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Politik

Viele Flüchtlingsboote steuern Spanien an

28. Juli 2018

Fast täglich rettet die Küstenwache Hunderte Migranten aus zahlreichen Booten vor der Küste Spaniens. Binnen zwei Tagen kamen zuletzt 1200 Bootsflüchtlinge an. Nun ruft der Innenminister nach einer europäischen Lösung.

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Spanien Algericas Flüchtlinge auf Rettungsboot
Gerettete Migranten winken von einem Bergungsboot in der Straße von GibraltarBild: Reuters/Stringer

"Das Migrationsproblem ist ein Problem Europas und erfordert eine europäische Lösung", sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska bei einem Besuch im Süden des Landes. Am Samstag hatte die Küstenwache 334 Flüchtlinge von 17 Booten gerettet, am Vortag waren es 888 Flüchtlinge.

Der sozialistische Minister warf der konservativen Vorgängerregierung schwere Versäumnisse vor. Der Anstieg der Flüchtlingszahlen habe sich schon lange abgezeichnet, und die frühere Regierung habe "zu wenige Vorbereitungen" dafür getroffen, sagte Grande-Marlaska. Er kündigte die Eröffnung eines Aufnahmelagers im südspanischen Algeciras an, das 600 Migranten aufnehmen kann.

Spanien Algericas Spanischer Innenminister Fernando Grande-Marlaska
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska informiert sich im Hafen von Algeciras über die RettungsaktionenBild: Getty Images/AFP/J. Guerrero

Migrantenstrom verlagert sich nach Westen

Nach der weitgehenden Blockade der Balkanroute über Griechenland und der Schließung der italienischen Häfen für Flüchtlingsboote durch die neue rechtsgerichtete Regierung in Rom verlagern sich die Migrationsbewegungen nach Europa wieder auf die westliche Route über Spanien. Das Land hat in diesem Jahr bereits Italien als Hauptankunftsland für Flüchtlinge in Europa abgelöst. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Migrationsorganisation (IOM) knapp 21.000 Flüchtlinge in Spanien an. In Italien waren es rund 18.100 und in Griechenland rund 15.500. Damit hat sich die Zahl der Flüchtlinge auf der Spanien-Route 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdreifacht.

Dabei kommt einem Zeitungsbericht zufolge auf Spanien eine noch größere Migrantenwelle zu. Die spanische Polizei geht davon aus, dass sich derzeit 50.000 Schwarzafrikaner in Marokko aufhalten, die demnächst die spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla erreichen oder mit Booten die Meerenge von Gibraltar durchkreuzen wollen, um nach Spanien - und damit nach Europa - zu kommen. Das berichtet die spanische Tageszeitung "El Mundo" unter Verweis auf Polizeiquellen.

Ansturm auf Ceuta

Am Donnerstagmorgen hatten 600 Migranten den Grenzzaun in Ceuta gestürmt. Fast eineinhalb Stunden versuchten die spanischen und marokkanischen Grenzbeamten, die aus Regionen südlich der Sahara stammenden Flüchtlinge aufzuhalten. Diese seien allerdings so "brutal wie nie zuvor" gegen die Beamten vorgegangen, erklärte ein Polizeisprecher. Die Geflüchteten attackierten die Grenzschützer mit selbstgebauten Flammenwerfern und Branntkalk. Vier Beamte und elf Migranten wurden mit Verbrennungen, Verätzungen, Schnittwunden oder Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden insgesamt 132 Personen verletzt.

Die Aufnahmekapazitäten der temporären Auffanglager in Ceuta, Melilla und an der südspanischen Küste Andalusiens sind bereits so weit überschritten, dass die andalusische Menschenrechtsorganisation APDHA bereits von "unwürdigen Aufnahmeverhältnissen" spricht. Das Rote Kreuz richtete drei neue Auffanglager ein, um die große Zahl an Migranten überhaupt aufnehmen zu können.

kle/haz (afp, efe, kna, dpa)