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Ribéry: "Hoeneß war unglaublich"

Barbara Mohr
18. Mai 2019

Vor seinem Abschied beim FC Bayern München blickt Franck Ribéry im DW-Interview noch einmal auf seine Zeit in München zurück. Besonders großen Respekt zollt er Uli Hoeneß, den er sogar im Gefängnis besucht hat.

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Fußball FC Bayern München Franck Ribery
Bild: picture-alliance/SvenSimon

Herr Ribéry, zwölf Jahre lang haben Sie das Trikot des FC Bayern München getragen. Gibt es einen Moment, an den Sie besonders gerne zurückdenken?

Ich glaube, alle wissen, dass 2013 die beste Saison für uns war. Was wir da geschafft haben! Das Jahr davor war richtig schwierig, weil wir in der Bundesliga nur Zweiter geworden sind und dann im Pokal und auch im Champions-League-Finale zu Hause gegen Chelsea verloren haben. Das war ein richtiger Schlag, brutal. Das hat weh getan. Ich weiß gar nicht, wie wir dann nach der Sommerpause wieder Kraft gefunden haben. Aber dann haben wir ein Jahr später alle Titel gewonnen, auch den Super Cup gegen Chelsea in Prag. Und ich war bester Spieler Europas. Das war fantastisch.

Sie hatten ja zwischendurch auch andere Angebote. Wie bayerisch sind Sie inzwischen?

Mir gefällt hier das Leben, mir gefällt die Mentalität, wie die Leute funktionieren. Als ich ankam, habe ich sofort einen typischen Ausdruck gelernt: "Schaun mer mal". Dann das Oktoberfest, das ist eine schöne Tradition, eine sehr besondere Zeit, in der viele Menschen nach München kommen.

"Hoeneß ist ein Mensch mit Herz"

In Ihrer Münchner Zeit haben Sie nicht nur Deutschland und Bayern, sondern auch viele Menschen, Trainer, Mitspieler kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet. Wer hat Sie besonders geprägt? 

Ich muss mit Uli Hoeneß anfangen. Diesen Mann werde ich in meinem Leben niemals vergessen. Was er für mich getan hat, war unglaublich. Er war immer für mich und meine Familie da, hat alles gemacht und war oft auch mit uns unterwegs oder bei uns zu Besuch. Manchmal habe ich mir nach einem Spiel noch mal auf Video meine Tore angeschaut. Uli Hoeneß saß am Anfang immer auf der Bank, und im Video habe ich gesehen, wie er auf meine Aktionen reagiert hat. Das ist unglaublich. Er ist ein Mensch mit Herz, der immer möchte, dass es seinen Spielern und dem Klub gut geht.

FC Bayern München Frank Ribéry & Uli Hoeneß
Großer Respekt für den Klub-Chef: Frank Ribéry schätzt Uli Hoeneß (r.) sehrBild: picture-alliance/Sven Simon/O. Haist

Welche Empfindungen haben Sie, wenn Sie an Uli Hoeneß denken? 

Ich hatte auch schwierige Phasen in meinem Leben, wenn ich zum Beispiel verletzt war. Was auch immer ich in meiner Karriere gemacht habe, Uli Hoeneß war immer für mich da, hat immer mit mir geredet, mich aufgebaut. Er war für mich wie ein Vater. Wir haben eine "relation speciale". Als er im Gefängnis war, habe ich ihn dann besucht. Ich wollte das unbedingt, mir war das wichtig.

Und wie war das, ihn da so zu sehen?

Es war schwer für mich und tat auch weh. Ich habe ihn gefragt: 'Wie kann ich dir helfen? Was kann ich machen? Sag deiner Frau, dass ich für euch da bin.' Denn so ist das bei uns. Wir sind eine Familie. Uli hat eine sehr sympathische Frau. Meine Frau liebt sie auch. Und jetzt schau: Er ist wieder hier. Uli hat so viel gemacht für die Bayern. Er liebt seinen Klub.

Unter Heynckes zum besten Spieler Europas

Jupp Heynckes war auch wichtig für Sie, glaube ich?

Ja! Jupp ist auch eine große Persönlichkeit, ein großer Trainer. Er hat so viel Erfahrung. Er weiß, was seine Spieler brauchen und was er mit ihnen machen muss. Meine beste Zeit war mit ihm hier. Ich war bester Spieler Europas mit ihm. Was wir zusammen gemacht und gewonnen haben, werde ich nie vergessen. Ein Beispiel: Als er letzte Saison zu uns gekommen ist, war ich seit fast drei Monaten am Knie verletzt. Er hat sofort mit mir geredet und gesagt: 'Du musst gut arbeiten, dann kommst du zurück, kein Problem.'

Als ich gerade wieder zurück in der Mannschaft war, sollten wir drei Tage später zuhause gegen Paris St. Germain spielen. Jupp kam zu mir und sagte: ,Du wirst spielen, und du bist Kapitän.' Nach drei Monaten Verletzung! Er sagte: ,Ich weiß, dass du gegen ein französisches Team besonders motiviert bist, ich kenne dich.' Es sind diese kleinen Dinge, Details, die aber sehr wichtig sind. Er kennt sie, und das werde ich ihm nicht vergessen.

