DW Akademie in der Mongolei

Mongolische Journalisten wollen frei von politischen und wirtschaftlichen Partikularinteressen berichten. Die DW Akademie unterstützt sie im Streben nach Medienunabhängigkeit.

450 Medien versorgen 3 Millionen Mongolen

Die Zahl privater Medien in der Mongolei ist seit 1990 explosionsartig gewachsen. Die mongolische Bevölkerung ist mit 450 Medien publizistisch überversorgt. Das Internet ist die wichtigste Informationsquelle für die Menschen in der Hauptstadt Ulan Bator und den ländlichen Provinzen.

Doch die Mehrheit privater Medieneigner ist wenig an ausgewogener Berichterstattung interessiert. Kampagnenjournalismus und politisches Agenda-Setting stehen hoch im Kurs. Die Durchschnittsgehälter der Branche sind so niedrig, dass Journalistinnen und Journalisten in prekären Verhältnissen leben und bezahltem Journalismus nachgehen. Gewerkschaftliche Vertretungen gibt es bisher nicht.

Intransparenz der Besitzverhältnisse

29 Jahre nach dem Ende des Kommunismus wirkt sein Erbe im mongolischen Mediensektor nach. Verflechtungen zwischen Journalistinnen und Journalisten und den politischen oder wirtschaftlichen Eliten des Landes bestehen fort. Die Meinungs- und Informationsfreiheit wird zwar gesetzlich garantiert, im Alltag ist sie aber stark eingeschränkt. Regierungsmitglieder besitzen teils direkt, teils indirekt Medien und greifen immer wieder in die Freiheit der Presse ein.

Rechtsunsicherheit – Journalisten unter Druck

Wer kritisch berichten will, wird oftmals unter Druck gesetzt oder wegen Diffamierung angezeigt. Das 2017 erlassene Ordnungswidrigkeitsgesetz überträgt die Verantwortung für die Verfolgung von Ehrendelikten (wie Verleumdung, Beleidigung oder üble Nachrede) an die Polizei. Journalistinnen und Journalisten sind der Willkür der Behörden ausgesetzt. Es drohen Bußgelder in existenzgefährdender Höhe.

Medienselbstregulierung und investigativer Journalismus

Das Engagement der DW Akademie in der Mongolei konzentriert sich auf die Stärkung der Medienunabhängigkeit. 2015 wurde mit Unterstützung der DW Akademie der Media Council of Mongolia (MCM) gegründet. Die unabhängige Organisation entwickelte einen nationalen Ethik-Code für Journalistinnen und Journalisten und schlichtet Konflikte über unrichtige oder unlautere Berichterstattung.

 Zudem fördert die DW Akademie das Press Institute of Mongolia (PIM). Hier entstanden Aus- und Fortbildungsprogramme für investigativen Journalismus in der Mongolei.

Seit 2017 2017 richten beide Organisationen gemeinsam in Ulan Bator jedes Jahr eine Konferenz für investigativen Journalismus aus, in deren Rahmen hervorragende investigative Recherchen ausgezeichnet werden. Unter dem Dach des Mongolian Center for Investigative Reporters (MCIR) wächst seit 2018 eine neue Generation „unternehmerischer“ Investigativ- und Datenjournalistinnen und -journalisten heran.

Zur Entwicklung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen arbeitet die DW Akademie mit der NRO Globe International Centre (GIC) und mongolischen Juristenverbänden zusammen.

Mittelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ)

Ländermanager: Patrick Benning

Einsatzort: Ulan Bator

Partner vor Ort: Mongolischer Medienrat (MCM), Press Institute of Mongolia (PIM), Globe International Centre (GIC), Mongolian Centre for Investigative Journalism(MCIJ)

Schwerpunkte: Politische und rechtliche Rahmenbedingungen, Qualifizierung, Medienselbstregulierung und journalistische Ethik, Zivilgesellschaftliche Lobby für Meinungsfreiheit, Journalismusausbildung und Curriculaentwicklung, investigativer Journalismus.