Erneute Festnahme von Ex-FARC-Kommandeur

Auf Druck der USA ist ein ehemaliger Führer der aufgelösten FARC-Guerilla in Kolumbien nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sofort wieder in Gewahrsam genommen worden. Der Vorwurf: Drogenhandel im großen Stil.

Jesús Santrich (Archivbild) sei mit einem Polizeihubschrauber an einen unbekannten Ort gebracht worden, kurz nachdem er das La-Picota-Gefängnis in der Hauptstadt Bogotá verlassen hatte, teilte die FARC-Partei über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Wie Vertraute des ehemaligen FARC-Kämpfers berichten, soll er zur Staatsanwaltschaft in Bogotá gebracht worden sein. Die Staatsanwaltschaft erklärte, gegen Santrich liege ein Haftbefehl im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Drogenhandels vor. Präsident Iván Duque begrüßte die erneute Verhaftung. Die FARC sprach von einem "abgekarteten Spiel der Justiz".

Begrüßt die Verhaftung: Kolumbiens Präsident Iván Duque

Die USA werfen Santrich vor, zwischen Juni 2017 und April 2018 am Schmuggel von zehn Tonnen Kokain in die USA beteiligt gewesen zu sein. Die US-Botschaft hatte die kolumbianischen Behörden "dringend gebeten", Santrich nicht aus der Haft zu entlassen. Das Sondergericht für Frieden (JEP) hatte die Entlassung dennoch angeordnet und erklärt, die USA hätten keinen Beweis für Santrichs Verwicklung in den Drogenhandel vorgelegt.

Santrich beteuert seine Unschuld und sprach von einer Verschwörung Washingtons und der kolumbianischen Staatsanwaltschaft. Der 52-Jährige, der eigentlich Seuxis Paucias Hernández heißt, ist sehbehindert und verließ das Gefängnis im Rollstuhl.

Juristisches Tauziehen

Das juristische Gezerre um den Ex-Rebellen hat das südamerikanische Land in eine politische Krise gestürzt. Aus Protest gegen die Entscheidung der Sonderjustiz reichte Generalstaatsanwalt Néstor Humberto Martínez seinen Rücktritt ein.

Der jahrzehntelange Guerilla-Krieg zwischen den linksgerichteten FARC-Rebellen und der kolumbianischen Regierung war im Dezember 2016 mit einem Friedensabkommen beendet worden. Die FARC-Kämpfer lieferten ihre Waffen ab und gründeten eine politische Partei.

FARC-Proteste gegen die konservative Regierung

Amnestie?

Zur Aufarbeitung sollen Sondergerichte über Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen während des 53-jährigen Konflikts urteilen. Für weniger schwere Verbrechen wurde eine Amnestie beschlossen.

Straftaten, die ehemalige Rebellen-Führer nach Unterzeichnung des Abkommens begehen, fallen jedoch nicht unter die Amnestie und sollen vor einem normalen Gericht verhandelt werden. Für sie gilt auch das ausgehandelte Auslieferungsverbot nicht. Die Vorwürfe gegen Santrich beziehen sich auf die Zeit nach der Unterzeichnung.

cgn/jj (afp, dpa)

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