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Endlich Gelb für Tony Martin

Joscha Weber7. Juli 2015

Es hat geklappt: Nach drei hauchdünn verpassten Chancen fährt Tony Martin ins Gelbe Trikot - dank eines Etappensieges als Solist in Cambrai. Derweil ließen auf dem Kopfsteinpflaster einige Favoriten Federn.

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Tony Martin jubelt im Gelben Trikot (Foto: Doug Pensinger/Getty Images)
Bild: Getty Images/D. Pensinger

Das Rad einfach gegen den Zaun geworfen, die Hände in den Himmel, jubelnd fällt er einem Betreuer um den Hals, strahlt dabei über das ganze Gesicht – Tony Martins unbändige Freude im Ziel von Cambrai war mindestens so sehenswert wie seine Attacke kurz zuvor. Er hatte es geschafft, endlich, im vierten Anlauf: Zum ersten Mal in seiner Karriere trägt der deutsche Zeitfahrspezialist das Gelbe Trikot der Tour de France. Und das holte er sich in überzeugender Manier: Als Etappensieger im Solo.

"Es war alles oder nichts. Ich hatte sehr viel Pech in den letzten Tagen, das hat sich heute umgekehrt", sagte ein strahlender Martin im Ziel der vierten Etappe der Tour de France in Cambrai der ARD. Am Ende dieses mit 223,5 Kilometern längsten Abschnittes der Frankreich-Rundfahrt ging sein Kampf um Gelb auf: Nach fünf Sekunden Rückstand beim Auftaktzeitfahren, drei Sekunden nach Etappe zwei und einem Sekündchen nach dem dritten Abschnitt ist Martin nach dem vierten Tag nun der neue Führende der Tour. Mit viel Energie und einer ungebrochenen Moral erfüllte sich Martin den lange gehegten Traum vom Gelben Trikot.

Froome gönnt Martin Gelb

3,4 Kilometer vor dem Ziel trat der Etixx-Quick Step-Fahrer an und keiner in der Spitzengruppe reagierte, so dass Martin seine Zeitfahrqualitäten ausspielen konnte und auf und davon war. Team Sky um den bis dahin führenden Chris Froome leistete zwar weiter Führungsarbeit, aber nicht mit letzter Konsequenz. Und das hatte einen offensichtlichen Grund: Eigentlich will Froome das Gelbe Trikot und die damit verbundene Verantwortung im Rennen noch gar nicht zu diesem frühen Zeitpunkt der Tour: "Gratulation an Tony Martin, er war in den letzten Tagen schon immer nah dran. So schlecht ist das für uns auch nicht, dass er das Gelbe Trikot übernommen hat", sagte Froome dem Sender Eurosport. Zuvor hatte der britische Toursieger von 2013 gemeinsam mit seinem Team immer wieder das Tempo verschärft, um andere Konkurrenten um den Gesamtsieg abzuhängen.

Das Feld auf der 4. Etappe der Tour de France 2015 (Getty)
Staub, Dreck, Kopfsteinpflaster – ein archaisches Radspektakel: Das Tour-Peloton auf den Pavés NordfrankreichsBild: Getty Images/B. Lennon

Und das gelang auch auf diesem von sieben Kopfsteinpflaster-Passagen geprägten Tagesabschnitt. So verlor auf den insgesamt 13,3 km über Pflaster zum Beispiel der Franzose Thibaut Pinot vom FDJ-Team viel Zeit. Er hatte großes Pech im Finale als er gleich mehrere Defekte hatte und sichtlich verzweifelt am Straßenrand auf Ersatzmaterial warten musste. Er liegt nun bereits 6:30 Minuten hinter Martin und kann da Podium in Paris damit abschreiben. Auch der Franzose Pierre Rolland (Europcar) und der Kanadier Ryder Hesjedal (Cannondale) büßten viel Zeit ein.

Degenkolb sorgt für deutschen Doppelsieg

An der Spitze sorgte neben dem Sky-Team immer wieder auch der Vorjahres-Sieger Vicenzo Nibali persönlich durch Attacken für viel Bewegung. Auch dank seiner Vorstöße verkleinerte sich die Spitzengruppe auf 35 Fahrer, zu denen überraschenderweise aber auch das kolumbianische Leichtgewicht Nairo Quintana (Movistar) zählte. Sehr aktiv zeigte sich auf seinem Terrain John Degenkolb (Giant-Alpecin), der stets bei Attacken präsent war, am Ende auch den Sprint der Kopfgruppe für sich entschied – aber dennoch nicht Etappensieger wurde.

Denn Martin, der im Finale durch eine Reifenpanne noch gezwungen war, auf das Rad von Teamkollegen Matteo Trentin umzusteigen, zog seinen Vorstoß durch und verteidigte einen Vorsprung von drei Sekunden bis ins Ziel. Dort wurde er anschließend minutenlang von seinen Teamkollegen umarmt und gefeiert. Dank der Zeitgutschrift liegt er im Gesamtklassement nun 12 Sekunden vor Chris Froome und 25 Sekunden vor dem US-Amerikaner Teejay van Garderen (BMC) und hat damit gute Chancen, die Führung noch ein paar Tage zur verteidigen.