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Politik

Eine "desaströse Wahl" für die Weltbank?

7. Februar 2019

Der US-Amerikaner David Malpass ist ein erfahrener Strippenzieher, Vertrauter von Finanzminister Steven Mnuchin - und bekennender Weltbank-Kritiker. Genau diese Institution soll der 62-Jährige aber in Zukunft leiten.

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USA | David Malpass
Könnte zum einflussreichsten Entwicklungshilfe-Manager aufsteigen: David MalpassBild: Getty Images/M. Tama

US-Präsident Donald Trump hat David Malpass als neuen Präsidenten der Weltbank vorgeschlagen. Der 62 Jahre alte Ökonom und Staatssekretär im Washingtoner Finanzministerium soll Jim Yong Kim ersetzen, der im Januar überraschend seinen Rückzug verkündet hatte.

"Nachdem ich Gespräche mit vielen Interessenten geführt habe, wusste ich, dass David die richtige Person ist", sagte Trump. Malpass sei ein "hochrespektierter" und "brillanter" Mann. Aus dem Weißen Haus heißt es, den internen Auswahlprozess habe Finanzminister Steven Mnuchin gemeinsam mit Präsidententochter Ivanka Trump geführt. Das letzte Wort haben die Gremien der Weltbank.

"Nicht effizient, oft korrupt"

Der erfahrene Polit-Stratege Malpass hatte bereits unter Präsident Ronald Reagan im Range eines Finanz-Staatssekretärs gearbeitet. Bei Reagans Nachfolger George H.W. Bush war er im Außenministerium aktiv. Malpass, der auch Französisch, Russisch und Spanisch spricht, kennt die Weltbank seit langem und hat sich mehrmals kritisch über multilaterale Organisationen geäußert. Institutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) gäben "viel Geld" aus und seien aber "nicht sehr effizient". Ihre Kreditvergabepraxis sei "oft korrupt".

Zuletzt wirkte der ehemalige Investmentbanker an einer Reform der Weltbank mit, die unter anderem zu einer Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Dollar führte. In Verhandlungen erwirkte das Team um Malpass, dass die Kreditvergabe der Bank künftig stärker auf sehr arme Länder zugeschnitten wird. Aufstrebende Volkswirtschaften wie China sollen weniger profitieren. Malpass steht auch Chinas Seidenstraßen-Infrastrukturinitiative skeptisch gegenüber.

Einflussreiche Gegner, zaudernde Europäer

Schon vor der offiziellen Nominierung hatte die Personalie heftige Kritik hervorgerufen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman verwies auf Twitter auf Malpass' falsche Einschätzungen zur Finanzkrise im Jahr 2008. Der frühere Sprecher des einstigen US-Präsidenten George W. Bush, Tony Fratto, bezeichnete eine Nominierung von Malpass als eine "desaströse, giftige Wahl". Die "Financial Times" fasste zusammen: "Wenige in der Weltbank und in den Regierungen in aller Welt werden jubeln."

In seiner neuen Position würde Malpass zum vermutlich einflussreichsten Entwicklungshilfe-Manager des Erdballs. Die Weltbank, der 189 Mitgliedsländer angehören, unterstützt vor allem Projekte zur Armutsbekämpfung. Erst kürzlich hatte sie einen Aktionsplan im Umfang von 200 Milliarden Dollar für die Jahre 2021 bis 2025 vorgelegt, mit dessen Hilfe sich arme Länder besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten können sollen.

Die endgültige Entscheidung über die Personalie Malpass dürfte im April fallen. Traditionsgemäß stellen die USA den Präsidenten der Weltbank, während der IWF von einem Europäer geführt wird. Und aus diesem Grund darf bezweifelt werden, dass es tatsächlich echten Widerstand gegen die Personalie geben wird: Wenn die Europäer, die keinen Pro-Trump wollen, den US-Kandidaten nicht unterstützen, könnten sie letztlich riskieren, das Vorrecht auf den IWF-Chefsessel zu verlieren.

rb/wa/cgn (ap, afp, dpa, rtr)