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Gigantischer Drei-Schluchten-Damm fertig

Erning Zhu20. Mai 2006

Der Drei-Schluchten-Damm in China, weltweit der größte seiner Art, war von Anfang an von heftiger Kritik begleitet. Nach 13 jähriger Bautätigkeit ist das Werk am Jangtse nun endlich vollendet.

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Die Einweihung des größten Wasserkraftwerks der WeltBild: AP

Das ist ein gewaltiges Projekt. Sun Yat-sen hat von ihm geträumt, die Regierung der Republik China hat mit der Planung begonnen, konnte aber wegen des Bürgerkrieges nichts für seine Verwirklichung tun. Dann hat Mao Zedong zwar den Wunsch aber nicht den Mut gehabt, das Projekt zu wagen, weil ihm die Kosten zu unermesslich schienen. Nun ist das Werk tatsächlich vollendet - 9 Monate früher als geplant. Neben der Großen Mauer ist es das zweite auch aus dem Weltall sichtbare Bauwerk. Der Drei-Schluchten-Damm am Yangtse-Fluss soll China mit sauberer Energie versorgen. Er wird dem Land 50 Millionen Tonnen Kohle jährlich ersparen oder rund 18 Atomkraftwerke ersetzen.

Das alles klingt sehr verlockend. China braucht für seine rasante Wirtschaftsentwicklung immer mehr Energie. Energiepolitik ist daher ins Zentrum der Staatspolitik des Riesenreichs gerückt. Aber nicht nur China, auch in anderen Teilen der Welt, gehört der Bau von Staudämmen zu den bedeutendsten Infrastrukturinvestitionen der jeweiligen Länder. Nach einem Bericht von WCD (World Commission of Dams) wird rund die Hälfte aller großen Flüsse der Welt mindesten durch einen großen Damm gestaut. 45.000 Staudämme mit mehr als 15 Metern Höhe sind in Betrieb, Tausende weitere befinden sich in Bau. Weltweit wird etwa 20 Prozent der Energie durch Wasserkraft erzeugt. 24 Staaten, darunter Brasilien, der Kongo, Sambia und Norwegen, gewinnen sogar über 90 Prozent ihres Energiebedarfs aus Wasserkraft.

Der Preis des Fortschritts

China Drei Schluchten Staudamm ist fertig
Chinas PrestigeprojektBild: AP

Der Preis ist hoch. Schätzungsweise 80 Millionen Menschen mussten für den Bau von Staudämmen ihren Wohnort verlassen - die meisten von ihnen ohne angemessene Entschädigung. Hier setzt auch einer der Hauptkritikpunkte gegen den Drei-Schluchten-Damm an. Einer Reportage in der chinesischen Tageszeitung "Südliche Hauptstadt" zufolge erhielt beispielsweise ein älteres Ehepaar insgesamt umgerechnet 2000 Euro (20000 Yuan) als Entschädigung für die erzwungene Umsiedlung. Das reicht aber bei weitem nicht aus, um ein neues Zuhause in der Fremde zu gründen. Es waren mehr als 1 Million Menschen, die das Projekt am Yangtse aus ihrer Heimat vertrieben hat.

Cao Guangjing, Vizepräsident der für den Bau verantwortlichen Gesellschaft, hat hervorgehoben, dass der Damm das gefürchtete Hochwasser am Oberlauf des Flusses bändigen kann. Allein im vergangenen Jahrhundert haben 140.000 Menschen bei Überschwemmungen am Yangtse ihr Leben verloren. Dieses Kapitel soll nun mit der Fertigung des Werks für immer der Vergangenheit angehören.

Nicht nur das Leben der Menschen ist nun sicherer, der Staudamm selber genügt seinerseits allerhöchsten Sicherheitsstandards. Er kann sogar einem Erdbeben der Stärke 7.0 nach der Richter-Skala problemlos widerstehen. Soldaten verteidigen ihn gegen Terroranschläge rund um die Uhr, so dass auch konventionelle Angriffe gegen das Bauwerk keinen großen Schaden anrichten können. Auch im Fall eines Atomangriffs bleibt das Projekt nicht schutzlos. Die gesamten 22 Milliarden Kubikmeter Wasser können in wenigen Tagen entleert werden. Aber wohin mit dem vielen Wasser? Diese Frage blieb bislang ohne Antwort.

Das schlimmste Szenario wäre die Zerstörung des Dammes selbst. Die Behörden behaupten zwar, die freiwerdenden Fluten könnten auf keinen Fall bis nach Schanghai vordringen. Möglicher Schaden bliebe daher begrenzt. Wie aber steht es mit den anderen großen Städten am Fluss wie Wuhan, Nanjing und zahlreiche andere?

Diese Sorgen beschäftigen zur Zeit die Ingenieure und Arbeiter auf der Baustelle freilich nicht. Erst einmal wollen sie ihre architektonische Meisterleistung feiern. In ihren Augen haben sie einen großen Etappensieg errungen, denn das Finale steht noch aus. Erst 2009 werden alle 26 Turbinen, die meisten aus Deutschland geliefert, in Betrieb gehen. Dann wird am Yangtse Strom mit einer Gesamtleistung von 85 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr produziert – ein Fünftel des gegenwärtigen gesamten Energieverbrauchs in China.