Handelsstreit belastet europäische Firmen in China

Entgegen Erwartungen profitieren europäische Unternehmen nicht von dem Handelsstreit zwischen China und den USA. Laut einer Umfrage werden die Spannungen als Unsicherheitsfaktor wahrgenommen.

Eigentlich war damit gerechnet worden, dass China wegen der US-Strafzölle mehr bei europäischen Konkurrenten bestellen würde. Das sei jedoch nicht der Fall, heißt es von der EU-Handelskammer, die 585 europäische Unternehmen in China befragt hatte. Der andauernde Konflikt sorge für eine insgesamt schlechtere Stimmung in der Wirtschaft, so ein Ergebnis der Befragung. "Die Spannungen werden als weiterer Unsicherheitsfaktor wahrgenommen", sagte Charlotte Roule, Vize-Vorsitzende der Handelskammer. Geschäftsentscheidungen würden erschwert, was negative Auswirkungen auf das Wachstum habe. 23 Prozent der Befragten gaben an, der Handelsstreit sei ihre größte Sorge.

Die Umfrage wurde im Januar und Februar durchgeführt, also vor der jüngsten Zuspitzung des Handelsstreits. In den vergangenen zwei Wochen hatten sich beide Seiten mit einer neuen Runde von Strafzöllen überzogen. Nachdem die USA Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von zehn auf 25 Prozent erhöhten, hob Peking seinerseits seine Sonderabgaben auf US-Produkte im Wert von 60 Milliarden Dollar an.

Kritik von Trump wird geteilt

Zwar teilen viele der Unternehmen laut der Umfrage die Kritik von US-Präsident Donald Trump an der chinesischen Wirtschaftspolitik - die Strafzölle halten sie jedoch für den falschen Weg. 20 Prozent der befragten Firmen in China bemängelten vor allem den Zwang zur Weitergabe von Technologie, um Geschäfte abschließen zu können. "Es ist nicht hinnehmbar, dass diese Praxis in einem so ausgereiften und innovativen Markt wie China fortgesetzt wird", sagte Roule. 45 Prozent fühlen sich im Vergleich zu chinesischen Unternehmen ungerecht behandelt. 56 Prozent meinen zudem, chinesische Firmen hätten in Europa einen besseren Marktzugang als umgekehrt. Trotz der Kritik steht China bei 62 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin auf der Liste der drei bevorzugten Standorte für künftige Investitionen.

Statt China mit Strafzöllen zu überziehen, plädiert die Handelskammer für einen "strategischen Dialog" mit Peking. Die EU solle weiter über ein Investitionsabkommen verhandeln, in dem auch die unfairen Wettbewerbsbedingungen thematisiert werden.

Deutschland großer China-Skeptiker

Auch mit dem Gebaren chinesischer Unternehmen außerhalb der Volksrepublik ist man in Europa nicht zufrieden: Laut einer Umfrage des Münchener ifo-Instituts gibt es in Europa chinesischen Investitionen gegenüber ein ausgeprägtes Misstrauen. Das Institut hat über 1000 Wirtschafts-Fachleute in 81 Ländern befragt. In der EU bewerteten zwei Drittel der Befragten Investitionen aus China leicht oder sogar deutlich negativer als die anderer Länder. Deutschland gehört zu den größten Skeptikern: Hier gaben vier von fünf Befragten eine negative Bewertung ab. Auch in den USA überwiegt Skepsis: Dort äußerten sich 78,4 Prozent negativ zu chinesischem Geld. In Schwellen- und Entwicklungsländern ist das Engagement aus Peking besser angesehen.

cvo/sti (dpa, afp)

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