bild: dpa - Bildfunk

Die Golfstaaten haben in den letzten 20 Jahren fast 50 Milliarden Dollar in Meerwasserentsalzungsanlagen investiert. Saudi-Arabien betreibt nahezu 400, Kuwait drei Dutzend, die Vereinigten Arabischen Emirate zirka 100 Anlagen. Diese sind aber nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) häufig veraltet. Marode Kläranlagen ließen zudem Abwasser ins Grundwasser sickern, sagt der Leiter der Auslandshandelskammer des DIHK in Saudi-Arabien, Manfred Rothgänger. Bei der dringend notwendigen Erneuerung der Wasserversorgung in arabischen Ländern winken Milliardengeschäfte für deutsche Unternehmen.

Deutsche Technologie und Know-How haben in der arabischen Welt einen hervorragenden Ruf. "Wir möchten von den Deutschen eine Lösung für die Wasserkrise der Golfregion hören", stellt Mohamed Qanber, Vertreter des bahrainischen Wasserministeriums, hohe Ansprüche an die erste arabisch-deutsche Wasserkonferenz in Hannover (20./21.6.2005). Auch Hussain Ibrahim, Ingenieur bei den Berliner Wasserwerken, ist davon überzeugt, dass man "mit den deutschen Methoden die Wasserprobleme in der Region bewältigen" könne.

Expandierender Markt

Regenwolken über Hamburgs Museumsschiff
Bild: dpa

Eine Möglichkeit wäre, Trinkwasser aus der Luftfeuchte destillieren. Schätzungen zufolge sollen in der Atmosphäre rund zehn Mal mehr Wasser als in allen Flüssen der Welt gespeichert sein. Die Firma Aqua Society aus Nordrhein-Westfalen testet dieses Verfahren mit einer ersten Anlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In den Emiraten ist im Sommer die Luftfeuchtigkeit enorm hoch.

Einfach bescheiden präsentiert sich das Wetter
Bild: AP

Berechnungen des Analysehauses Lux Research aus New York zufolge soll der weltweite Wassermarkt von aktuell 287 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2010 auf 413 Milliarden Dollar expandieren. Aber nicht nur Technologietransfer gehört zu einem effektiven Wassermanagement, sondern auch das Wissen um den nachhaltigen Umgang mit der Ressource. "Die deutschen Partner haben hierzu einen wichtigen Beitrag zu leisten - nämlich die Araber aufzuklären, wie sie besser mit Wasser umgehen sollen", sagt Hussain Ibrahim. Denn die Art, wie Menschen Wasser nutzen, wird auch von vielfältigen kulturellen Einflüssen bestimmt. (arn / Aladdin Sarhan)