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Gold soll fair gehandelt werden

21. August 2015

Schon zu Weihnachten könnte Goldschmuck unter dem Weihnachtsbaum liegen, der erkennbar "fair gehandelt" worden ist. Um Ausbeutung und Umweltzerstörung zu verringern, will der Verein Fairtrade Gold zertifizieren.

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Indien Goldschmuck
Bild: Noah Seelam/AFP/Getty Images

"Wir wollen mit der Einführung des Siegels bessere Bedingungen für die Minenarbeiter und ihre Familien erreichen", sagte Claudia Brück vom Vorstand des Vereins Fairtrade dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Kunden können so in Zukunft gezielt nach Schmuck fragen, für dessen Herstellung weder Menschen noch Tiere oder die Umwelt leiden mussten.

Voraussetzung für den Erhalt des Siegels ist laut Brück, dass Gold aus Minen bezogen wird, die bestimmte Standards bei Sicherheit und Umwelt einhalten. Zudem müsse ein Mindestpreis sowie ein Fairtrade-Aufschlag gezahlt werden. "Das heißt momentan, dass Fairtrade 95 Prozent des Londoner Goldpreises sowie 2000 Dollar pro Kilo Gold vorschreibt", ergänzte Brück.

"In der Schweiz und in England ist es bereits auf dem Markt, und wir wollen in Deutschland auch eine entsprechende Lieferkette aufbauen", so Brück gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. "Wir haben schon ein paar Juweliere, die mitmachen wollen, und sind im Gespräch mit großen Importeuren und Scheideanstalten." Bereits zertifiziert seien zwei Goldminen in Peru, die als Kooperativen arbeiteten.

"Die Anonymität aufheben"

Zwar sei der Aufwand für zertifiziertes Gold relativ hoch. "Doch die Probleme der Goldschürfer sind so groß, dass wir uns dafür entschieden haben", sagte Brück. Ihre Lage zu verbessern, sei das Ziel der Initiative. Die Menschen lebten in schwer zugänglichen Gebieten ohne zu wissen, wann sie etwas finden. Sie müssten unter großer Gefahr in Minen arbeiten, die zuvor bereits von Unternehmen ausgebeutet worden seien: "Manche Stollen sind so eng, dass nur Kinder reinpassen." Um das Gold aus dem Gestein zu waschen, stünden die Schürfer stundenlang im Wasser. Und das Quecksilber, mit dem Goldpartikel vom Gestein gelöst werden, vergifte die Menschen und die Umwelt.

Die Idee ist, dass Importeure und Scheideanstalten, in denen das Gold so verarbeitet wird, wie es Juweliere brauchen, den Ankauf selber organisieren und nicht anonym Gold an Börsen aufkaufen. "Damit wird die Anonymität aufgehoben und eine Beziehung hergestellt, so dass Probleme von Importeuren und Produzenten gemeinsam gelöst werden", erläuterte Brück. Für die Kunden ändere sich laut Brück kaum etwas. "Denn der Rohstoffpreis ist nicht entscheidend für den Preis eines Schmuckstücks, sondern Design und Fertigung in Deutschland."

Neue Projekte mit Organisationen in Ostafrika seien derzeit in der Pilotphase, berichtete der Verein. "Wenn heute ein großer Juwelier sagt, ich möchte umsteigen, könnten wird das Gold sehr schnell zur Verfügung stellen", meinte Brück. Laut Fairtrade sind weltweit mehr als 100 Millionen Menschen direkt oder indirekt vom kleingewerblichen Goldabbau abhängig.

dk/wen (epd/afp/dpa)