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Gefürchtete philippinische Terrorgruppe geschwächt

Ronald Meinardus, Manila15. März 2005

Bei der blutigen Niederschlagung einer Gefängnisrevolte nahe Manila sind führende Köpfe der gefährlichsten philippinische Terror-Gruppe Abu Sayyaf ums Leben gekommen. Die Regierung in Manila feiert das als Erfolg.

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Gefängnis-Revolte beendetBild: AP

Insgesamt sollen 22 inhaftierte Mitglieder der radikalislamischen Terrorgruppe Abu Sayyaf getötet worden sein. Die Regierung beeilte sich, den Vorgang als militärische Großtat zu feiern. Die Terroristen hätten bekommen, was ihnen zusteht, sagte Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo. Nach dem blutigen Ende der Gefängnisrevolte regten sich indes auch kritische Stimmen: Vorgeworfen werden der Regierung zum einen Versäumnisse bei der Bewachung des Gefängnisses; tatsächlich war es nicht das erste Mal, dass einsitzende Muslim-Rebellen Gefängniswärter überwältigten. Zum anderen wird das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte angeprangert. Offensichtlich sind zahlreiche nicht an dem Aufstand beteiligte Gefängnisinsassen bei der Erstürmung getötet wurden.

Gefängnis-Revolte in Manila Philippinen
Polizei erstürmt Gefängnis in Manila nach RevolteBild: AP

Zu den namentlich genannten Opfern zählen Abu Sayyaf-Kämpfer, die in der Vergangenheit an Entführungen von Ausländern beteiligt waren und im Zuge auch jenseits der philippinischen Grenzen zu eher zweifelhaftem Ruhm gekommen waren. Wie die Polizei mitteilte, ist unter den Toten auch der unter dem Pseudonym "Commander Robot" bekannt gewordene Galib Andang, der Anführer jenes Abu-Sayyaf-Kommandos, das vor fünf Jahren eine Gruppe westlicher Touristen - darunter auch die deutsche Familie Wallert - entführt und wochenlang in Gefangenschaft gehalten hatte.

Keine Entführungen mehr

Losgelöst von der hohen Opferzahl ist der Ausgang der Revolte ein politischer Sieg für die philippinische Regierung. Das Scheitern der kurzlebigen Rebellion und die Tötung von inhaftierten Anführern der Rebellen-Gruppe können zudem als Rückschlag für die Abu Sayyaf gewertet werden.

Diese Gruppierung gilt auf den Philippinen nicht von ungefähr als die gefährlichste Terrororganisation. "Abu Sayyaf ist für eine Reihe von Terroranschlägen verantwortlich, so auch für den Bombenanschlag gegen das Fährschiff SuperFerry im Februar 2004, bei dem über einhundert Menschen getötet wurden", sagt der US-Amerikaner Zacharias Abuza, der wie kaum ein anderer die Verästelungen und Verstrickungen des Terrorismus auf den Philippinen studiert hat.

Zacharias Abuza weist auf einige Veränderungen in der Taktik und Strategie der Terrorgruppe hin: Zum einen verzichte sie inzwischen auf Entführungen. Zum anderen habe die Gruppe das Operationsgebiet auf das gesamte Land ausgeweitet. Früher operierte Abu Sayyaf, die dem Bekunden nach für die Einrichtung eines islamischen Gottesstaates in den Philippinen kämpft, ausschließlich von Stützpunkten in Mindanao im Süden des Landes.

Terrorgruppen mit unterschiedlichen Ansätzen

Terrorismus-Experten führen diesen Wandel auf den Einfluss der regional operierenden Terrororganisation Jemaah Islamiya (JI) zurück, die ihre Wurzeln im benachbarten Indonesien hat. Die philippinische Insel Mindanao mit ihrer großen muslimischen Bevölkerungsgruppe ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für JI. Nach Auskunft von Sidney Jones, einer guten Kennerin der Jemaah Islamiya, bilden JI und Abu Sayyaf in Mindanao gemeinsam ihre Kämpfer aus.

Die militante und gewaltbereite Muslim-Opposition auf den mehrheitlich katholischen Philippinen ist seit Jahren zersplittert. Neben der Abu Sayyaf, die auf der US-Liste der geächteten Terrororganisationen steht, sind vor allem die "Moro National Liberation Front" (MNLF) sowie die "Moro Islamic Liberation Front" (MILF) zu nennen. Anders als die Abu Sayyaf haben diese beiden Gruppen auf verschiedenen Ebenen mit der Regierung in Manila verhandelt und somit eine gewisse Legitimität erreicht. Die MNLF hatte in den 1990er Jahren ein Friedensabkommen mit der Regierung geschlossen, das im Kern eine begrenzte Autonomie für die Moslems im Süden der Philippinen vorsieht. Dieses Modell hat indessen nur bedingt die Akzeptanz in der muslimischen Bevölkerung gefunden. Das hat zu einer Stärkung der eher islamistisch ausgerichteten MILF geführt.

Seit Monaten finden zwischen der Regierung und der MILF Gespräche mit dem Ziel der Aufnahme von förmlichen Friedensverhandlungen statt. Angesichts einer neuen Welle von Terroranschlägen im Februar dieses Jahres, zu der sich die Abu Sayyaf-Gruppe bekannte, ist die Regierung derzeit wenig an einem politischen Dialog interessiert. Die Präsidentin setzt auf die militärische Lösung. Der Oberbefehlshaber der philippinischen Streitkräfte General Efren Abu umreißt die Strategie wie folgt: "Wir haben Fortschritte gemacht in unserer Geheimdiensttätigkeit. Hin und wieder schnappen wir einige von ihnen, nicht alle auf einmal, doch wir glauben, sie sind auf der Flucht."