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goEast Filmfestival: Filmische Frauenpower

Jochen Kürten
26. April 2017

Frauen auf dem Regiestuhl - ihnen gilt die Aufmerksamkeit des 17. Filmfestival für mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden. Folgerichtig ist die Grande Dame des ungarischen Films diesjähriger Ehrengast.

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Filmstill Chemi Bednieri Ojakhi / Meine glückliche Familie
Eine Dame verschwindet: Szene aus dem Eröffnungsfilm "Meine glückliche Familie"Bild: goEast

Die Berlinale hatte sie erst jüngst ins Blickfeld gerückt: Regisseurinnen aus Osteuropa. Der Goldene Bär war zum Ende der Berliner Filmfestspiele an die Ungarin Ildikó Enyedi für ihren Film "Testről és lélekről" ("On Body and Soul") verliehen worden. Dazu konnte Agnieszka Holland aus Polen einen Silbernen Bären mit nach Hause nehmen, ebenso die rumänische Cutterin Dana Bunescu. Ein Triumph für die Frauen auf dem Regiestuhl, ein Triumph des Kinos Mittel- und Osteuropas.

Großmutter in der Hauptrolle

Das Kino aus dieser Region hat es in den vergangenen Jahren auf internationalen Festivals nicht immer leicht gehabt - und Frauen als Chefin am Set ist ja bekanntlich ein Thema für sich. Dass es Regisseurinnen schwerer in Sachen Förderung und Produktion haben als ihre männlichen Kollegen, ist unstrittig. Umso wichtiger ist es also, dass Festivals wie das in Wiesbaden ihren Blick auf Bereiche des Kinos richten, die normalerweise nicht so im Mittelpunkt stehen.

Marta Meszaros
Márta Mészáros, ungarische RegisseurinBild: Imago/Pixsell

Die 17. Ausgabe desgoEast-Filmfestivals wurde am 26. April also logischerweise auch von einem Film eröffnet, den eine Frau mitinszenierte: "Meine glückliche Familie" vom Regieduo Nana & Simon. Hinter dem Künstlernamen verbergen sich die georgische Regisseurin Nana Ekvtimishvili und der Deutsche Simon Groß. Sie erzählen in ihrem Film von einer älteren Dame, Mutter zweier erwachsener Kinder, die raus will aus dem Familienheim. Vier Generationen sollen demnächst unter einem Dach wohnen - das ist der älteren Dame zu viel. Sie will noch etwas vom Leben haben - nicht immer nur als Großmama wahrgenommen werden.

Filmischer Kosmos von Márta Mészáros

"Meine glückliche Familie" ist einer von zehn Spielfilmen im diesjährigen Wettbewerb, der von sechs Dokumentationen ergänzt wird. Frauengeschichten finden sich in diesen Filmen oft - wie auch im übrigen Festivalprogramm. Eine besondere Ehre kommt einer anderen großen Regisseurin des osteuropäischen Kinos zuteil. Der Grande Dame des ungarischen Films Márta Mészáros, 86 Jahre alt, ist die diesjährige Hommage gewidmet.

Filmstill -  Tagebuch für meine Lieben, 1987 (Rollstul-Szene)
Ungarischer Alltag: Mészáros' Film "Tagebuch für meine Lieben" von 1987Bild: goEast

Márta Mészáros, 1931 geboren, hat seit 1954 mehr als 60 Filme realisiert. Schaut man auf ihre Lebensgeschichte, wird schnell klar, dass diese Frau viel zu erzählen hat. Als sie fünf Jahre alt war, zogen ihre Eltern in die Sowjetunion. Ihr Vater verschwand spurlos bei den stalinistischen Säuberungen. Ihre Mutter starb kurz darauf in einem Moskauer Krankenhaus. 

Die Schauspielerin wurde von einer ungarischen Pflegemutter aufgezogen, mit ihr kehrte sie 1947 in die Heimat zurück. Nach einem Studienaufenthalt in Moskau begann sie dann in Ungarn zunächst Dokumentationen und später Spielfilme zu drehen. Das Werk dieser filmenden Chronistin ihres Landes wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Berlinale-Kamera.

Man darf auf den Auftritt von Márta Mészáros in Wiesbaden gespannt sein - und auf ihre Meinung zur aktuellen Situation ihres Landes unter Präsident Viktor Orbán.