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Goldener Bär 2012: Cäsar muss sterben

Jochen Kürten10. Juli 2013

Im vergangenen Jahr ist "Cäsar muss sterben" der italienischen Brüder Taviani bei der Berlinale mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden - ein Mix aus Doku und Fiktion in den Mauern eines realen Gefängnisses.

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Szene aus dem film "Cesare deve morire" der Brüder Taviani (Foto: Umberto Montiroli)
Bild: Umberto Montiroli

Es war wohl die ungewöhnliche Mischung, die die Juroren im vergangenen Jahr dazu bewogen haben, "Cäsar muss sterben" mit dem Goldenen Bären auszuzeichnen. In der Tat: Der Film der regieführenden Brüder Paolo und Vittorio Taviani betrat filmisches Neuland. In einem römischen Gefängnis üben eine Handvoll Schauspieler das Shakespeare-Stück "Julius Cäsar" ein. Am Ende kommt es zu einer Aufführung in der Haftanstalt vor Publikum.

Der Clou dabei: Die Darsteller sind tatsächlich Schwerverbrecher mit zum Teil lebenslangen Haftstrafen, das Gefängnis also keine Filmkulisse. Der Theaterregisseur Fabio Cavalli, der schon seit Jahren Bühnenstücke mit Haftinsassen probt und inszeniert, hat das Drama um den Tod Cäsars in der römischen Haftanstalt Rebibbia in Szene gesetzt. Die Tavianis sind mit ihren Kameras gekommen und haben das Ganze aufgenommen.

Herausgekommen ist ein nur 76 Minuten dauernder Film, der vor allem aufgrund dieser ungewöhnlichen Entstehungsweise beeindruckt. Natürlich ist alles inszeniert. Doch mit dem Wissen der Zuschauer, dass es sich hier tatsächlich um verurteilte Schwerverbrecher handelt, bekommt der Film eine zusätzliche Note. "Seit ich die Kunst kennengelernt habe, ist diese Zelle zum Gefängnis geworden", meint am Ende einer der Haftinsassen. Selten zuvor ist einem die Enge einer Gefängniszelle so eindrücklich vor Augen geführt worden.

Paolo und Vittorio Taviani: Cäsar muss sterben, Italien 2012, mit Salvatore Striano, Cosimo Rega, Giovanni Arcuri, Antonio Frasca u.a., 76 Minuten, auf DVD bei Camino Filmverleih erschienen.