Ghana: Drohnen bringen Medikamente

Eine US-Firma hat in Ghana die Medikamentenversorgung per Drohne aufgebaut. Rund die Hälfte der Bevölkerung - vor allem auf dem Land - kann jetzt versorgt werden. Präsident Nana Akufo-Addo ist begeistert.

Eine Schwangere braucht nach der Geburt eine lebensrettende Bluttransfusion. Doch bis zum nächsten Krankenhaus ist es ein weiter, mühsamer Weg. In solchen Situationen sollen in weiten Teilen Ghanas Drohnen als Lebensretter aushelfen. In dem westafrikanischen Staat nimmt der bislang größte medizinische Drohnen-Dienst den Betrieb auf. "Niemand in Ghana sollte sterben, weil im Notfall die nötige Medizin nicht zu bekommen ist", erklärte Präsident Nana Akufo-Addo zum Start des Projektes.

Drohnen sind bis zu 110 km/h schnell

Rund 120 der unbemannten Flugobjekte des kalifornischen Unternehmen Zipline werden künftig rund um die Uhr mit einer Fluggeschwindigkeit von etwa 110 Stundenkilometern Impfstoffe und Medikamente liefern. Aus vier Logistikzentren sollen so rund 2000 Gesundheitszentren beliefert werden, in deren Einzugsgebiet rund zwölf Millionen Menschen leben. Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung. "Damit machen wir einen großen Schritt, um allen Menschen im Land Zugang zu lebensrettenden Medikamenten zu gewähren", erklärte Akufo-Addo bei der Eröffnung des Logistikzentrums in Omenako. 

Eine Mitarbeiterin packt Medikamente für den Drohnen-Transport

So funktioniert es: Wenn Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums rasch Nachschub, eine Blutkonserve, einen Impfstoff oder ein seltenes Medikament benötigen, können sie es per SMS beim Logistikzentrum bestellen. Nach durchschnittlich 30 Minuten soll dann eine Drohne herbeischweben, die knapp zwei Kilogramm Ladung tragen kann. Die Drohne wirft ihre durch einen Fallschirm gesicherte Last dann in geringer Höhe an einem festgelegten Ort ab.

Impfstoffe sind teuer und müssen kühl gelagert werden

Ein Mitarbeiter an der Abschussrampe für die Drohnen

Der Chef der weltweiten Impfallianz Gavi, Seth Berkley, ist begeistert: "Das Drohnenprojekt umfasst zum Beispiel die Tollwutimpfung, weil man nicht vorhersehen kann, wann es zu Bissen kommt. Genauso ist es bei einem Gegengift für Schlangenbisse", sagt er. "Wenn jemand von einem tollwütigen Tier gebissen wird, stirbt die Person ohne raschen Zugang zu einer Impfung." Der Impfstoff sei jedoch kostspielig und müsse stets kühl gelagert werden. Aus diesem Grund sei er nicht in jedem kleinen Gesundheitszentrum vorrätig, sagte Berkley.

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Drohnen haben Ersatzmotor an Bord

Die batteriebetriebenen Drohnen sollen selbstständig entlang programmierter Koordinaten fliegen. Hin und zurück können sie nach Angaben des Betreibers Zipline maximal 160 Kilometer in der Luft bleiben. An jedem Logistikzentrum gibt es demnach einen Fluglotsen, der gleichzeitig die Flüge von bis zu 30 Drohnen im Blick behalten kann. Ein Zentrum kann damit einer Fläche von rund 20.000 Quadratkilometern versorgen - das entspricht der Größe Hessens. Sollte ein Drohnenmotor mal versagen, ist noch ein zweiter eingebaut. Und wenn der versagt, sorgt ein Fallschirm immerhin für eine sanfte Landung.

Zipline betreibt in Ruanda seit Oktober 2016 bereits einen ähnlichen, wenn auch kleineren Dienst medizinischer Drohnen. Diese seien dort bereits rund eine Million Kilometer geflogen, erklärte die Firma.

nob/kle (dpa, epd)

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