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Politik

Handelsvertretung oder Botschaft?

31. März 2019

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro besucht erstmals Israel. Und die Israelis verbreiten bereits für sie positive Nachrichten. Brasilien habe parallel zum Staatsbesuch eine diplomatische Vertretung in Jerusalem eröffnet.

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Jair Bolsonaro in Israel
Freundlicher Empfang in Tel Aviv: Jair Bolsonaro (l.) und Benjamin NetanjahuBild: Reuters/R. Zvulun

Danke für die Eröffnung eine diplomatischen Büros in Jerusalem, twitterte Außenminister Israel Katz. Das Foto des Tweets zeigt ihn händeschüttelnd mit seinem brasilianischen Ressortkollegen Ernesto Araújo.

Der Rang der diplomatischen Außenstelle in Jerusalem ist nicht ganz klar. Katz äußerte sich nicht zum Status der neuen brasilianischen Dienststelle in Jerusalem. 

Auf dem Ben Gurion-Flughafen von Tel Aviv hat am Nachmittag Israels Premier Benjamin Netanjahu seinen Staatsgast aus Brasilien empfangen. Am Montag wollen Bolsonaro und Netanjahu gemeinsam Jerusalem und auch die Klagemauer besuchen.

Bolsonaros Teil-Rückzieher

Präsident Jair Bolsonaro hatte vor wenigen Tagen geäußert, dass er entgegen früherer Ankündigungen womöglich doch nicht die Botschaft seines Landes von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen werde. Es könnte dort aber eine Außenhandelsvertretung eröffnet werden, sagte der Rechtsaußen-Politiker am Donnerstag nach einer Gedenkveranstaltung in Brasília. "(US-Präsident Donald) Trump hat neun Monate gebraucht, um den Umzug der Botschaft zu beschließen", sagte Bolsonaro vor Journalisten. "Vielleicht eröffnen wir jetzt eine Handelsvertretung in Jerusalem." Damit könnten sich die Militärs in seinem Kabinett durchgesetzt zu haben, die vor einer Verlegung gewarnt hatten.

Bolsonaro hatte die Botschaftsverlegung bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Brasilien Ende 2018 versprochen. "Bolsonaro hat mir gesagt, dass es keine Frage mehr sei, ob, sondern lediglich wann", sagte Netanjahu damals.

Agrarlobby setzt sich durch?

Brasiliens Unternehmer und mit ihnen eng verbundene Militärs befürchten, durch eine Botschaftsverlegung Milliardengeschäfte mit arabischen Ländern zu verlieren. Diese drohten bereits, Agrarimporte aus Brasilien zu stoppen. Das südamerikanische Land ist weltweit einer der größten Exporteure von Halal-Fleisch.

Größter Streitpunkt im Nahostkonflikt

Der Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Sowohl Israelis als auch Palästinenser beanspruchen Jerusalem als Hauptstadt für sich. Wegen des ungeklärten Status der Stadt war es lange Zeit diplomatischer Konsens, dass ausländische Staaten ihre Botschaft nicht in Jerusalem ansiedeln, bis US-Präsident Donald Trump ausscherte.

qu/kle (rtr, afp, dpa)