DW wird in Venezuela wieder ausgestrahlt

Nach etwa 24-stündiger Unterbrechung können sich die Menschen in Venezuela wieder via Deutsche Welle informieren. Auf Druck der Bundesregierung wird das spanischsprachige TV-Programm wieder verbreitet.

Nach etwa 24 Stunden erzwungener Funkstille ist die Deutsche Welle in Venezuela wieder auf Sendung. Dem voraus ging scharfe Kritik der deutschen Bundesregierung - so sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Presse und Meinungsfreiheit seien ein hohes Gut und das gelte auch in diesem Fall. Die Bundesregierung hatte sich dafür eingesetzt, dass der Auslandssender unverzüglich wieder empfangbar ist.

DW-Intendant Peter Limbourg sagte: "Ich hoffe, dass die Situation nun stabil bleibt und möchte den zahlreichen Nutzerinnen und Nutzern in Venezuela danken, die sich in den Sozialen Medien für die Empfangbarkeit der DW ausgesprochen haben." Das spanischsprachige TV-Programm der DW informiert seit Februar in einer täglichen Sondersendung 15 Minuten lang über die Lage im Land.

Sondersendungen zu Venezuela als Stein des Anstoßes?

Die Rundfunkbehörde Conatel des südamerikanischen Krisenlandes hatte den DW-Kanal am Wochenende aus dem Kabelnetz genommen. Eine öffentliche Erklärung für den Schritt gab die venezolanische Rundfunkbehörde bislang nicht. In Venezuela tobt ein heftiger politischer Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und Parlamentspräsident Juan Guaidó, der sich im Januar zum Übergangsstaatschef ausrief.

Deutschland ist eines der Länder, die den Oppositionsführer Guaidó als Interimspräsidenten Venezuelas anerkannt haben. Inzwischen erkennen ihn mehr als 50 Staaten an. Im vergangenen Monat hatte die venezolanische Regierung den deutschen Botschafter Daniel Kriener aufgefordert, das Land zu verlassen.

Neus Pérez ist eine der Moderatorinnen der DW-Sendung "Noticias Extra Venezuela"

Die Deutsche Welle hatte auf die Zuspitzung der Krise in Venezuela mit einer täglichen TV-Sondersendung in ihrem spanischen Programm reagiert.

DW-Inhalte weiterhin online zugängig

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, hatte die venezolanischen Behörden bereits am Tag der Abschaltung "mit Nachdruck" dazu aufgefordert, das Sendesignal der DW wieder zu verbreiten. Limbourg wies darauf hin, dass die Berichterstattung der Deutschen Welle über Venezuela, besonders die täglichen Schwerpunktsendungen, mit denen die DW über die aktuelle Lage in dem Land informiert, auch über soziale Medien und über den YouTube-Kanal der DW zu empfangen seien. 

"Wir werden natürlich weiter alles daran setzen, unsere Zuschauer und Nutzer in Venezuela zu informieren," betonten sowohl Limbourg als auch DW-Chefredakteurin Ines Pohl. 

Jeweils um 22:00 Uhr Ortszeit Caracas fasst die spanische TV-Redaktion in einer zusätzlichen 15-minütigen Livesendung die Ereignisse des Tages in Venezuela zusammen. Der Link zu dieser Sendung, "Noticias Extra Venezuela", ist auch weiterhin auf der Multimediaseite des spanischen Angebots der DW zu finden.

CNN-Signal schon 2017 abgeschaltet

Bereits im Februar 2017 wurde das Signal des US-Fernsehsenders CNN in Venezuela abgeschaltet. Zuvor hatte die spanische CNN-Redaktion über angebliche illegale Passverkäufe in der venezolanischen Botschaft im Irak berichtet.

Als Begründung für die Abschaltung teilte die nationale Kommission für Telekommunikation in Venezuela damals mit, dass der Fernsehsender Beiträge ausgestrahlt hätte, die als "direkte Aggressionen" gegen Venezuela zu werten seien. Diese Aggressionen "bedrohten die friedliche und demokratische Stabilität" Venezuelas, hieß es weiter. Zuvor hatte Präsident Nicolás Maduro erklärt, der Sender würde gegen seine sozialistische Regierung konspirieren.

cw/ehl/fab (epd, kna, DW)

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