Festnahmen nach Angriff auf Oppositionspolitiker in der Türkei

Auf einer Beerdigung wird der CHP-Politiker Kemal Kilicdaroglu von einer aufgebrachten Menge bedrängt. Einer der nun verhafteten Angreifer soll Mitglied der Regierungspartei AKP sein. Das erhöht den Druck auf Erdogan.

Nach einem Angriff auf den türkischen Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hat die Polizei sechs Verdächtige festgenommen, wie der türkische Fernsehsender NTV berichtet. Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich demnach um ein Mitglied der regierenden AKP-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er wurde in der anatolischen Stadt Sivrihisar festgenommen und in die Hauptstadt Ankara gebracht.

Der Mann wurde zunächst nur bei seinen Initialen O. S. genannt, später aber von Erdogans Partei als Osman Sarigun identifiziert. Die AKP teilte mit, gegen das Parteimitglied sei ein Ausschlussverfahren eingeleitet worden. Bereits zuvor hatte der AKP-Parteisprecher Omer Celik die Tat verurteilt. Die AKP sei "gegen jede Form von Gewalt".

Die acht anderen Verdächtigen wurden am Montag bereits in einer Polizeiwache in Cubuk, einem Vorort von Ankara, befragt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Der Angriff sorgt im Internet für große Empörung. Ein Video wurde unter dem Hashtag #KilicdarogluYalnizDegildir (Kilicdaroglu ist nicht allein) vielfach in den Online-Netzwerken geteilt.

AKP unter Druck

Der 70-jährige Kilicdaroglu, der Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP) ist, war am Sonntag auf der Beerdigung eines Soldaten in Cubuk von einer Menschenmenge attackiert worden. Leibwächter versuchten, die aufgebrachte Menge zurückzudrängen, und brachten den Oppositionspolitiker schließlich in ein Haus. Von dort aus wurde er in einem gepanzerten Fahrzeug in Sicherheit gebracht.

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DW Nachrichten | 22.04.2019

Imamoglu: "Die Verantwortlichen müssen bestraft werden"

Der Angriff auf den CHP-Politiker ereignete sich drei Wochen nach den Kommunalwahlen in der Türkei, bei der die regierende AKP-Partei sowohl in Ankara als auch in Istanbul den Bürgermeisterposten an Kandidaten der CHP abgeben musste. Der Verlust von Istanbul ist für Erdogan und seine Partei bitter, da die 16-Millionen-Metropole das kulturelle und wirtschaftliche Herz der Türkei ist. Zudem stammt Erdogan selbst vom Bosporus und begann dort 1994 seine politische Karriere als Bürgermeister.

Präsident Erdogan hatte Kilicdaroglu im Wahlkampf mehrfach vorgeworfen, die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu unterstützen, und bei seinen Auftritten Videos des Oppositionsführers gezeigt.

lh/sti (dpa, afp)

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