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Literatur

Frauenpower beim Leipziger Buchpreis

13. April 2021

Die Buchmesse wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt, der Leipziger Buchpreis nicht. Die Jury präsentierte jetzt ihre Favoriten: viele erfahrene Stimmen.

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Leipziger Buchpreis - die nominierten Bücher in einem Stapel
Diese Bücher sind für den Leipziger Buchpreis nominiertBild: Messe Leipzig

Belletristik, Sachbuch und Übersetzung: In drei Kategorien wird am 28. Mai 2021 der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben, anders als beim konkurrierenden Deutschen Buchpreis, bei dem es alljährlich kurz vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober ausschließlich um den "Roman des Jahres" geht. Wie im vergangenen Jahr ist die Leipziger Buchmesse wegen der Coronapandemie abgesagt, das Gastland Portugal auf 2022 vertröstet. Die Preise werden aber - wie 2020 - auch dieses Jahr vergeben, eingebettet in ein über die Stadt verteiltes Programm aus Lesungen und Diskussionen. Sein Titel: ″Leipzig liest extra".

Auch beim Leipziger Buchpreis gilt die Aufmerksamkeit nun zuallererst den fünf Titeln der schönen Literatur. Gibt es Überraschungen? Skandalträchtiges? Wie steht es um das Männer-Frauen-Verhältnis, wie mit der Diversität? Auch solche Fragen richten sich an die neue Shortlist der siebenköpfigen Jury unter Leitung des Literaturkritikers Jens Bisky.

Gruppenbild der Jury zum Leipziger Buchpreis
Die Jury zum Leipziger Buchpreis (v.l.) Andreas Platthaus, Anne-Dore Krohn, Katharina Teutsch, Katrin Schumacher, Jens Bisky, Marc Reichwein, Tobias LehmkuhlBild: Tobias Bohm/Messe Leipzig

Das Ergebnis überrascht tatsächlich, denn weibliche Stimmen dominieren die Shortlist klar: Vier Autorinnen steht ein einziger männlicher Autor gegenüber. Wieder hat sich - diesmal mit Friederike Mayröckers ″da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" - ein Lyrikband unter die Belletristik-Nominierungen gemischt. Die 96-jährige Wiener Dichterin schöpft aus der Fülle eines langen literarischen Lebens: "In meinen Träumen bin ich jung, in meinen Träumen bin ich high" zitiert sie der Suhrkamp Verlag.

Viele Fragen nach dem eigenen Sein

Iris Hanikas "Echos Kammern" (Literaturverlag Droschl) wurde ebenso nominiert wie Judith Hermanns "Daheim" (S.Fischer Verlag). Während Hanika einen Liebes- und New-York-Roman vorgelegt hat, erzählt Judith Hermann von einem Aufbruch: "Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden", notiert ihr Verlag. Die 81-jährige Ostberlinerin und Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert taucht in ihrem "Vom Aufstehen: Ein Leben in Geschichten" (dtv) tief in ihre DDR-Vergangenheit ein, indem sie ihrer frostigen Mutter ein literarisches Denkmal setzt. Der Schweizer Autor Christian Kracht hingegen hat mit "Eurotrash" (Kiepenheuer & Witsch) einen Dekonstruktionsroman geschrieben, in dem Leid und Spiel, Authentizität und Spiegelfechterei, Mystifikation und Aufklärung ineinandergreifen.

Drei Kategorien: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung

Die Schriftstellerin Helga Schubert
Die Bachmann-Preis-Gewinnerin Helga Schubert ist auch für den Leipziger Buchpreis nominiertBild: picture-alliance/dpa/ORF

"Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Diese Fragen ziehen sich durch zahlreiche Bücher des Pandemie-Jahrgangs", berichtete der Juryvorsitzende Bisky. "Es gibt offenkundig ein starkes Bedürfnis, sich darüber auszutauschen." Das bestätigt auch Katrin Schumacher: "Die Bücher beschäftigen sich mit der Identität und behandeln auch die Fragen: Was ist die Marke Deutschland und was bedeutet mir meine Heimat?" 

Am 28 Mai werden die Preisträger auf der Leipziger Buchmesse gekürt. Die Jury hatte ihre Auswahl aus 389 deutschsprachigen Neuerscheinungen auszuwählen, eingereicht von 132 Verlagen, etwas weniger als im Vorjahr. Insgesamt wird in den drei Kategorien ein Preisgeld von 60.000 Euro vergeben. Die 15 Nominierten bekommen jeweils 1000 Euro, jeder der drei Sieger erhält noch einmal 15.000 Euro dazu.

Das sind die Nominierten 2021 im Überblick:

Belletristik

  • Iris Hanika: Echos Kammern (Literaturverlag Droschl, 2020)
  • Judith Hermann: Daheim (S. Fischer Verlag, 2021)
  • Christian Kracht: Eurotrash (Kiepenheuer & Witsch, 2021)
  • Friederike Mayröcker: da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete (Suhrkamp Verlag, 2020)
  • Helga Schubert: Vom Aufstehen: Ein Leben in Geschichten (dtv, 2021)

Sachbuch / Essayistik

  • Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung (Matthes & Seitz Berlin, 2020)
  • Dan Diner: Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935 – 1942 (Deutsche Verlags-Anstalt, 2021)
  • Michael Hagner: Foucaults Pendel und wir. Anlässlich einer Installation von Gerhard Richter (Verlag Walther König, 2021)
  • Christoph Möllers: Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik (Suhrkamp Verlag, 2020)
  • Uta Ruge: Bauern, Land: Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang (Verlag Antje Kunstmann, 2020)

Übersetzung:

  • Ann Cotten: übersetzte aus dem Englischen "Pippins Tochters Taschentuch" von Rosmarie Waldrop (Suhrkamp Verlag, 2021)
  • Sonja Finck und Frank Heibert: übersetzten aus dem Französischen (Québec) "Der große Absturz. Stories aus Kitchike" von Louis-Karl Picard-Sioui (Secession Verlag für Literatur, 2020)
  • Hinrich Schmidt-Henkel: übersetzte aus dem Norwegischen "Die Vögel" von Tarjei Vesaas (Guggolz Verlag, 2020)
  • Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren: übersetzten aus dem Englischen "USA-Trilogie. Der 42. Breitengrad / 1919 / Das große Geld" von John Dos Passos (Rowohlt Verlag, 2020)
  • Timea Tankó: übersetzte aus dem Ungarischen "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" von Miklós Szentkuthy (Die Andere Bibliothek, 2020)