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Muslim soll Zentralafrika versöhnen

11. August 2014

In Chaos und Bürgerkrieg wurde in Zentralafrika erstmals ein Muslim zum Premier bestimmt. Ob er den Hass und die tiefe Spaltung zwischen den religiösen und ethnischen Gruppen überwinden kann, bleibt höchst zweifelhaft.

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Konflikt zwischen Christen und Muslimen in Zentralafrikanischer Republik (foto: AP)
Bild: picture-alliance/AP

Die zentralafrikanische Präsidentin Catherine Samba-Panza hat den muslimischen Finanzexperten Mahamat Kamoun zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Das meldete der staatliche Rundfunk in Bangui. Kamoun wird damit Nachfolger des im Rahmen einer Vereinbarung zurückgetretenen André Nzapayéké.

Zentralafrikas Präsidentin Catherine Samba-Panza
Staatschefin Samba-Panza will ein Kabinett der nationalen AussöhnungBild: Reuters

Kamoun arbeitete unter anderem als Berater des Seleka-Rebellenführers Michel Djotodia, später wechselte er dann in den Beraterstab der Präsidentin Samba-Panza, einer Christin. Unter dem früheren Präsidenten Francois Bozizé fungierte er als Generaldirektor des Schatzamtes. Er ist der erste muslimische Premier seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960.

Knapp zwei Wochen nach der Einigung auf einen Waffenstillstand in der Zentralafrikanischen Republik war Nzapayékés Übergangsregierung zugunsten eines Friedenskabinetts abgetreten. Der Schritt gehörte zu den am 23. Juli in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville getroffenen Vereinbarungen über eine Waffenruhe und eine politische Lösung im Bürgerkrieg. Samba-Panza hatte eine Regierungsumbildung "im Geist von Brazzaville" und ein Kabinett der "nationalen Versöhnung" angekündigt.

Ob nun aber die Hauptkriegsparteien, die mehrheitlich muslimische Séléka-Miliz und die überwiegend christliche Anti-Balaka-Miliz, tatsächlich Vertreter in die künftige Regierung entsenden, ist fraglich. Beide Gruppen haben zwar das Abkommen unterzeichnet, sind aber intern gespalten.

Ungeachtet der Waffenruhe lieferten sich Séléka-Kämpfer jüngst wieder schwere Gefechte mit Soldaten der französischen Friedenstruppe "Sangaris" im nördlich gelegenen Batangafo. Die muslimische Séléka hatte im März 2013 den damaligen Staatschef Bozizé gestürzt. Der Putsch zog das Land im Herzen Afrikas in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen.

SC/ml (afpe, reuters)