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Politik

Haftbefehl gegen Angreifer von Würzburg

26. Juni 2021

Nach dem Mord an drei Frauen in einem Kaufhaus in Würzburg erging gegen einen 24-jährigen Somalier Haftbefehl. Die Ermittler prüfen, inwieweit eine instabile Psyche oder islamistische Motive zur Tat beitrugen.

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Polizisten in der Würzburger Innenstadt
In den Straßen Würzburgs ist auch jetzt sehr viel Polizei präsent Bild: Michael Probst/AP/picture alliance

Einen Tag nach der folgenschweren Messerattacke in der Würzburger Innenstadt suchen Ermittler nach den Hintergründen der Bluttat und dem Motiv des Angreifers. Es müsse jetzt geklärt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg. Die Ermittler gehen nach wie vor von einem Einzeltäter aus. Erschüttert und entsetzt zeigten sich Politiker und Einwohner Würzburgs nach der Bluttat.

Eingang zum Woolworth-Kaufhaus
In diesem Kaufhaus sind drei Frauen getötet worden Bild: Michael Probst/AP/picture alliance

Mehrere Verletzte kämpfen um ihr Leben

Von den fünf Schwerverletzten des Messerangriffs kämpfen nach Herrmanns Angaben immer noch mehrere Menschen um ihr Leben. Zwei Personen wurden am Freitag leicht verletzt. Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert erläuterte vor Journalisten, der Angreifer habe drei Frauen in einem Kaufhaus getötet. Unmittelbar vor der Attacke habe er sich dort ein Messer aus einem Schaufenster gegriffen und sofort auf eine Verkäuferin eingestochen und sie tödlich verletzt. Dann tötete er zwei weitere Frauen. Laut Zeugenaussagen rief er dabei "Allahu Akbar" (Gott ist groß). Anschließend griff der Mann weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an. Die Polizei stoppte ihn durch einen gezielten Schuss in den Oberschenkel.

Generalstaatsanwalt Wolfgang Gründler teilte mit, im Januar habe der Verdächtige während eines Streits mit Mitbewohnern des Obdachlosenheims, in dem er derzeit gemeldet ist, zu einem Küchenmesser gegriffen. Ein Angriff sei aber nicht erfolgt. Er sei vorübergehend in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Zudem habe der mutmaßliche Täter einem anderen Asylbewerber gesagt, dass er als Zwölfjähriger in seiner Heimat Straftaten begangen habe. Der Somalier lebt nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit 2015 in Deutschland, genießt subsidiären Schutz im Rahmen eines Asylverfahrens und hält sich somit legal im Land auf.

Hassbotschaften gefunden 

Ermittler stellten in dem Obdachlosenheim Hassbotschaften des Messerangreifers sicher. Das Material sei aber noch nicht ausgewertet, erklärte der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert. Auch Nachrichten auf einem Handy müssten noch überprüft werden.

Blumen und Kerzen an einem abgesperrten Bereich
Blumen und Kerzen im Gedenken an die Opfer des Messerangriffs Bild: Michael Probst/AP/picture alliance

Gegen den 24-Jährigen wurde an diesem Samstag Haftbefehl erlassen. Dieser lautet auf dreifachen Mord sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall, wie die Polizei weiter bekannt gab. Der mutmaßliche Täter befindet sich derzeit in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt. 

Die Sicherheitsbehörden dankten nochmals denjenigen, die sich dem Angreifer beherzt in den Weg gestellt hätten. Gleichzeitig warnten sie mit Blick auf die Bluttat vor Vorurteilen gegenüber ausländischen Mitbürgern. Die meisten von ihnen in Würzburg seien sehr gut integriert. 

se/uh (ntv-live, dpa, afp, epd, kna, rtr)