Ein Erfolgsrezept: 175 Jahre Pils

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Eine folgenreiche Bierrevolte

Die Bürger der Stadt Pilsen im heutigen Tschechien hatten Anfang des 19. Jahrhunderts das dunkle und trübe Bier der städtischen Brauerei satt: Kurzerhand schütteten sie die Fässer auf dem Rathausplatz aus. Der Braumeister berief daraufhin Josef Groll aus Bayern in die böhmische Stadt, der nach einigen Versuchen am 5. Oktober 1842 den ersten goldgelben Pilsener Sud in der Hand hielt.

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Auf den Spuren des Urquells

Das heute so berühmte "Pilsener Urquell" ist klarer und herber im Geschmack als sein Vorgänger. Was die wenigsten wissen: Die von Groll angewandte Brauart hatte er in seiner bayrischen Heimat gelernt. Aus diesem Grund stand auf den Pils-Flaschen zunächst "nach Bayrischer Brauart" - auf manchen steht es sogar noch heute.

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Typisch herb

Pilsen bot schon damals ideale Rahmenbedingungen für sein neues Bier: Das weiche, kalkarme Wasser beeinflusste während des Brauvorgangs den Geschmack des Suds und war bestens geeignet für die herbe Note des Urquells. Auch der hohe Hopfengehalt macht das Bier herber: Dieser wird der flüssigen Bierwürze in der hier abgebildeten Sudpfanne zugegeben.

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20 Meter unter Pilsen

Doch nicht nur der Hopfen zeichnet das Pils aus: Das schonend geröstete, helle Malz gibt ihm seine goldene Farbe. Weiterhin ist das Pils ein untergäriges Bier - das bedeutet, es wird ein Hefetyp beigefügt, der während des Gärungsprozesses nach unten sinkt. Typisch für diese Brauart ist die langsame Gärung in tiefer, kalter Lagerung: das traditionelle Pils zum Beispiel in 20 Metern Tiefe.

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Geschütztes Original

Wenn anschließend Hefe zugegeben wird und das Bier gegärt ist, kann es endlich abgefüllt werden. Voilà: Ein original Pils. Im Jahr 1976 schloss die damalige Tschechoslowakei sogar ein Abkommen mit der Schweiz ab, die die Bezeichnung "Pils" nur für original tschechisches Bier verwenden durfte. Tschechien verzichtete dafür auf "Emmentaler" für Käse, der nicht in der Schweiz hergestellt wurde.

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Das beliebteste Bier weltweit

Pils ist ein großer Erfolg: Weltweit werden zwei Drittel aller Biere nach Pilsener Brauart gebraut. In Deutschland liegt Pils mit mit einem Marktanteil von 37 Prozent weit vor Biermischgetränken und Weizen mit jeweils rund zehn Prozent Marktanteil.

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Tschechische Brauerei in japanischer Hand

Die Brauerei in Pilsen ist beliebte Touristenattraktion: Hier erklärt Braumeister Vaclav Berka interessierten Bierfans die Entstehung des Originals. Die Pilsener Brauerei gehörte übrigens von 1999 bis 2016 zum Konzern South African Breweries. Im Dezember vergangenen Jahres wurde sie dann vom japanischen Konzern Asahi übernommen.

Pils ist das beliebteste Bier der Welt. Am 5.Oktober 1842 wurde das erste Pils gebraut. Heute tragen zwei Drittel aller Biere das Etikett "nach Pilsener Brauart". Dabei wäre "nach Bayrischer Brauart" auch nicht falsch.