Erstes Mini-Herz aus dem 3D-Drucker

Israelischen Forschern ist ein medizinischer Durchbruch gelungen. Das Herz besteht aus menschlichen Gewebefasern und Blutgefäßen und ist so groß wie ein Hasenherz. Revolutioniert das die Organ-Transplantation?

Der Prototyp, dessen Zellen sich allerdings noch nicht synchron zusammenziehen können, habe die Größe eines Hasenherzens, sagte Studienleiter Tal Dvir von der Universität Tel Aviv vor Journalisten. Das Herz bestehe aus Gewebe und Blutgefäßen und verfüge über Kammern. Es sei vergleichbar mit dem Herz eines menschlichen Fötus.

Diese Entwicklung sei ein bedeutender Fortschritt im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie gegen das Risiko, dass der Körper transplantierte Spenderherzen als Fremdkörper abstößt, sagte Dvir.

Herz besteht aus Gewebe des Patienten

Die Forscher stellten ihre Entwicklung im Fachblatt "Advanced Science" vor. "Wir entnehmen per Biopsie Fettgewebe eines Patienten", erläuterte der Biotechnologe Dvir den Prozess. Dann würden zelluläre und nicht-zelluläre Bestandteile getrennt. "Die Fettzellen werden zu Stammzellen umprogrammiert, diese differenzieren sich wiederum in Herzzellen, Endothelzellen und andere." Nach einem weiteren Verarbeitungsprozess der Elemente erzeugt der 3D-Drucker dann das Mini-Herz.

Das Herz aus dem 3D-Drucker soll innerhalb eines Jahres bei Tierversuchen getestet werden können

"Das Herz ist komplett kompatibel mit dem Patienten, weil es aus seinem eigenen Gewebe geschaffen ist, und wird deshalb keine Immun-Gegenreaktion auslösen", sagte Dvir. "Es ist das erste Mal, dass ein ganzes Herz mit Zellgewebe und Blutgefäßen gedruckt wurde."

Wissenschaft | 17.01.2019

Test in Tierversuchen

In ähnlichen Versuchen seien bisher nur synthetische Stoffe oder anderes natürliches Gewebe verwendet worden. Nun wollen die Forscher den Prototypen in einem speziellen Bioreaktor reifen lassen. Dort soll das Miniatur-Herz lernen, "sich wie ein Herz zu benehmen". Binnen eines Jahres sollen solche Herzen in Tierversuchen getestet werden, bei Hasen oder Ratten.

Bis zu einem möglichen klinischen Einsatz beim Menschen dauere es noch viele Jahre, sagte Dvir. "Vielleicht gibt es in zehn Jahren in den renommiertesten Krankenhäusern der Welt einen Organ-Drucker und das wird ein Routine-Prozess."

ach/fab (dpa, afp)

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