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"Elvis lebt"

Kerstin Winter22. November 2004

Elvis Presley wäre am 8. Januar 2005 70 Jahre alt geworden. Das Haus der Geschichte in Bonn würdigt den "King of Rock 'n' Roll" mit einer Ausstellung, wo man nicht nur seine Haarsträhnen sehen kann.

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Hat Tausende Deutsche beeinflusst: Elvis PresleyBild: AP

"Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus", tönt Elvis dem Zuschauer schon an der Eingangshalle entgegen. Der Film G.I. Blues läuft hier. Daneben hängt Presleys phonetische Umschrift des deutschen Volksliedes - eingerahmt in dickes Glas. Genauso gut geschützt ist eine von Presleys Haarsträhnen, die sein Friseur während Presleys Militärzeit in Deutschland aufgehoben hatte. "Wir wollen ja nicht, dass die Sachen bei ebay landen", sagt Ausstellungsdirektor Jürgen Reiche lachend. Auf einen Massenandrang von Elvis-Fans ist das Haus der Geschichte vorbereitet.

Blind nach Auftritt

Mehr als 300 Objekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter Kostüme, Plakate und Schallplatten sind zu sehen. Zu den prominenten Leihgebern zählen die deutschen Rock-'n'-Roll-Legenden Peter Kraus und Ted Herold. Ein älterer Fan hat eine Militärjacke von Elvis zur Verfügung gestellt, die er dem Superstar in den 1950ern aus dem Auto entwendet hatte. Viele Exponate stammen aus den Sammlungen des Bonner Museums: Der Seesack, mit dem der "King" 1958 in Bremerhaven von Bord ging und Teile der Original-Einrichtung des Friseur-Salons in den Friedberger "Ray Barracks", wo Presley sich die Haare schneiden ließ, sind nur einige Beispiele. Auch über die dunklen Seiten im Leben des legendären Musikers erfährt der Besucher mehr. Audio- und Video-Material ergänzen die Ausstellung. Presley litt an vielen verschiedenen Krankheiten wie dem Grünen Star und Diabetes. Nach jedem Aufritt wurde er kurzzeitig blind. Trotzdem trieb ihn Manager Tom Parker immer wieder auf die Bühne.

Revolutionen

Elvis Presley beim Militär
Wehrdienst in DeutschlandBild: AP

"Elvis in Deutschland" heißt die Ausstellung, sie könnte auch "Elvis lebt" heißen, sagt Reiche. "Es geht darum, dass er immer noch in unseren Köpfen existiert, dass er generationenübergreifend bekannt ist und dass er eine sexuelle, musikalische und gesellschaftliche Revolution bewirkt hat." In Amerika herrschte in den 1950er Jahren Rassentrennung, die Gesellschaft lebte nach konservativen Werten. Und dann kam Elvis – mit hautengen Jeans, lasziven Gesten und einem Musikstil, der weiße und schwarze Musik verband. Ausstellungsleiter Reiche betont, dass Elvis Neues gewagt hatte: "Er gab Impulse und Bewegung für die Gesellschaft. Er war der Botschafter eines Stils, der sich an Menschen richtete, die die Dinge verändern wollten".

Neue Welt

Elvis Presley war der personifizierte "American Dream": vom Lastwagenfahrer zum Superstar. Elvis Presley war es, der Country- mit Gospelmusik und Rhythm 'n' Blues verband. Er als Weißer brachte den Weißen Anfang der 50er Jahre den Rock'n'Roll. Und damit fand diese Musikrichtung eine finanzkräftige Käuferschicht. Erst dieser Schritt ermöglichte dem Rock 'n' Roll den Sprung vom Underground- zum Massenphänomen. Die Teenager bekamen mit Songs wie "Blue Suede Shoes" eine eigene Musikrichtung, deren Lebensgefühl und Mode sich von der ihrer konservativen Elterngeneration wesentlich unterschied und mit der sie sich identifizieren konnten. Besonders die Nachkriegsgeneration in Deutschland wurde in Presleys Bann gezogen und nicht nur, weil er dort seinen Wehrdienst absolvierte. "Er hat ihnen ein Fenster zur Welt aufgestoßen. Seine Musik und seine ganze Art waren Halt für sie. Schließlich sind viele ohne Väter aufgewachsen", erklärt Reiche.

Die Ausstellung soll eine Zeitreise darstellen, die die deutsche Gesellschaft geprägt hat. Denn der "American Way of Life" hielt mit Elvis Presley Einzug. Die Ausstellung ist bis zum 27. Februar 2005 im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.