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Afrikas Chancen mit E-Learning

Julia Maas / sst30. Mai 2014

Rund 1400 Teilnehmer aus 68 Ländern haben in Ugandas Hauptstadt Kampala über Chancen und Herausforderungen von E-Learning diskutiert. Auch für die Wirtschaft sehen Experten viele Möglichkeiten für Afrika.

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Kinder mit Mobiltelefon (Foto: Omaranabulsi)
Bild: cc-sa-by-Omaranabulsi

Afrika profitiert immens von E-Learning und Informations- und Kommunikationstechnologien, bilanziert Harold Elletson auf der 9. E-Learning Afrika Konferenz (28.bis 30.05.2014) in Ugandas Hauptstadt Kampala. Der Brite präsentierte dort den jüngsten E-Learning Report, für den über 1.400 Experten in Afrika befragt wurden.

"E-Learning macht in vielerlei Hinsicht einen großen Unterschied - nicht nur im Bildungssektor, sondern auch für die Industrie", sagte Elletson. "E-Learning ist ein Schlüssel für das afrikanische Wirtschaftswachstum."

Harold Elletson (Foto: DW/Julia Maas)
Harold Elletson sieht große Chancen für AfrikaBild: DW/J. Maas

So informieren sich Landwirte heute schon per Mobiltelefon über Preise auf den Märkten und können so ihre Produkte zu einem guten Preis verkaufen. Auch die Touristikbranche kann laut Elletson von E-Learning profitieren. Das Personal kann per Onlinekurse einfach und effizient geschult werden. Auch Radio sei immer noch eine der wichtigsten mobilen Informationstechnologien in Afrika, so der Experte.

"Die Technologie wird auf viele einfallsreiche Arten und Weisen genutzt, und das gilt natürlich nicht nur für Radio, sondern besonders für Mobiltelefonie", erklärt Elletson. "Das Potential hierfür wächst stark und wird mit der Verbreitung von Smartphones noch größer werden." Schon jetzt aber würden einfachere Telefone für verschiedene Bildungsinitiativen genutzt.

Bildung mit einfachen Mobiltelefonen

Sogenannte Feature Phones sind einfache Mobiltelefone, die nicht über aufwendige Funktionen wie Smartphones verfügen. Sie haben meist aber trotzdem Zugang zum Internet. Eine Plattform, die diese einfacheren Telefone nutzt, ist Facebook. 2010 brachte das Unternehmen "Facebook Zero" an den Start: eine einfache Version der Website, die auch mit Feature Phones genutzt werden kann. Diese Applikation fand in Afrika großen Anklang: In den ersten 18 Monaten des Angebots stieg die Zahl der Nutzer in Afrika rasant an.

Massai mit Handy (Foto: picture-alliance / Ton Koene)
Viele Bauern informieren sich mittlerweile über ihr Mobiltelefon über die PreiseBild: picture-alliance/Ton Koene

Auch wenn Facebook in erster Linie für die Pflege privater Kontakte genutzt wird: Nach Angaben des E-Learning Africa Reports nutzen immerhin 66 Prozent der Befragten Social Media auch für Bildungszwecke. Facebook ist mit 82 Prozent das beliebteste Portal und liegt damit vor Skype und LinkedIn.

Juristische Beratungen via Facebook

Facebook ist auch in Uganda das populärste soziale Netzwerk. Gerald Abila nutzt Facebook, um Klienten kostenlos juristisch zu beraten. In Uganda arbeiten 97 Prozent der Anwälte in Kampala - wer außerhalb der Hauptstadt wohnt, hat also unter Umständen keine Möglichkeit, einen Anwalt aufzusuchen. Für den Juristen Abila ist Facebook daher ein passendes Forum, um diesen Missstand zu beheben: Facebook erreicht viele Menschen und bietet die Möglichkeit, zeitnah und verständlich auf individuelle Probleme einzugehen.

Telefon (Foto: Omaranabulsi)
Auch mit einem normalen Mobiltelefon kann im Internet gesurft werdenBild: cc-sa-by-Omaranabulsi

Was mit einem Smartphone und einer Facebook-Seite startete, ist heute die Non-Profit Organisation "barefootlaw". Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich um verschiedene rechtlichen Themen. Abila nennt den Fall einer Ehefrau, dessen Mann verstorben war - er beriet auch die Familie des Mannes. Ihnen machte er deutlich, dass die Ehefrau - jetzt Witwe - Anrecht auf ein Erbe habe. "Ich habe ihnen gesagt: 'Wenn ihr vor Gericht zieht, verschwendet ihr Eure Zeit.' Und dann finden sie einen Weg, das Problem zu lösen - ohne zu reisen, online."

Skype, SMS, Radio

Abila und seine Mitstreiter nutzen inzwischen auch andere Wege, um mit Menschen in Kontakt zu kommen: Ratsuchende können barefootlaw per E-Mail kontaktieren oder Mitarbeiter zweimal pro Woche per Skype konsultieren. Barefootlaw bietet außerdem einen SMS-Service an und arbeitet mit lokalen Partnern auf dem Land und mit Radiostationen zusammen.

Gerald Abila (Foto: DW/Julia Maas)
Gerald Abila bietet kostenloste Rechtsberatungen via Facebook und Skype anBild: DW/J. Maas

Um die Website auch denjenigen zugänglich zu machen, die nicht Englisch sprechen, wird sie derzeit in drei weitere ostafrikanische Sprachen übersetzt. Abila berichtet von vielen positiven Rückmeldungen.

"So wie es jetzt ist, ist es das aktivste juristische Onlineforum in Ost-Afrika. Ich meine, 13000 Likes auf Facebook nur in Uganda für ein Rechtsforum? Das zeigt die Nachfrage, und uns zeigt es: Das ist ein Modell, das funktioniert. Das ist die Power von Social Media."