1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Joe Biden nennt Wladimir Putin einen "Mörder"

17. März 2021

Der US-Präsident lässt den Streit mit Russland eskalieren. Biden hält den Kremlchef nicht nur für einen Mörder, er droht Putin auch mit Konsequenzen für die angebliche Einmischung in die US-Wahl.

https://p.dw.com/p/3qkce
USA Washington | Joe Biden zum Coronahilfspaket
Bild: Patrick Semansky/AP Photo/picture alliance

Wladimir Putin werde dafür "bezahlen", dass er seine Präsidentschaftskandidatur 2020 zu untergraben versucht habe, um Donald Trump zum Sieg zu verhelfen, sagte Joe Biden in einem Interview des US-Senders ABC. Auf die Frage, was die Konsequenzen sein würden, sagte er: "Sie werden es in Kürze sehen." Biden war in dem Interview auch gefragt worden, ob er der Ansicht sei, dass Putin "ein Mörder ist" - der neue US-Präsident antwortete: "Das tue ich."

Moskau reagierte sofort und scharf auf Bidens Aussagen. "Putin ist unser Präsident und ein Angriff auf ihn ist ein Angriff auf unser Land", schrieb der Präsident des russischen Unterhauses, Wjatscheslaw Wolodin, im Onlinedienst Telegram. Der einflussreiche Putin-Vertraute fügte mit Blick auf die Biden-Äußerungen hinzu: "Das ist Hysterie aufgrund von Machtlosigkeit."

Moskau beordert seinen Botschafter zurück

Nach der heftigen Kritik Bidens hat Russland seinen Botschafter in Washington zu Beratungen zurück nach Moskau gerufen. Gemeinsam mit Anatoli Antonow sollten die Beziehungen zwischen beiden Ländern erörtert werden, teilte das russische Außenministerium mit. Die neue US-Regierung sei bereits seit fast zwei Monaten im Amt - "und dies ist ein guter Grund, um zu beurteilen, was dem Biden-Team gelingt und was nicht". Es gehe bei dem Gespräch darum, wie die Beziehungen, die sich in einer "Sackgasse" befänden, korrigiert werden könnten. "Wir sind daran interessiert, eine irreversible Verschlechterung zu verhindern", hieß es.

Kreml dementiert Einmischung

Russland hat nach Einschätzung von US-Geheimdiensten stark in die amerikanische Präsidentschaftswahl 2020 eingegriffen. Das sei "falsch, absolut unbegründet und haltlos", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der Agentur Interfax in Moskau. Russland habe sich weder in die US-Wahlen 2020 noch in die davor eingemischt. Eine derartige Behauptung seitens der USA schade nur "den ohnehin schon angeschlagenen russisch-amerikanischen Beziehungen".

Die amerikanischen Geheimdienste sehen das anders: Russland habe sich bei der Wahl im November für eine zweite Amtszeit des damaligen Präsidenten Trump eingesetzt und versucht, dessen Herausforderer Biden zu schaden. Moskau habe den Ausgang der Wahl beeinflussen und Unfrieden im Land stiften wollen, heißt es in einem Bericht aus dem Büro von Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines. Präsident Putin und seine Regierung hätten die Maßnahmen "genehmigt und durchgeführt".

Russland habe sich dabei auf Desinformation konzentriert, anders als bei der Wahl 2016 aber nicht versucht, die Wahlinfrastruktur in den USA direkt zu untergraben, heißt es weiter. Moskau wollte "die öffentliche Wahrnehmung der Kandidaten in den USA beeinflussen" und das langfristige Ziel verfolgen, "das Vertrauen in das US-Wahlsystem zu untergraben und die gesellschaftliche Spaltung der Menschen in Amerika zu verstärken", heißt es in dem Geheimdienstbericht. Russland habe einen Wahlsieg des Demokraten Biden als "nachteilig für russische Interessen" betrachtet.

Entsprechende Vorwürfe hatte Russland auch in der Vergangenheit schon vehement zurückgewiesen.

qu/sti (afp, rtr, dpa)