1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Zwei Zwischenfälle

23. März 2007

Die Gefangennahme von 15 britischen Soldaten und die Absage Ahmadinedschads verschärfen den Iran-Konflikt. Am Samstag soll bei der UN über eine neue Resolution abgestimmt werden.

https://p.dw.com/p/A8kd
Britische Soldaten bei einer Routinekontrolle (Archivfoto, Quelle: AP)
Britische Soldaten bei einer Routinekontrolle (Archivfoto)Bild: AP

Die iranische Regierung bestätigte am Freitagabend (24.3.07) nach Angaben des Nachrichtensenders Khabar die Gefangennahme der britischen Seeleute. Teheran werfe ihnen vor, in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Die Regierung habe gegen dieses "neuerlich Eindringen britischer Marinekräfte in iranische Hoheitsgewässer" protestiert und den britischen Geschäftsträger ins Außenministerium einbestellt. Teheran verlange von der britischen Regierung eine Erklärung und Garantien dafür, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole. Die Seeleute würden bis zum Abschluss der Untersuchungen in iranischem Gewahrsam bleiben.

Botschafter einbestellt

Die britische Außenministerin Margaret Beckett hatte zuvor ihrerseits den iranischen Botschafter einbestellt und die sofortige Freilassung der Briten verlangt. "Wir haben eine vollständige Erklärung über das verlangt, was vorgefallen ist, und wir haben keinerlei Zweifel daran gelassen, dass wir die sofortige und sichere Heimkehr unserer Mannschaften und ihrer Ausrüstung wollen", sagte Beckett nach der 20-minütigen Unterredung ihres Staatssekretärs Peter Ricketts mit dem iranischen Botschafters Rasoul Movahedian. In Teheran überbrachte der dortige britische Botschafter die Forderungen Londons an das iranische Außenministerium.

Durch UN-Resolutionen gedeckt

Die Gefangennahme der Marine-Angehörigen erfolgte nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in London bei der Routine-Inspektion eines kleinen Handelsschiffes vor der irakischen Küste durch die Besatzungen zweier britischer Marineboote gekommen. Derartige Inspektionen sollten den Schmuggel von irakischem Erdöl sowie von Waffen unterbinden helfen und seien voll und ganz durch UN-Resolutionen gedeckt.

Der Vorfall habe sich gegen 10.30 Uhr Ortszeit ereignet, hieß es
weiter. Während der Kontrolle des Handelsschiffes, einer
traditionellen Dau, seien die zwei Marineboote von iranischen
Kriegsschiffen eingekreist und dann gezwungen worden, in
Hoheitsgewässer des Iran zu fahren.

Nicht das erste Mal

Die Gefangennahme der Marineangehörigen war nicht der erste
derartige Vorfall. Im Juli 2004 hatte die iranische Marine im Schatt
el Arab, dem Mündungsfluss von Euphrat und Tigris, drei britische
Patrouillenboote aufgebracht und acht Marinesoldaten festgesetzt. Sie waren gefesselt mit verbundenen Augen im iranischen Fernsehen
vorgeführt worden. Nach viertägigen Verhandlungen kamen sie jedoch
frei.

Damals hatten die Briten eingeräumt, dass die Boote
möglicherweise durch einen Navigationsfehler in iranische Gewässer
geraten seien. Diesmal schloss London eine solche Möglichkeit von
vornherein kategorisch aus.

Neue Iran-Sanktion

Hintergrund der Spannungen zwischen beiden Ländern ist, dass London derzeit im UN-Sicherheitsrat in New York zu den
treibenden Kräften hinter einer angestrebten Resolution gehört, mit
der die Sanktionen gegen Teheran wegen dessen Nuklearprogramm
verstärkt werden sollen. Westliche Staaten, darunter auch Deutschland, wollen verhindern, dass der Iran Atomwaffen entwickelt.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird nicht wie geplant an der Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Samstag in New York teilnehmen. Die USA hätten sein Visum nicht rechtzeitig ausgestellt, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Teheran. Ahmadinedschad wollte vor dem Gremium reden, bevor es über eine neue Resolution gegen den Iran abstimmt.

Der von den fünf Vetomächten und Deutschland am Freitag in New York fertiggestellte Entwurf enthält unter anderem ein Verbot von Waffenausfuhren und das Einfrieren weiterer Konten. Der
iranische Staatschef hatte neue Vorschläge im Atomstreit
angekündigt. (kas)