Haben Sie eine besondere Motivation, wenn Sie gegen eine französische Mannschaft spielen?

Natürlich, das ist immer speziell, weil ich Franzose bin. Vor allem aber war ich bereit. Ich hatte viel Energie, viel Power, viel Kraft. Ich habe eine Stunde gespielt, dann wurde ich ausgewechselt, und wir haben 3:1 gewonnen. Das war schön.

Da sind also zwei Menschen, zu denen Sie aufgeschaut haben, die Ihnen viel geholfen haben. Und dann ist da Ihr Mitspieler David Alaba. Der ist vielleicht eher so etwas wie Ihr Sohn?

Fußball Bundesliga FC Bayern München Spieler Franck Ribery
Sie haben eine besondere Beziehung: Franck Ribéry (l.) und David AlabaBild: Getty Images/Bongarts/J. Simon

Mein Sohn vielleicht nicht, aber so etwas wie mein kleiner Bruder, ja. Ich habe David kennengelernt, als er hier bei den Bayern noch im Internat war. Da war er 15 oder 16 Jahre alt, glaube ich. Die Jungs durften nicht alleine ausgehen. Da war immer eine Frau, die auf sie aufgepasst hat. Aber mit mir hat sie die Jungs gehen lassen. Wir waren dann ein bisschen in der Stadt unterwegs.

Sie haben auf David Alaba aufgepasst?

Wir haben nur ein bisschen zusammen gegessen und sind dann wieder hierher zurück. Als David dann später angefangen hat, mit uns zu trainieren, habe ich ihm gut zugeredet: ,Alles gut, Junge, du machst das schon. Und ich bin da. Kein Problem.' Das war auch für ihn schön. Wenn die Jungs zu uns Profis kommen, ist das nicht einfach. Nicht, dass sie richtig Angst haben, aber manchmal gibt es ein bisschen Stress, und die Jungs sind nervös. David und ich sind schon lange zusammen. In der Kabine sind unsere Plätze nebeneinander. Wie er sich bis jetzt gemacht hat, ist unglaublich. Für mich ist David einer der besten Spieler auf seiner Seite.

Und wie man hört, machen Sie auch sehr viel Blödsinn zusammen.

Ja, ich liebe Späße. Gute Stimmung in der Kabine, mit der Mannschaft - wir brauchen das. Wenn wir schon jeden Tag zusammen sind, müssen wir es uns auch ein bisschen nett machen. Wenn ich zur Physio reinkomme, bin ich einfach locker und mache ein bisschen Quatsch. Aber deshalb ist es jetzt natürlich auch schwer, wenn ich gehe. Für die ganze Mannschaft, auch das Personal, die Fitnesstrainer, da wird sicher etwas fehlen. Ich habe sie schon sagen hören: 'Wie kann das werden ohne dich?' Ich glaube, viele Leute sind traurig. Aber das ist Fußball, das ist das Leben.

Franck Ribery und Arjen Robben
Die beste Flügelzange der Welt: "Robbery" - Arjen Robben (l.) und Franck RibéryBild: picture-alliance/dpa/P. Powell

Ein weiterer sehr guter Spieler an Ihrer Seite ist zweifellos auch Ihr kongenialer Partner Arjen Robben. Was verbindet Sie beide?

Als Robben nach München gekommen ist, haben wir gleich drei Tage später gegen Wolfsburg gespielt, und ich hatte sofort ein gutes Gefühl mit ihm zusammen auf dem Platz. Alles haben wir zusammen gewonnen, das ist schön. Was Robben in seiner Karriere gemacht hat, ist unglaublich. Er hat viel Erfahrung, in seinem Leben auch große Klubs kennengelernt. Was ich zu ihm sagen kann? Er arbeitet viel, jeden Tag, ein richtiger Profi und in meinen Augen auch ein großes Vorbild für unsere Jungs. Jetzt sind wir vielleicht noch zehn Tage zusammen. Das ist schade und tut weh. Die Leute nennen uns ,Robbery'. Das ist ein super Name. Sie werden nicht vergessen, was wir zwei gemacht haben. Das bleibt ein ganzes Leben.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Ich weiß nicht. Ich weiß, dass ich noch Fußball spielen will, ich weiß nicht wo. Ich habe noch keinen richtigen Plan.

Der französische Mittelfeldspieler Franck Ribéry kam 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern München - für rund 25 Millionen Euro. Zu dem Zeitpunkt war das der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte. Nach zwölf Jahren und 273 Bundesliga-Spielen beendete der dribbelstarke Mittelfeldspieler am Samstag seine Karriere in München. Am kommenden Samstag tritt er im allerletzten Spiel für die Münchener beim DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig an.

Das Interview führte Barbara Mohr.