Für Tuchel geht die Saison erst richtig los

Beim Starensemble von Paris St. Germain wird das Gelingen einer Saison vor allem am Abschneiden in der Champions League bewertet. Und auch Trainer Thomas Tuchel wird sich daran messen lassen müssen. Wie seine Vorgänger.

Jetzt wird es ernst für Thomas Tuchel. Schließlich geht es jetzt in die entscheidende Phase der Champions-League-Saison. Das Achtelfinal-Hinspiel steht für Paris St. Germain an diesem Dienstagabend an. Und Tuchels Team muss bei Manchester United antreten. "Wir sind doch nicht dumm. Wir denken an Manchester. Ich habe mir Videos angeschaut von Manchester. Das Wichtigste ist aber, das entspannt anzugehen", sagte der deutsche Fußballehrer in Diensten der Pariser vor der Partie.

Der 45-Jährige weiß um die Bedeutung dieser Partie. Denn eigentlich geht die Saison für Paris St. Germain erst jetzt so richtig los. Die französische Meisterschaft ist nur ein Beiwerk, um das Starensemble um den Brasilianer Neymar und den Franzosen Kylian Mbappé in Form zu bringen und bei Laune zu halten. Zu souverän beherrscht Paris den Rest der Liga. Zehn Punkte Vorsprung haben sie auf die Konkurrenz, erst eine Niederlage mussten sie hinnehmen.

Sehr teurer Spielerkader

Es ist seit Jahren das erklärte Ziel des französischen Spitzenklubs, die europäische Königsklasse zu gewinnen. Die katarischen Eigner um den Präsidenten Nasser Al-Khelaifi haben enorm investiert. In den vergangenen vier Spielzeiten haben die Pariser Spieler im Wert von rund 705 Millionen Euro verpflichtet. Demgegenüber standen Einnahmen aus Spielerverkäufen von rund 291 Millionen Euro. Der derzeitge Marktwert des Paris-Kaders beläuft derzeit auf rund 912 Millionen Euro. 

Im Vergleich dazu: Der deutsche Branchenprimus FC Bayern hat im selben Zeitraum Spieler für insgesamt rund 285 Millionen Euro erworben (Einnahmen aus Spielerverkäufen: rund 201 Millionen Euro). Der aktuelle Markwert des deutschen Rekordmeisters beträgt rund 745 Mio.Euro (Quelle: transfermarkt.de)

Tuchel soll jetzt richten, was seine namhaften Vorgänger wie Carlo Ancelotti, Laurent Blanc und zuletzt Unai Emery nicht gelungen war: Den Henkelpott in die französische Hauptstadt zu holen. Doch davon war das Team bislang meilenweit entfernt, ist trotz der immensen Investitionen regelmäßig kläglich gescheitert. Über das Viertelfinale des Wettbewerbs ist Paris St. Germain bislang nicht hinausgekommen.

Neue Lockerheit?

Paris-Präsident Nasser Al-Khelaifi (l.) und Thomas Tuchel

Tuchel soll dieses Kunststück nun gelingen. Sein Umgang mit den Stars wechselt zwischen freundschaftlich und autoritär. Zuletzt war Tuchel auch auf der Geburtstagsparty von Neymar zu Gast, der seinen 27. Jahrestag ganz mondän auf den Champs Elysée unter dem Motto "Rot" feierte. Der in Deutschland oft als guter Trainer aber auch als schwieriger und verschlossener Mensch beschriebene Tuchel scheint in Paris eine neue Lockerheit auch außerhalb des Platzes gefunden zu haben. Auch der Coach erschien dem Motto entsprechend in einem roten Sakko.

Sportlich läuft es bislang rund bei Tuchel und seinem Team. Doch ausgerechnet in dieser entscheidenden Saisonphase muss der Coach auf Offensivgenie Neymar (Mittelfuß), Torjäger Edison Cavani (Hüftverletzung) und Abwehrspezialist Thomas Meunier (Gehirnerschütterung) verzichten, was die Aufgabe gegen das Team aus Manchester nicht gerade leichter macht. Die Champions League ist auch der Maßstab für den Deutschen, der in Frankreich bislang sehr gut ankommt. Das liegt wohl auch daran, dass Tuchel seine öffentlichen Auftritte stets in seinem mittlerweile sehr gutem Französisch bestreitet und seine Auftritte eloquent absolviert.

Doch bei aller Sympathie, die Tuchel entgegen gebracht wird: Auch für ihn ist das Abschneiden in der Champions League von elemantarer Bedeutung, will er sein Werk in Paris noch perspektivisch fortsetzen. 

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